Psychologe, Therapeut, Freund, Partner, Seelenwesen! Das alles können Pferde sein. Wenn wir es zulassen. Pferde sind im Grunde Energie auf vier Beinen. Das klingt jetzt vielleicht esoterisch, aber sie denken in Energie, sie fühlen in Energie und handeln mit Energie. Wir Menschen tragen auch Energie in uns. Das alles ist wichtig für unsere Zusammenarbeit und Zeit mit den Pferden. Das Wissen um diese Energie und den Raum in dem wir uns bewegen, kann uns helfen zu mehr Bindung mit dem Pferd. Und es kann uns dabei helfen uns selbst zu finden…

Pferde spiegeln uns und unsere inneren Baustellen von Natur aus. Deswegen sind sie nicht nur der Freund an unserer Seite, sondern immer öfter auch Helfer für die therapeutische Arbeit. All das gilt aber natürlich auch für den alltäglichen Umgang mit deinem Pferd. Wenn du lernst dir selbst zuzuhören und deinem Pferd, wirst du einen besseren und vertrauensvolleren Zugang zu deinem Pferd finden. Versprochen!

Pferde als Therapeuten

Pferde sind so unglaublich fein und sensibel. Sie erspüren, wer vor ihnen steht und wie es diesem Menschen geht. Pferde denken in Raum und Energie. Sie nehmen Raum für sich ein, sie geben Raum frei, sie lassen sich aus dem Raum bewegen oder versuchen den Menschen aus ihrem Raum zu bewegen. Durch Energie, durch Haltung und in der letzten Stufe durch körperliche Bewegung und Druck. Sie gleichen aus, was um sie herum ist und sind sozusagen in einer ständigen Bewegung mit ihrer Umgebung. Wenn wir eine körperliche Schiefe haben, wird unser Pferd vermutlich nach und nach die gleiche Schiefe entwickeln. Wenn wir Sorgen haben, wird unser Pferd sie spüren, auffangen und darauf reagieren.

Pferde sind Muskelleser

Pferde sind Flucht- und Herdentiere. Sie suchen den Kontakt zu anderen Lebewesen haben feinste Sinne, um jederzeit Gefahren zu bemerken. Sie haben feinstes Gehör, feinste Nasen, feinste Augen und sind als Muskelleser gewohnt jede kleine Regung im Gesicht oder im Körper zu bemerken. Deswegen müssen wir manchmal einfach nur an Trab denken und schon trabt das Pferd an. Das gilt aber auch für negative Emotionen. Wir müssen nur Angst haben und schon wird das Pferd sie spüren und darauf reagieren.

Es ist also die schöne Situation mit Pferden, dass sie uns sofort zeigen, wie wir uns gerade fühlen und uns so beibringen können, zu uns selbst zu finden. Weil sie sogar die Gefühle in uns lesen können, derer wir uns selbst vielleicht noch gar nicht bewusst sind.

Pferde als Therapeuten

Wie Pferde uns spiegeln

Kennst du das auch? Wenn du an den Stall kommst und dein Pferd nervöser ist als sonst? Dann fange ich an auszuatmen und in mich hineinzuhören, wie ich mich eigentlich fühle. Meist muss ich feststellen, dass ich einen hektischeren Tag hatte als sonst. Mein Pferd wusste also noch vor mir, dass ich meine innere Ruhe an diesem Tag noch nicht gefunden hatte. Oder wenn der Tierarzt kommt oder mir jemand zusieht mit meinem Pferd. Plötzlich funktionieren Dinge nicht mehr, die sonst perfekt klappen. Warum? Weil ich unbedingt will, dass sie funktionieren oder weil ich mit den Gedanken mehr bei dem anderen Menschen bin, als bei meinem Pferd. Sobald ich mich aber wieder ganz auf mein Pferd konzentriere, sind wir plötzlich wieder eine kleine Einheit.

Carey - Quarterhorse

Pferde können hinter unsere Maske sehen und schenken uns nur dann ihr Vertrauen, wenn wir unsere innere Ruhe und Stärke entdecken, wenn wir uns unseres Selbst bewusst sind und unseren Raum für uns einnehmen können.

TIPP: Stell dir den Raum um dich herum vor, wie eine Blase, die dich umgibt. Sie gehört dir und du entscheidest wie klein oder groß diese Blase ist. Sei dir der Blase zu 100% bewusst und sage deinem Pferd, wenn es unerlaubt in diese Blase eindringt. Das wird dein Pferd spüren, es wird es verblüffen und ihm zeigen, dass du weißt wer du bist und deinen Platz mit kleinen Gesten und innerer Sicherheit zu beanspruchen weißt. Und das wiederum wird dir den Respekt des Pferdes verschaffen.

