„Erst muss Du in den Kopf der Pferde, dann musst Du ihr Herz erreichen und erst dann kannst Du Dir Gedanken um das Reiten machen.“

…sagt Meredith Ransley als erstes zu mir während wir auf der Koppel stehen.

Quantum Savvy Horsemanship

Wir haben eine Trainingslektion mit Meredith für die ersten Schritte in die Freiarbeit für dich gedreht:

Ihr Pferd steht etwa 15 Meter entfernt und knabbert das gelbe australische Gras. Sein rechtes Ohr ist uns zugewandt. Aber er steht da als ob er nichts um sich herum bemerken würde. Er hat uns bemerkt und sagt uns mit seinem umgeklappten Ohr, dass wir uns annähern dürfen. Er redet mit mir, nur mit dieser einen kleinen Geste.

ACHTUNG:Nicht frontal auf das Pferd zulaufen. Das ist unhöflich und kann dafür sorgen, dass das Pferd keine Lust hat mit einem unhöflichen Partner zusammenzuarbeiten.

Quantum Savvy – die ersten Schritte um das Pferd aufzuhalftern:

  1. Laufe entspannt und normal auf das Pferd zu und beobachte weiter seine Mimik und Körperhaltung
  2. Laufe seitlich auf das Pferd zu. So kann es dich gut wahrnehmen und sich entscheiden, ob es sich dir zuwenden oder sich abwenden möchte.
    Wendet er sich ab? Dann bleibe stehen und bewege dich wieder einen Schritt zurück. Wendet er sich dir zu oder bleibt sein Ohr eingeklappt? Dann darfst du dich weiter auf ihn zubewegen.
  3. Wir nähern uns also Schritt für Schritt an. Bis du dann einen Meter vor ihm stehst.
  4. Wenn es nicht klappt oder das Pferd sich abwendet: atme einmal tief durch, erinnere dich daran, dass es etwas Schönes ist, dich einem Pferd anzunähern. Vergesse, dass es eine Aufgabe ist.
  5. Irgendwann wird das Pferd sich dir zuwenden. Wenn du die Geduld hast zu warten.
  6. Es wendet sich dir zu, dann darfst du ihn kraulen, er dreht sich und schnuppert vielleicht an deiner Hand. Ein schönes Gefühl. Denn er müsste das nicht tun. Er könnte weglaufen oder weiter grasen.
  7. Wende ihm deine Hand zu. Lass seinen Kopf zu dir kommen und halftere das Pferd dann entspannt auf.

Wie du erkennst, dass ein Pferd sich zuwendet? Das Pferd wird das Ohr einklappen und dir den Kopf zuwenden. Vielleicht bewegt es sich auch auf dich zu.

Quantum Savvy Horsemanship

Quantum Savvy Horsemanship

Quantum Savvy Horsemanship

Dann kannst du zum Putzplatz gehen. Die Führposition a la Quantum Savvy ist an bzw. leicht hinter der Schulter.

Meredith hat zwei Gründe dafür:

  1. Pferde sind Herdentiere. In der Herde ist das Leittier niemals ganz vorne und niemals ganz hinten, erklärt sie mir. Es muss den Überblick behalten und wird von der Herde auch ein Stückweit geschützt, um das große Ganze retten zu können, um Fall der Fälle. Wenn also der Mensch vorausmarschiert, sagt er dem Pferd damit: Du bist der Chef, weil ich mich voranstelle.
  2. Pferde bewegen sich aufgrund ihrer Körperlänge nach rechts und links. Sie biegen sich quasi um ihre Körpermitte, je nach Gangart in einem unterschiedlichen Takt. Wenn wir nun also zu weit vorne oder zu weit hinten laufen, hindern wir sie mit unserer Präsenz daran sich korrekt beim laufen um ihre Körpermitte zu biegen. Dadurch „stoßen“ wir sie von uns weg bzw. sorgen dafür, dass sie nicht so locker laufen können. Da sie entweder mit uns zusammenstoßen, wenn wir in ihrer Biegebewegung stehen oder sie Abstand nehmen müssen um sich entspannt beim Laufen um ihre Körpermitte biegen zu können. Wir schaden also entweder ihrer Muskelkontraktion weil sie Rücksicht auf uns nehmen müssen oder entfernen sie von uns, wenn wir in ihrer Bewegung stehen. Das erstere wiederum kann für Verspannungen sorgen und kann für Meredith auch dafür sorgen, dass wir ihnen im Laufe der Zeit ihre Bewegungen erschweren, was wiederum dafür sorgt, dass sie die Muskeln nicht korrekt nutzen, was wiederum dafür sorgt, dass die Rückenmuskeln nicht aktiviert werden, was wiederum dafür sorgt, dass die Hinterhand nicht so aktiviert wird.

