Im letzten Teil meiner Serie zum Thema Jungpferdegrundschule möchte ich noch ein Thema ansprechen, das mir sehr wichtig ist. Pferdehaltung und wie sie im Idealfall sein sollte. Herr Freyr hat nun seine Grundschule abgeschlossen, ist in den Sommerferien auf der Koppel und wartet darauf, dass er ein neues Zuhause findet. 

Ein Muss: Der Koppelgang

Nicht immer einfach zu erfüllen, aber für mich ein wichtiges „Muss“ ist der Koppelgang für Berittpferde. Egal ob jung oder alt, Pferde sind absolut keine „Höhlenbewohner“ und früher oder später leiden sie darunter, wenn sie immer in der Box stehen. Ich weiß, dass das nicht immer einfach zu erfüllen ist. Gerade in den Wintermonaten, in denen man ohnehin bereits mit Auslaufflächen begrenzt ist. Trotzdem ist es für mich ein No-Go, ein Pferd für die Ausbildungszeit einfach nur in eine Box zu stellen.

Für mich muss ein professioneller Trainer dafür sorgen können, dass das Ausbildungspferd auch auf die Koppel darf. Dass es sich wälzen, mal traben, galoppieren und in der Sonne dösen kann. Einfach Pferd sein darf. Und das nicht nur eine halbe Stunde am Tag.

Pferd lustig

Pferd rennt

Warum der Koppelgang so wichtig ist

Ich bin sogar der Meinung, dass ich es als Ausbilder einfacher habe, wenn das Pferd entspannt und ausgeglichen ist. Ein Pferd, das nach dem Training nur in eine Box kommt, ist aber irgendwann nicht mehr ausgeglichen, sondern gestresst. Nach Absprache mit den Besitzern, habe ich auch schon passende Pferde zusammen auf die Koppel lassen können. Das ist dann natürlich noch idealer. Die Pferde können ihre Nasen ins Fell drücken und zusammen den restlichen Tag verbringen. 

Pferde zusammen

Alleine Frühstücken ist doof 

Natürlich kommt es auch bei mir vor, dass ich kein anderes passendes Pferd habe und das Berittpferd auf seiner Koppel alleine ist. Es sind zwar Pferde drumherum, es kann immer andere Pferde sehen und beobachten – aber das ist nicht das gleiche. Meistens merkt man das dem Pferd ab dem 3. Monat (ca.) an. Es vermisst die Herde, die Gemeinschaft, das Kraulen und Spielen….alleine frühstücken ist auf Dauer einfach doof. 

Alleine frühstücken doof

Alleine frühstücken 2

In- und auswendig

Genauso wichtig ist es, dass der Besitzer sein Pferd und seine Bedürfnisse sehr gut kennt und einschätzen kann. Dass er es im Grunde in- und auswendig kennt und mit ihm ungehen kann. Deshalb finde ich es sehr wichtig, auch den Besitzer und/oder Reiter des Ausbildungspferdes „mit zu trainieren“. Je nach Kenntnisstand des Besitzers. 

Was hat denn der Besitzer davon, dass ich sein Pferd gut reiten kann? Er oder sie muss es gut reiten können. Und nach drei Monaten Grundschule ist das Pferd ja noch lange nicht fertig ausgebildet. Der Besitzer sollte also nach dieser Zeit auch die Fähigkeit haben mit seinem Pferd alleine weiter zu üben um das Gelernte selber zu festigen. Das ist unser Fundament, auf das zu jeder Zeit immer bei Problemen zurückgegriffen werden kann.

Es ist traurig…

Estimmt mich traurig, dass in vielen Ställen dieser Welt die Pferde immer noch den ganzen Tag in der Box leben. Während in den Seminarräumen fleißig gelernt wird, das Pferde Herdentiere, Steppentiere, Lauftiere etc. sind und welche Bedürfnisse sie haben.

Bedürfnisse

Achtung bei ausschliesslicher Boxenhaltung!