Es geht bei der Arbeit mit Pferden darum eine offene Haltung der eigenen Biografie gegenüber einzunehmen und dadurch die Zusammenhänge in unserem Leben besser zu erkennen. Das wiederum kann uns dabei helfen, unsere Zukunft aktiv zu gestalten.

Carey - Quarterhorse

Wir beeinflussen also unsere Pferde durch unsere Baustellen und unsere körperlichen Defizite. Damit arbeitet zum Beispiel die Therapeutin Angelika Hutmacher.

Angelika Hutmacher Familienaufstellungen

INFO: Mit ihrer Webseite www.familienaufstellungen-pferde.de analysiert sie Menschen und ihre Pferde. Das Pferd ist bei ihr ein Familienmitglied, das eine große Rolle in unserem Leben spielt. So können Probleme zwischen Pferd und Mensch durch die Analyse oft auch über kleine Stellschrauben gelöst werden.

Die Philosophie der Familienaufstellungen: In jedem Leben gibt es wiederkehrende Muster, die die achtsame Arbeit mit dem Pferd aufdecken kann. Das bedeutet, dass eine Person ihre Biografie, ihre Familienmitglieder und die Verbindungen untereinander genau erforscht. Dazu werden verschiedene Positionen festgelegt. Das können Stellvertreter wie Zettelchen, Kissen oder eben auch andere Personen und Pferde sein. Wenn wir uns dann die Positionen der verschiedenen Familienmitglieder klar machen, werden wir erkennen, was uns geprägt hat und wie wir an uns arbeiten können, um zufriedener zu werden.

Angelika Hutmacher führt Familienaufstellungen mit Pferden durch. Die Pferde geben bei ihr den Takt vor. „Wir treffen bessere Entscheidungen, wenn wir uns auf die Natur und das Leben mit der Natur einlassen“, erklärt sie. Das zeigen die Pferde uns. „Das Pferd sucht den Menschen, nicht wir suchen das Pferd“, erklärt Angelika Hutmacher die Rolle der Pferde in unserem Leben. Praktisch bedeutet es, dass wir uns das Pferd suchen, das zu uns passt, das uns ergänzt oder unsere Baustellen spiegelt. Wir fühlen uns zu dem Pferd hingezogen, das wir brauchen oder das uns lehren kann zu uns selbst zu finden. Oder die Baustellen des Pferdes zwingen uns dazu, so an uns selbst zu arbeiten, dass wir damit umgehen können. So oder so bringt das Pferd uns dazu, an uns selbst zu arbeiten.

Angelika Hutmacher Familienaufstellungen

„Ich habe immer wieder erlebt und bewiesen, dass die Pferde nicht durch Zufall zum Menschen kommen. Wir sind wie zwei Puzzleteile die zusammenpassen. Weil der Mensch oft auch durch die Reaktionen und Probleme des Pferdes auf sich selbst zurückgeworfen wird“, sagt Angelika.

Hinter dem Konzept der Familienaufstellungen steckt die Philosophie, dass wir eingebunden sind in die Natur und die Welt, dass wir Zugehörigkeiten haben zu der Natur und bessere Entscheidungen treffen, wenn wir uns auf die Natur einlassen. Das zeigen uns die Pferde.

Angelika Hutmacher Familienaufstellungen

Sie stehen in ihrer Form der Familienaufstellungen wie Kinder in einer Familie.

„Wir lassen die Pferde in unser Familiensystem eintreten. Wir müssen also dem Pferd vertrauen und sind verbunden, wie mit einem Familienmitglied. Wie sollen sonst die Pferde uns vertrauen, wenn wir uns selbst nicht vertrauen? Oft ist der Schmerz des Pferdes, eigentlich der Schmerz des Menschen.“

Die Arbeit mit Pferden lehrt uns Ruhe und Souveränität. Das Pferd kann sich nur dann anlehnen, weil es fühlt, das wir sicher sind. Aber wir müssen dafür mit Herz und Seele arbeiten und nicht mechanisch trainieren.

Sehen, Reden, Denken, Fühlen – Ankommen

Es geht darum zu sehen, zu denken, zu reden und zu fühlen. Darum die eigenen inneren Blockaden zu finden, um sie dann zu lösen zusammen mit dem Therapeuten. Menschen nehmen oft gar nicht wahr, wann sie Druck machen oder dass etwas nicht stimmt. Sie sehen die Welt oft nicht mit den Augen der Pferde. Dabei kann man die Tiere besser verstehen, wenn man den Blickwinkel wechselt.