Wenn Meredith also Recht hat, können wir der gewünschten aktiven Hinterhand allein durch die Führposition im Kleinen ungewollt entgegenwirken.

Es ist doch verrückt, wie viel Einfluss wir auf die Pferde haben allein dadurch, wie wir uns mit ihnen bewegen. Und ich denke mir, dass Meredith auf jeden Fall damit Recht hat, dass alles eine Bedeutung hat, wenn wir mit Pferden arbeiten. Allein die Art wie wir den Arm halten, die innere Haltung die wir haben wenn wir die Koppel betreten und wo wir stehen, wenn wir das Pferd führen.

Quantum Savvy Horsemanship

Das alles erklären die beiden auch nochmal Schritt für Schritt in ihrem Trainingssystem. Es ist online und via youtube verfügbar. Ich freue mich, dass ich noch eine weitere Trainingseinheit bekommen werde. Ich darf in den Sattel. Ohne alles. Nur das Pferd, ein Barebackpad und ich. Reiten ohne Zügel und nur mit dem eigenen Sitz, dem Körper. Ich bin gespannt und freue mich darauf.

Quantum Savvy Horsemanship

Beim nächsten Mal? Erzähle ich euch von Reiten „ohne alles“ und wie mit Merediths Pferd funktioniert hat. Und es gibt Tipps von Shane Ransley für einfache Übungen zu mehr Versammlung und Kommunikation mit dem Pferd

TEIL 1 über Quantum Savvy – das australische Horsemanship findest du HIER

Autor: Petra

Pferde machen glücklich. Sie sind unsere Lehrmeister, auf dem Weg zu dem besten "Ich", das wir werden können. Daran glaube ich fest. Es ist wichtig, dass wir ihnen zuhören und lernen sie zu verstehen. Dann schenken sie uns besondere Momente. Diese Momente machen süchtig. Im echten Leben bin ich professionelle Journalistin. Das versuche ich hier in die Welt der Pferde zu übertragen. Ich schreibe die Artikel, führe die Interviews und besuche die Kurse für mehr Pferdewissen. Mein Mantra: Sei ein sicherer Ort für das Pferd.

4 Kommentare zu “Warum alles eine Bedeutung hat, sobald Du mit Pferden arbeitest

    • Petra sagt:

      Liebe Luna, danke für deinen lieben Kommentar. Das Schöne an dem Training ist, dass es keine Zauberei ist (auch wenn du Recht hast, dass es so aussieht als ob), sondern nur Körpersprache, Timing und viel Kommunikation. Ich glaube, dass das jeder mit seinem Pferd so lernen kann 🙂 Ist das nicht motivierend? 🙂 Ganz liebe Grüße, Petra

  1. Miriam sagt:

    Liebe Petra,

    ich mag die Idee, dass das Pferd frei ist und jederzeit die Gelegenheit hat zu sagen, es will nicht. Aus unter anderem diesem Grund mag ich auch den Roundpen nicht.

    Schön finde ich auch, dass sie immer wieder betont, dass das Pferd keine Tricks lernen soll, sondern Kommunikation stattfindet. Das finde ich schön, denn das ist dann keine Einbahnstraße sondern geht in beide Richtungen. Mir persönlich ist es immer wichtig, dass wir beide, mein Pony und ich, sprechen und nicht einer der Befehlsempfänger ist.

    Liebe Grüße
    Miriam

    • Petra sagt:

      Liebe Miriam, das kann ich verstehen. Ein Round-Pen baut ein bisschen Druck auf. Aber es hilft auch manchmal in der Kommunikation, man sollte sich nur sehr bewusst sein, dass die fehlenden Ecken Druck sein können. Training statt Tricks, gell? Den Satz fand ich auch super. Ich mag auch Kommunikation und Partnerschaft sehr. Ich bin nur etwas strenger als du, wir haben eine 60% (Petra) – 40 % (Carey) Partnerschaft. Zum einen, weil ich eine gewisse Sicherheit will, zum anderen weil Carey zufriedener ist, wenn sie merkt, dass ich auf meiner Meinung freundlich aber bestimmt bestehen kann. Sie scheint sich damit wohler zu fühlen, weil ihr das Sicherheit gibt und das Gefühl sich in Gefahrensituationen auf mein Urteil verlassen zu können. So interpretiere ich ihre Zufriedenheit, wenn ich klar und bestimmt bin 🙂 Ganz liebe Grüße und bis bald, Petra

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