Für mich ist die ausschließliche Boxenhaltung nicht professionell, auch wenn man dadurch als Trainer natürlich den Profit steigern kann, da man mehr Pferde aufnehmen kann. Ich weiß, dass auch das einfach gesagt ist. Das „Höher-Weiter-Schneller-Hamsterrad“ dreht sich schließlich unaufhörlich weiter und wir schaffen es dadurch, unsere schnelllebige Welt noch ein bisschen schneller zu machen. Geht es unseren Pferden aber dadurch besser…?

Daher mein Tipp: entschleunigt euch, schaut aufmerksam hin, fragt unbedingt nach WER das Pferd einreitet/ausbildet und fahrt vorher hin und schaut euch diesen Ausbilder an. Oder macht mal einen Kurs als Zuschauer mit um euch ein Bild machen zu können. 

Pferd und Mama

Pferd jagt

Und dann entscheidet euch, was für euch und euer Pferd der richtige Weg ist. Er ist für jeden anders, da wir alle einen anderen Traum haben bzw. ein anderes Ziel verfolgen.

Und vor allem wünsche ich euch viel Spaß mit den Pferden. 

Eure

Sabine

Pferdegrundschule a la Sabine: 

INFO: Wer im Baden-Württembergischen und Südpfälzer Raum lebt und einen Ausbilder für sein Pferd sucht – hier sind meine Kontaktdaten. Ihr könnt euch einfach bei mir melden. Ich freue mich auf euch und eure Pferde!

Hier klicken um zur Webseite von Sabine Wendland zu kommen

Sabine Wendland – Tel.: 07277 91 91 41

Email: info[@]bienwaldranch.de

10 Kommentare zu “Kein Pferd gehört nur in die Box! Tipps für gute Pferdehaltung und die Trainersuche

  1. Miriam sagt:

    Liebe Sabine,

    vielen Dank für den Denkanstoß. Leider ist es für viele Pferde Realität, dass sie mehr Zeit in der Box verbringen als auf der Weide. In vielen Ställen kommen die Pferde zwar stundenweise raus, aber wenn man nachrechnet ist die Zeit in der Box doch recht lang.
    Und ich finde das auch für eine Dauer von drei Monaten nicht gut, wenn das Pferd die ganze Zeit in der Box steht.
    Mein Pony steht im Offenstall. Er ist den ganzen Tag draußen und kann sich bewegen wie er will. Allerdings gibt es hier auch eine Menge zu beachten. Es reicht nicht nur, sein Pferd in den Offenstall zu stellen. Es muss in die Herde passen, es sollte keinen allzu often Wechsel der Pferde geben, die Gruppe darf nicht zu groß sein. Es muss genügend Platz da sein, alle Pferde müssen Zugang zu Heu und Wasser haben. Es muss ein trockener zugfreier Unterstand vorhanden sein. Es müssen nicht matschige Stellen auch im Winter vorhanden sein. Es sollte für jedes Pferd ein Fressplatz vorhanden sein, wo es in Ruhe sein Futter fressen kann und natürlich sollte auch für Notfälle wie Krankheit oder sonstiges die Möglichkeit bestehen ein Pferd aus der Herde nehmen zu können.
    Mir würde noch so viel mehr einfallen, was einen guten Offenstall ausmacht. Das ist nicht leicht zu finden und manchmal muss man auch Kompromisse machen, das ist mir klar. Aber es gehört einfach mehr zu Pferdehaltung als das Tier irgendwo in einer Box oder einem Offenstall unterzubringen.
    Sorry ich bin glaube ich etwas am Thema vorbei, aber ich höre so oft, mein Pferd steht doch im Offenstall, dem geht es gut. Dann hat das Pferd aber beim genauen hinsehen fast noch weniger Platz für sich wie ein Boxenpferd, weil die Weiden zu klein und die Gruppen zu groß sind. Es wird sich ums Heu geprügelt, weil die Gruppenzusammenstellung nicht passt und die Pferde gestresst sind. Dadurch ist oft ein Kommen und Gehen von Pferden, was wieder zu Stress führt. So ist auch ein Offenstall keine artgerechte Haltung meiner Ansicht nacht.