„Gedanken lösen Gedankenketten aus und damit Handlungsmuster und damit eine Körpersprache aus und die merkt das Pferd. Der Mensch klemmt vielleicht mehr beim Reiten, der Bauch und die Beinmuskulatur ist stärker angespannt bei Stress. Das empfindet das Pferd als Druck. Die Oberlinie hat dann kein Entspannungsfeld mehr und das beeinflusst die Anatomie des Pferdes“, erklärt Angelika Hutmacher ein Beispiel.

Therapie mit Pferd und das Pferd als Therapeut

Die Therapeutin Annette Heck von www.ah-erlebnisse.de bei uns am Stall bindet ihre beiden Pferde als Übersetzer mit ein. Das Reiten spielt dabei die Nebenrolle. Es geht darum den Pferden zuzuhören und zu lernen mit sich selbst ins Reine zu kommen. Zu ihrer Arbeit mit Pferden gehört die Pflege der Pferde, die Stallpflege, Aufgaben auf dem Platz und bei der Bodenarbeit und gemeinsame Spaziergänge sowie Ausritte. Es geht um Kommunikation mit dem Pferd als Brücke zwischen Therapeut und Patient.

Pferde als Therapeuten

INFO: Annette Heck arbeitet bei uns am Stall mit ihren zwei Stuten Moheba und Frieda vor allem mit Kindern und Jugendlichen. Sie löst zusammen mit ihren Pferden Konflikte, gibt Erziehungshilfe für ratlose Eltern und Selbstverteidigungskurse für junge Mädchen. Mehr Infos über ihre Arbeit und wie du sie buchen kannst unter: ah-erlebnisse.de

„Durch meine eigenen Erfahrungen mit Pferden beim Reiten, bei der Bodenarbeit und im täglichen Umgang weiß ich, wie unmittelbar Pferde unsere Körpersprache, Klarheit oder Unklarheit widerspiegeln. Die Bewegung mit dem Pferd draußen in der Natur ist heilsam und beruhigend. Die Kinder können ganz im Hier und Jetzt sein. Die Pferde nehmen sie einfach so, wie sie sind, ohne zu kritisieren oder zu belehren. Jedenfalls nicht mit Worten, denn das ist den Kindern häufig zu viel, denn das kennen sie aus ihrem Alltag zur Genüge.“

Pferde als Therapeuten

Ein Beispiel: Zwei Brüder, die bei Annette trainieren. Zuhause streiten sie sich sehr oft. Das Konfliktpotential ist da. Der Kleinere hat Probleme mit der Impulskontrolle, der Ältere ist ein Teenager auf der Suche nach sich selbst. Beide können nicht miteinander reden. Moheba ist die Brücke zwischen den beiden, weil beide so fasziniert sind von dem hübschen Pferd, das sie die Aufgaben lösen wollen. Weil sie mit dem Pferd klarkommen wollen.

Pferde als Therapeuten

Im Training bei Annette müssen sie verschiedene Aufgaben erfüllen:

  • Das Pferd gemeinsam von der Weide holen
  • Zusammen putzen
  • Am Platz Übungen mit dem Pferd meistern

Dafür müssen sie miteinander reden und so kommen sich die beiden immer näher.

Pferde als Therapeuten

Pferde als Therapeuten

Bei einer Übung muss sich zum Beispiel immer einer der beiden die Augen verbinden, er führt das Pferd. Der andere muss die Anweisungen durch den Parcour geben. Sie werden ihn also nur schaffen, wenn sie sich zuhören und miteinander reden.

„Rechts“, „mehr rechts“, „jetzt wieder links“, „ja, genau, noch ein kleines Stückchen nach Links“ ruft der eine dem anderen zu. „Stopp!“, sie sind angekommen und lachen und freuen sich.

Pferde als Therapeuten

Pferde können eine wunderschöne fellige Brücke sein zwischen Konfliktpartnern, sie können ein Spiegel für unser „Ich“ sein oder Mutmacher bei Angstpatienten.

Worum geht es bei der Arbeit mit Pferden:

  • Bei der Arbeit mit Pferden geht es um Selbstreflexion
  • es geht um den Blick in den Spiegel
  • den ehrlichen Blick auf die eigene Vergangenheit
  • es geht darum die Gegenwart besser zu verstehen
  • um dann die Zukunft gestalten zu können

Das Pferd wird dir deine Angst spiegeln, wenn du ängstlich bist. Es wird dir deine Nervosität spiegeln, wenn du hektisch bist und es wird dir aber auch deine Ruhe spiegeln, wenn du gelassen bist. Das ist ein unnachahmliches Gefühl, wenn du einfach nur denkst und dein Pferd reagiert auf dich. Wenn es zufrieden neben dir schnaubt und den Kopf senkt, wenn es sichtlich entspannt und deine Gegenwart wahrnimmt. Dafür lohnt es sich jede Sekunde an sich zu arbeiten.

Pferde als Therapeuten

Interview mit Annette Heck von AH-Erlebnisse.de über therapeutisches Reiten, was Pferde für uns tun können und wir für die Pferde und über die Kraft der Pferde:

Pferdeflüsterei: Du machst Pferdegestütztes Coaching und Therapeutisches Reiten – wie bist du dazu gekommen?

Annette Heck: Meine Begeisterung für Pferde hat früh angefangen. Als kleines Mädchen hatte ich eine beste Freundin und die hatte ein Pony. „Max“. Mit Max waren wir tagelang in der näheren und weiteren Umgebung unterwegs. Wir haben uns die Welt erobert, waren frei und sehr glücklich. So jedenfalls fühlt sich das heute an und ich liebe diese Erinnerungen.

Noch heute, wenn ich mit einem Pferd in der Natur unterwegs bin, fühle ich diese Freiheit und Stärke, fühle ich mich verbunden mit der Natur. Meine inneren Batterien werden aufgeladen und ich fühle mich gestärkt. Zudem bin ich studierte Sozialpädagogin und seit 1991 arbeite ich in der Beratung und der Jugendhilfe. 19 Jahre im Kinderschutzdienst, einer Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und deren Umfeld immer wenn es um das Thema Gewalt gegen Kinder und Jugendliche geht.

Pferdeflüsterei: Wie kam dann der Schritt zur Reit-Therapie?

Annette Heck: Durch meine eigenen Erfahrungen mit Pferden beim Reiten, bei der Bodenarbeit und im täglichen Umgang weiß ich wie unmittelbar Pferde unsere Körpersprache, Klarheit oder Unklarheit widerspiegeln. Zudem strahlen Pferde enorme Kraft und Energie aus. Daher lag die Wahl des Pferdes für die tiergestützte Arbeit für mich persönlich natürlich nah.

Pferdeflüsterei: Für wen würdest du denn tiergestützte Therapien empfehlen?

Annette Heck: Für alle, die dazu Lust haben 🙂 Ich habe schon Menschen sehr erfolgreich mit Pferden arbeiten sehen, die zu Beginn sogar große Angst vor Pferden hatten. Möglicherweise gibt es einzelne Menschen, für die sich die Arbeit nicht eignet. Das müsste man dann im konkreten Fall entscheiden. Aber zunächst ist das Spaß haben und Lernen für die verschiedensten Menschen und deren Fragen oder Schwierigkeiten eine mögliche Form der Entwicklung.

Bei jüngeren oder behinderten Kindern müsste je nach individuellem Entwicklungsstand eventuell eine weitere erwachsene Begleitperson teilnehmen. Damit jederzeit die Sicherheit aller Beteiligten gewährleistet sein kann.

Pferde als Therapeuten

Pferdeflüsterei: Du bietest ja auch Kurse für Mädchen an – Selbstwertgefühl und Selbstverteidigung – wie können die Pferde den Mädchen das beibringen?

Annette Heck: Für diese Arbeit habe ich auf etwas zurückgegriffen, was ich schon lange mache und gut kann. Seit 1993 bin ich Trainerin für Selbstverteidigung und Selbstbehauptung nach dem Konzept von Sunny Graff („Jede kann sich wehren!“). Allerdings ist die Kombination von Pferden und diesem Konzept der Selbstbehauptung neu und ein sehr interessanter Ansatz. Pferde, die gut sozialisiert sind, sind zunächst mal freundlich zu den Menschen denen sie begegnen. Sie bewerten nicht und kommentieren nicht. Das ist mehr als viele Mädchen aus ihrem Umfeld kennen. Ein zentraler Aspekt in der Selbstbehauptung ist eine klare und eindeutige Körpersprache. Da sind Pferde sehr gute Lehrmeister. Denn Pferde untereinander kommunizieren zum größten Teil körpersprachlich und kaum mit Lauten. Das Wahrnehmen und richtige Deuten von Körpersprache ist für Pferde alltäglich und von existenzieller Bedeutung. Daraus ergibt sich die Chance, die eigene Körpersprache genauer anzuschauen und so zu verändern, dass mein Gegenüber, in diesem Fall ein Pferd, genau versteht was ich möchte und dem auch nachkommt. Dabei bleiben wir immer fair, gleichzeitig aber fest und deutlich. Wenn dann ein Pferd, dass ca. 500 kg wiegt auf einen Fingerzeig hin, verbunden mit der entsprechenden Klarheit und Überzeugung, die sich in der Körpersprache zeigt rückwärts geht, ist das für die Mädchen oder Frauen ein eindeutiges Erfolgserlebnis.Meine Aufgabe als Trainerin ist es gute Vorübungen mit den Teilenehmerinnen zu machen und sie im Prozess mit dem Pferd zu begleiten, damit sie mit Erfolgserlebnissen uns gestärkt aus dem Kurs herausgehen.