    Liebe Grüße
    Miriam

    • Sabine sagt:

      Hallo Miriam,

      vielen Dank für deinen Kommentar. Das sehe ich auch genau so. Jedes Pferd ist einfach individuell zu betrachten um ihm dann das geben zu können, was es braucht.
      Bei uns haben sich auch schon ehemalige Offenstallpferde richtig erholt, da der Offenstall schlecht organisiert war und das Pferd keinen Schlaf fand und nicht in Ruhe fressen konnte.
      Wenn ein Pferd ständig auf der Flucht ist – ist das auch grausam und wenig artgerecht.
      Mir tun auch immer die Berittpferde leid, die (vielleicht hatten sie sogar eine geniale Kindheit auf großer Fläche) dann auf einmal in einer Box landen um ein Reitpferd zu werden. Und ich wundere mich stets, das die Besitzer immer noch bereit sind, dafür sogar noch richtig viel Geld in die Hand zu nehmen.

      Liebe Grüße

      Sabine

  2. Gisela Fritz sagt:

    Hallo Sabine,
    ich finde reine Boxenhaltung auch nicht mehr akzeptabel. Ich kann aber auch verstehen, dass es oft nicht möglich ist, wirklich alles ideal hinzukriegen. Deshalb erzähle ich mal kurz, wie es bei meinen Pferden ist. Die stehen in einem Reit- und Pensionsstall. Ihre Boxen haben eine kleine "Terrasse" nach draußen, die nur bei ganz extrem schlechtem Wetter ganz zugesperrt wird (z.B. wenn sonst die Tränken einfrieren würden). Mit den Nachbarpferden können sie so zB Fellkraulen machen. Im Sommer kommen unsere Privatpferde tagsüber auf die Weide (die Schulponies sind von Mai bis Oktober 24 Std draußen auf einer Extraweide); je nach Futterzustand manchmal eben auch nur einen halben Tag (unsere Marschweiden sind echt lecker!). Im Winter ist die Weide gesperrt, damit sie sich erholen kann, da kommen die Pferde in kleinen Gruppen à 6 auf einen Paddock mit Wattboden, so dass sie wenigstens 4-5 Stunden an der frischen Luft sind, miteinander laufen, spielen und rangeln können. Die Gruppenzusammenstellung wird sehr gründlich überlegt und so durchgeführt, dass die Pferde sich langsam aneinander gewöhnen können. Neulinge werden langsam nach und nach eingegliedert.
    Natürlich gibt es auch im Winter manchmal Wetterlagen, die den Paddockgang verbieten. Manchmal regnet es derart, dass man das Gefühl hat, die Pferde wollen gar nicht raus. Und manchmal ist der Boden so uneben und gefroren, dass es auch nicht nur gut ist, wenn ein Pferd darauf läuft.
    Aber insgesamt finde ich es schon ganz in Ordnung. Und man muss ja auch bedenken: Wenn man täglich bei seinem Pferd sein will, darf der Stall nicht weit weg sein. Vielleicht gibt es einen Stall weiter weg, der besser oder billiger oder beides ist, aber wenn ich dann nicht mehr so häufig hinkomme, ist es auch nicht gut.
    Übrigens: früher hatte ich meine beiden Pferde mal auf einem Hof in Offenstallhaltung untergebracht. Es war eigentlich ganz toll, aber im Winter bin ich kaum zum Reiten gekommen (nicht nur, weil es keine Halle gab). Die Arbeiten nahmen einfach viel Zeit in Anspruch, und wenn man als Einsteller da mithelfen muss, geht das von der Reitzeit ab.
    Liebe Grüße
    Gisela

    • Sabine sagt:

      Hallo Gisela,

      vielen Dank für deine Zeilen. Den richtigen Platz für sich und sein Pferd zu finden ist tatsächlich nicht immer einfach. Und du hast Recht: Der Stall sollte natürlich auch gut erreichbar sein, damit man möglichst oft (und möglichst lange ) Zeit mit seinem Pferd verbringen kann.
      Kleine Kompromisse kann man immer eingehen. Oft sind die Pferde nicht so kompliziert, wie wir Menschen meinen. Vielleicht kann Petra hierzu einmal Pfridolin befragen 🙂

      Liebe Grüße

      Sabine

  3. Caro sagt:

    Hallo Sabine!