Pferdeflüsterei: Mit welchen Wünschen und Zielen kommen die Menschen zu dir?

Annette Heck: Das ist sehr individuell und verschieden.Was alle verbindet ist die Freude am Umgang und Zusammensein mit den Pferden. Manche haben körperliche Einschränkungen (z. B.: nach einem Gehirntumor) und profitieren davon, von den Bewegungen des Pferdes mitgenommen zu werden. Die dreidimensionale Schwingung der Wirbelsäule des Pferdes entspricht der Bewegung der menschlichen Wirbelsäule. So dass durch die Impulse die der menschliche Körper beim Reiten erhält positive Effekte für den Bewegungsapparat erzielt werden können. Ganz ohne anstrengende Übungen sondern in der Natur und auf dem Rücken eines wunderbaren Lebewesens. Die Psyche profitiert natürlich mindestens im gleichen Maß. Andere wünschen sich für ihre Kinder mit verschiedensten besonderen Bedarfen eine Unterstützung. Mangelnde Impulskontrolle, Hyperaktivität sind dafür nur zwei Beispiele. Die Kinder sind durch die Pferde motiviert dabei und bereit, auch wenn etwas nicht gelingt oder schwierig ist, erneut zu versuchen und bei der Sache zu bleiben. Die Bewegung mit dem Pferd draußen in der Natur ist dabei geradezu heilsam und beruhigend. Die Kinder können ganz im Hier und Jetzt sein. Die Pferde nehmen sie einfach so, wie sie sind, ohne zu kritisieren oder zu belehren. Jedenfalls nicht mit Worten, denn das ist den Kindern häufig zu viel, denn das kennen sie aus ihrem Alltag zur Genüge.

Pferde als Therapeuten

Pferdeflüsterei: Was sind deine Ziele dabei? Was willst du mit dem Pferd vermitteln?

Annette Heck: Prinzipiell geht es mir darum mit meinen Pferden, schöne und stärkende Erlebnisse zugänglich zu machen. Es kann dabei beispielsweise um die Möglichkeit der persönlichen Weiterentwicklung, das Erkennen persönlicher Verhaltensmuster oder die Weiterentwicklung sozialer Kompetenzen gehen. Das Zusammensein mit den Pferden bringt die Menschen unmittelbar mit ihren Gefühlen in Kontakt und schafft eine Atmosphäre in der Lernen und Veränderung gut möglich werden. Den Pferden ist vollkommen egal, was jemand nach außen darstellt. Sie Leben im Hier und Jetzt und nehmen jeden Menschen so, wie er jetzt gerade im Moment ist. Wie dick das Auto der Person ist, oder das Bankkonto spielt dabei überhaupt keine Rolle.

Pferdeflüsterei: Was ist in den Coachings deine Rolle und was ist die Rolle der Pferde?

Annette Heck: Meine wichtigste Aufgabe ist es, den Rahmen zu schaffen, in dem Menschen und Pferde sich gewinnbringend begegnen können. Das bedeutet ich bin für die Vorbereitung und Ausbildung der Pferde verantwortlich und für einen korrekten Umgang der Menschen mit den Pferden und umgekehrt. Geht es um eine konkrete Frage oder Zielsetzung liegt es an mir, das Setting so zu gestalten, dass die Pferde in der Arbeit ihre Wirkung entfalten können. Also z.B.: den Menschen mit den Pferden entsprechende Aufgaben zu geben. Die Pferde geben bei der Arbeit eine unmittelbare und echte Rückmeldung auf das Verhalten des Menschen der gerade mit ihnen arbeitet und geben dadurch die Möglichkeit mit ihnen zu lernen. Damit diese Arbeit gelingen kann ist es wichtig mit Pferden zu arbeiten, die nicht so dressiert sind oder so abgestumpft, dass sie keinen Kontakt zu Menschen aufnehmen oder sich nicht trauen eine echte Rückmeldung zu geben.

Pferde als Therapeuten

Pferdeflüsterei: Inwiefern nimmt der Kontakt mit den Tieren Einfluss auf das Verhalten der Menschen?

Annette Heck: Gegenüber den Tieren müssen sich die Menschen nicht verstecken oder verstellen. Allein das Anschauen oder Berühren der Pferde löst oft sehr vieles aus und Gefühle werden oft unmittelbar deutlich. Das Zusammensein mit lebendigen Wesen als freudvolle Erfahrung ist ebenso Methode wie positive Basis des Kontaktes. Das Berühren der Pferde, beim streicheln, putzen, führen oder Reiten gibt den Menschen ein schönes Gefühl und öffnet sie für neue Erfahrungen und positive Begegnung. Außerdem macht der Kontakt mit Pferden einfach glücklich 🙂

Pferdeflüsterei: Wie bildest du deine Pferde aus?

Annette Heck: Meine Pferde brauchen eine Grundaufmerksamkeit und Orientierung an mich, sie müssen mich in verschiedenen Situationen einschätzen können und wissen, dass sie sich auf mich verlassen können. Sie müssen meine Hilfen verstehen, also wissen was ich von ihnen möchte, wenn ich mich in bestimmter Weise verhalte. Perfekt geeignet ist dazu die Art und Weise, wie im Natural Horsemanship mit Pferden gearbeitet wird. Bewegung und Gymnastik zur Gesunderhaltung gehören selbstverständlich dazu. Außerdem muss die Konfrontation mit den verschiedensten Situationen und Konstellationen vorbereitet werden: Kleine Kinder, wuselige Kinder, mehrere Kinder zur gleichen Zeit, laute Menschen, unsichere Menschen… Für mich ist es wichtig meine Pferde und ihre Gefühlswelt gut zu kennen. Ich muss sehen und spüren, wenn es für die Pferde zu viel wird, wann ihre Grenzen erreicht sind. Dies dient der Sicherheit aller Beteiligten. Denn Pferde sind und bleiben Fluchttiere. In Situationen die ihnen Angst machen, in denen sie aber nicht flüchten können, könnte es zu gefährlichen Momenten kommen, dies zu vermeiden liegt in meiner Verantwortung.

Pferde als Therapeuten

Pferdeflüsterei: Wie würdest du zum Beispiel den Charakter deines Pferdes beschreiben?

Annette Heck: Ich habe zwei Pferde, die sehr unterschiedlich sind. Moheba ist eine Araber-Mix-Stute. Sie ist sehr sensibel und spiegelt ihrem Gegenüber sehr schnell und deutlich Gefühle wieder, ohne dabei unhöflich oder respektlos zu werden. Sie lässt sich gerne auf Menschen ein und ist kooperativ. Sie wahrt allerdings in der Regel eine gewisse Distanz, die sie für ihr Wohlergehen braucht. Das ist für die Arbeit oft wertvoll und insbesondere für Menschen mit Gewalterfahrungen auch ein gutes Modell.

Pferde als Therapeuten

Frieda ist eine Isländer-Stute. Sie ist sehr neugierig und für alles mögliche zu begeistern. Podest? Wippe? Bunte Tücher? Alles kein Problem! Sie ist ein Pony, dass die Menschen einlädt sie anzufassen („Oh, ist die süsss!)und die das auch mag. Die Kinder oder Erwachsenen vertrauen ihr sofort und das zu Recht.

Pferdeflüsterei: Welche Übungen machst du zum Beispiel und warum?

Annette Heck: Ich mache gerne Entspannungsübungen auf den Pferden. Sie holen die Menschen ganz ins Hier und Jetzt, da sie sich auf ihr Tun konzentrieren müssen. Gleichzeitig werden Spannungen die im Körper sind bewusst aufgespürt und gelöst. Wann immer möglich gehe ich dazu in den Wald, damit dieser zusätzlich seine positive Wirkung entfalten kann.