    Klasse Artikel. Ich bin ganz deiner Meinung.
    Mein Pferd lebte Anfangs auch in der Box. Hatte aber seither jeden Tag mind. 6 h Koppelgang. Dann sind wir in eine Paddoxbox umgezogen. Koppelgang blieb aber da es für mich unverzichtbar ist.
    Seit ca. einem Jahr wohnt Frau Pferd in einem kleinen Offenstall zusammen mit einer gleich alten Hafi-Stute. Sie haben ein bisschen gebraucht bis sie sich angefreundet haben aber jetzt klappt es richtig super.
    Im Sommer geht’s dann aber raus auf 24h Stunden Koppel. Erst hatte ich davor immer etwas Angst (könnte ja sonst was passieren so fernab vom Stall) aber nachdem sie den ersten Sommer dort verbracht hatte, wusste ich es ist das tollste was man seinem Pferd gewähren kann. Es gibt nix schöneres als im Sommer Abends an der Koppel vorbei zu schlendern und in zufriedene, glückliche Pferdegesichter zu schauen.

    Liebe Grüße und weiter so.
    Caro

  4. Hobbyranch.de sagt:

    Haltung, Gesundheit und Ernährung – diese wesentlichen Punkte sind entscheidend für das Wohlergehen eines jeden Pferdes. Und da Pferde von Natur aus Herden- und Lauftiere sind, die in der freien Natur täglich weite Strecken überwiegend im Schritt zurücklegen, ist eine reine Boxenhaltung keinewegs artgerecht.

    Heutzutage gibt es eine Vielzahl artgerechter Alternativen wie zum Beispiel artgerecht angelegte Aktivstall– oder Offenstallhaltung mit entsprechenden Bewegungsanreizen. Auch die Haltungsform "Paddock Trail" findet immer mehr Freunde, denn sie kommt der natürlichen Pferdehaltung schon recht nahe.

    Zu hoffen bleibt, das sich möglichst jeder Pferdehalter genügend Gedanken zur Unterbringung macht und sein Pferd nicht aus Bequemlichkeit in der nächstbesten Box unterbringt. Das gilt natürlich auch für "sogenannte" Sportpferde!

  5. Isabel sagt:

    Hallo
    Ich habe mein Pony in einer Box stehen sie kommt aber den ganzen tag raus im Winter auf den reitplatz mit anderen Pferden und im Sommer sind alle Pferde auf den weiden um den Hof zusammen mit 24 Stunden draußen auf der weide je nach Wetter Lage wen es z.b. nachts ein Gewitter kommt ,kommen die Pferde rein und am nächsten Morgen gleich wieder raus . Und später ist offenstall geplant wo sie hier kommt auf dem Hof nur zur Eingewöhnung Box.
    Ich war mal einem reitstall da standen die schulpferde den ganzen tag in der Box dem entsprechen waren die auch haben Reiter abgeschmissen und unter einander nicht vertragen , habe dann mal beim beritt zu geschaut das Pferd hat da nur Schläge gelernt sonst nichts wen es was gemacht hat gleich eine voll mit der gärtte. Da war mir klar ich höre da auf bin nie wieder hin gegangenen.
    LG isabel

    • Petra sagt:

      Liebe Isabel, der Stallwechsel war sicher eine gute Entscheidung. Es klingt so, als ob dein Pony es sehr gut hat. Das ist schön 🙂 Viele liebe Grüße, Petra

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