Pferde als Therapeuten

Pferde als Therapeuten

Andere Übungen haben zum Beispiel mit Führen und Folgen zu tun. Um ein Pferd dazu zu bringen mir ohne Halfter und Strick, also ganz frei zu folgen, muss ich einen wirklichen Kontakt mit ihm aufnehmen. Wie geht guter Kontakt zu anderen Lebewesen? Alles andere außen herum wird unwichtig. Aus diesen Situationen können die Menschen sehr viel über ihre Art der Kommunikation mit anderen lernen. Kinder die Schwierigkeiten haben mit ihrer Aufmerksamkeit bei einer Sache zu bleiben (in unserer Zeit schnell als ADHS PatientInnen katalogisiert) bringen mit den Pferden und durch die Pferde oft eine erstaunliche Konzentration auf. Sie schaffen es ihre geringe Frustrationstoleranz zu überwinden, da die Motivation durch das Lebewesen Pferd für sie sehr hoch ist. Dadurch gelingen ihnen die Übungen mit dem Pferd und sie haben Erfolgserlebnisse, die ihnen sonst (z.B.: in der Schule) verwehrt bleiben. Gemeinsam überlegen ich dann mit den Kindern, wie sie es geschafft haben so erfolgreich zu sein um diese Strategien dann mit in den Alltag zu nehmen.

Pferdeflüsterei: Gab es im Rahmen deiner Arbeit auch Geschichten und Momente, die dir besonders in Erinnerung geblieben sind?

Annette Heck: Eine Frau war mit ihren Kindern (12, 4 und 1 Jahr) bei mir. Ihr Mann hatte sich wenige Monate zuvor das Leben genommen. Wir gingen gemeinsam mit Frieda im Wald spazieren. Zunächst waren die Kinder mit geführt werden auf dem Pferd dran. Dann die Mutter. Ich leitete sie zu einer Entspannung auf dem Pferd an. So gelang ihr, was schon lange nicht passiert war. Sie konnte ein wenig ihrer Anspannung, Verzweiflung und Trauer loslassen und neue Energie tanken. Sie sagte mir im Anschluss das diese zwei Stunden mit ihren Kindern und dem Pferd im Wald die besten Stunden waren, die sie seit langem hatte.

Eine andere Frau kam zu mir, nach der OP an einem Gehirntumor. Sie litt an starken Einschränkungen und Folgen der Erkrankung und der Behandlung. Ich ging mit ihr zu Frieda auf die Koppel und in dem Moment, in dem sie Frieda berührte fing sie an zu weinen, weil sie glücklich war und einfach den Moment in vollen Zügen genießen konnte.

Pferdeflüsterei: Danke, dass du dein Wissen und deine Erfahrungen mit uns geteilt hast.

INFO: Annette Heck arbeitet bei uns am Stall mit ihren zwei Stuten Moheba und Frieda vor allem mit Kindern und Jugendlichen. Sie löst zusammen mit ihren Pferden Konflikte, gibt Erziehungshilfe für ratlose Eltern und Selbstverteidigungskurse für junge Mädchen. Mehr Infos über ihre Arbeit und wie du sie buchen kannst unter: ah-erlebnisse.de

Pferde als Therapeuten

Pferde als Therapeuten

Pferde als Therapeuten

Autor: Petra

Pferde machen glücklich. Sie sind unsere Lehrmeister, auf dem Weg zu dem besten "Ich", das wir werden können. Daran glaube ich fest. Es ist wichtig, dass wir ihnen zuhören und lernen sie zu verstehen. Dann schenken sie uns besondere Momente. Diese Momente machen süchtig. Im echten Leben bin ich professionelle Journalistin. Das versuche ich hier in die Welt der Pferde zu übertragen. Ich schreibe die Artikel, führe die Interviews und besuche die Kurse für mehr Pferdewissen. Mein Mantra: Sei ein sicherer Ort für das Pferd.

4 Kommentare zu “Pferde als Therapeuten: Wie sie uns dabei helfen können zu uns selbst zu finden

    • Petra sagt:

      Liebe Anja, das ist eine wirklich schwere Frage – weil es so viele Gründe gibt, dass ich sie dir nicht in einer Antwort schreiben kann und weil das Glück für jeden ein bisschen anders daherkommt. Aber ich will versuchen dir kurz die wichtigsten Gründe zusammenzufassen, warum Pferde mich glücklich machen und vielleicht kannst du dann deine eigene Definition mit Pferden für dich finden 🙂 Pferde machen mich glücklich, weil so sie gut riechen, weil ich meine Nase an ihr warmes Fell drücken kann. Mein Pferd macht mich glücklich, weil sie trotz ihrer Unabhängigkeit und ihres Selbstbewusstseins brummelnd zu mir kommt, wenn ich sie rufe und mich am Gatter begrüsst und neben mir am Gatter herläuft, wenn ich gehe. Sie macht mich glücklich, wenn sie in meiner Gegenwart entspannen kann, weil ich dann weiß, dass ich alles richtig gemacht habe, wenn sie zufrieden schnaubt oder lustige Grimassen schneidet und mich deswegen zum Lachen bringt. Pferde machen mich glücklich, weil sie mir jeden Tag dabei helfen, mein "Ich" zu finden, gelassener und zufriedener zu werden. Sie machen glücklich, weil sie nur dann mit uns ehrlich kommunizieren und Kontakt aufnehmen, wenn wir ganz bei uns sind, also zu 100% alles andere um uns herum vergessen und nur im Hier und Jetzt sind. Sie sind Meditationspartner, Psychologen, Fellnasen und Freund in einem. Sie spiegeln den Menschen und seine inneren Baustellen und auch das macht auf Dauer glücklich, weil sie ehrlich und ohne Hintergedanken sagen, wo unsere Probleme liegen, an denen wir dann arbeiten können und so mehr im Reinen mit uns selbst sein können. Ich könnte noch ewig weitermachen. Zum Beispiel macht mich glücklich, wenn meine STute mit der Unterlippe zittert vor Freude, weil ich den richtigen Kraulspot gefunden habe oder wenn sie einen wütenden Moment hatte, trotzdem bei mir bleibt und mir sofort wieder zuhört und mir vertraut. Und natürlich sind Pferdenasen so schön weich, das Heu duftet, das Mahlgeräusch wenn sie Kauen beruhigt und und und 🙂 Du siehst – es gibt tausend Gründe und mehr, warum Pferde glücklich machen. Alles Liebe, Petra

  1. Martha sagt:

    Liebe Petra,
    ganz herzlichen Dank für diesen tollen Artikel! Ich finde es gut und auch sehr wichtig, dass auch in diesem Forum über die Rolle des Pferdes als Therapeut berichtet wird. Viele denken beim Therapeutischen Reiten automatisch an Hippotherapie, an Menschen mit Handycap. ( Hier leisten unsere Pferde auch einen immensen und unverzichtbaren Beitrag!) Doch diese wundervollen Tiere können noch soviel mehr als uns " nur" geduldsam auf ihrem Rücken tragen. Die nachweisliche Wirkung der Tiere auf unsere Psyche, Emotionen und seelisches Gleichgewicht bleibt für viele unbekannt.
    Ich arbeite seit über 11 Jahren therapeutisch mit psychisch kranken Kindern, Jugendlichen und deren Familien. Seit 5 Jahren bereichere ich den Therapieplan unserer Klinik um das Therapeutische Reiten, und seit Juni steht mir mein eigenes Pferd endlich auch als Therapeut und treuer Seelentröster zur Seite.
    Dein Artikel spricht mir aus der Seele. Es freut mich in Anette jemanden zu sehen der meine Art mit dem Menschen zu arbeiten teilt.
    Es ist so wichtig hier Öffentlichkeitsarbeit zu machen, den Menschen zu sagen wie wertvoll und wichtig unsere Arbeit ist und der Beitrag der Pferde auf diesem Gebiet. Hemmungen und Vorurteile abzubauen, neue Wege udn Möglichkeiten aufzuzeigen.
    Wievielen " austherapierten" , hoffnungslosen Fällen unsere Pferden neuen Lebensmut und Hoffnung haben spenden können vermag ich hier gar nicht aufzuzählen! Verletzte, mißhandelte Kinderseelen die durch die pferdische Geduld und Sanftheit erstmals wieder Nähe zulassen konnten, lernten zu vertrauen, lernten sich selbst zu vertrauen und neuen Mut fassten sich dem Leben zu stellen, die Vergangenheit für den einen Augenblick mit dem Pferd kurz vergessen zu können…
    Und nicht zu vergessen die Wirkung auf uns selbst. Nicht durch meine Ausbildungen, Kurse, Studien, sondern vor allem durch meine Pferde bin ich zu einem vertieften Selbstvertsändis gekommen. Sie haben mich gelehrt mich immer wieder selbst zu reflektieren, achtsam zu sein für den Augenblick, gelassen zu bleiben wenn um uns herum Chaos herrscht und zu erkennen worauf es im Leben ankommt.
    Pferde machen glücklich 🙂
    Herzliche Grüße
    Martha

    • Petra sagt:

      Liebe Martha, vielen Dank für deinen wunderbaren Kommentar. Annette ist wirklich klasse und ich liebe ihre Art mit Pferden und Menschen umzugehen. Es freut mich, dass es so viele wunderbare Pferdemenschen gibt die die große Kunst der Pferde erkennen, unsere Seele zu heilen. Danke also für deinen Kommentar und deine wunderbaren Gedanken zu den Pferden und alles Liebe, Petra

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