Es ist Sommer und die Sonne wärmt dich und dein Pferd jeden Tag. Es ist vielleicht sogar heiß und dein Pferd schwitzt beim Training? Das Fell ist nach dem Koppelgang klebrig und das Fliegenspray hängt auch noch von gestern im Fell? Es gibt viele Gründe das Pferd im Sommer zu duschen. Unsere Pferde haben in der Regel keine Wasserstellen auf der Koppel und können sich anders als Wildpferde nicht einfach den Schweiß in irgendwelchen Flussläufen oder Seen abwälzen. Viele Pferde lieben es im Sommer deswegen auch mal geduscht zu werden – wenn du es richtig machst.

Du kannst bei der Pferdedusche leider einiges falsch machen. Deswegen beschreibe ich dir im Artikel die wichtigsten Tipps und Hinweise für eine perfekte Pferdedusche und wie du deinem Pferd das entspannte Duschen beibringen kannst, wenn es den Wasserstrahl noch nicht mag. 

Außerdem habe ich dir hier die 10 wichtigsten Schritte zusammengefasst in einem PDF – das kannst du dir herunterladen, ausdrucken und in deinen Stall hängen. Du findest es ganz unten in diesem Artikel. Jetzt aber erstmal los:

Pferd richtig Waschen

Pferd richtig waschen

Wenn Pferde nicht gerne Duschen, hat das nicht immer mit dem Wasser an sich zu tun, sondern oft mit der Art und Weise wie wir sie duschen oder mit ihrem Taktilen System.

Deswegen gilt ganz grundsätzlich: Wenn du dein Pferd noch nie geduscht hast, dann gehe das Thema langsam an und mache es geduldig und liebevoll mit dem Wasserstrahl, dem Schlauch und der Dusche bekannt. Wie genau du das angehen kannst, erkläre ich dir später nochmal im Artikel unter dem Punkt „Pferd lässt sich nicht gerne waschen“. 

Pferdedusche – so gehts!

Jetzt beschreibe ich dir erst einmal die Schritte für alle Pferde, die mit dem Waschen kein Problem haben.  

Wichtig ist, dass du dein Pferd nach dem Training erst einmal ein bisschen abkühlen lässt – im Schatten. Denn das Duschwasser im Stall ist in aller Regel eiskalt aus den Leitungen und das wiederum tut deinem Pferd auf seinem trainingswarmen Körper nicht so gut. Der Kreislauf verträgt das kalte Wasser nach dem Training in aller Regel nicht so optimal. 

Je nachdem wie intensiv das Training war, kannst du dein Pferd also erst einmal gemütlich abkühlen lassen. Ich lasse meine Stute zum Beispiel gerne im Schatten ein bisschen grasen, bevor wir zur Dusche gehen. 

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How To Duschen: Die 10 Schritte zur perfekten Pferdedusche

Du kannst einfach so zur Abkühlung auch nur mal die Beine deines Pferdes waschen und abduschen. Das ist „die schnelle Beindusche“ (Schritt 1-5). Wenn du dein Pferd komplett duschen willst, machst du nach dem 5. Schritt einfach weiter. 

Die schnelle BeinDUSCHE

Schritt 1: Wenn du es irgendwie hinbekommst, sollte das Wasser nicht zu kalt sein, damit der Kreislauf deines Pferdes mitkommt bei der Dusche. Du kannst zum Beispiel auch ein bisschen heißes Wasser unter kaltes Wasser aus der Leitung in eine Gießkanne gießen. 

Schritt 2: Der Wasserstrahl sollte nicht zu fest und hart sein – weil dein Pferd das nicht mögen wird. Deswegen drehe das Wasser einfach nicht zu weit auf. Du kannst auch deinen Daumen auf den Strahl halten und ihn so wie einen Fächer auffächern – das macht das Wasser auch weicher und angenehmer beim Auftreffen auf den Pferdekörper

Schritt 3: Du beginnst bei Hinterbeinen – die sind am weitesten vom Herz entfernt, so dass der Körper und der Kreislauf sich am besten an das kühle Wasser gewöhnen können. Dabei startest du bei den Hufen.

Schritt 4: Dann arbeitest du dich dann langsam mit dem Wasserstrahl die Beine hoch bis zum Oberschenkel. Das wiederholst du dann bei den Vorderbeinen. 

Schritt 5: Lass dir Zeit beim Abspritzen der Pferdebeine – sonst heizen die Beinchen wieder auf. Der Pferdekörper reagiert auf eine schnelle Kälte mit Hitzeproduktion. Das ist wie bei uns Menschen: Wenn wir im Sommer ein eiskaltes Getränk trinken, heizt unsre Körper danach auf. Lauwarme Getränke sind eigentlich viel besser. Das ist ein natürlicher Effekt bei Mensch und Tier und du willst dein Pferd ja nicht nur waschen, sondern auch ein bisschen kühlen an den heißen Sommertagen. Du solltest dir pro Bein schon 5-10 Minuten Zeit nehmen. 

DUSCHE Slow Motion

Wenn du mehr als die Beine duschen willst, kannst du dich dann langsam weiter vorarbeiten.

TIPP: Wenn dein Pferd nicht gerne am Rücken oder Bauch gewaschen werden will, kannst du dir auch eine Gießkanne oder einen Eimer mit vorgewärmten Wasser hinstellen und diese Bereich mit einem Schwamm waschen. So gönnst du deinem Pferd eine kleine Massage on top und musst nicht gegen seinen Willen mit ihm und dem Wasserstrahl kämpfen. 

Schritt 6: Du kannst dich dann langsam die Hinterhand hocharbeiten. Und Richtung Rücken gehen. ABER: Da solltest du besonders vorsichtig sein – gerade im Rücken und im Bereich der Nieren. Wenn dein Pferd zum Beispiel gerne mal Verspannungen hat, solltest du da nicht unbedingt auch noch mit kaltem Wasser ran. Diese Bereiche solltest du auch sowieso nur bei wirklich großer Hitze waschen.  

Schritt 7: Du kannst dann langsam mit dem Wasser über die Brust und Unterhals zum Oberhals gehen, anschließend duschst du den Bauch. Diese Bereiche solltest du aber nur bei wirklich großer Hitze waschen. Viele Pferde verspannen und mögen es gar nicht, weil sie in diesen Körperbereichen empfindlich sind. 

Wenn dein Pferd den Wasserstrahl gar nicht mag, kannst du auch einfach mit einem Schwamm waschen und ihm so eine nette Abkühlung inklusive Massage schenken.

Schritt 8: Jetzt kannst du den Kopf waschen. Dafür nimmst du einen Eimer mit Wasser und einen Waschschwamm – bitte nicht mit dem Wasserstrahl in Richtung Kopf waschen.

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Du könntest Augen oder Ohren treffen und deinem Pferden Verletzungen zufügen. Wenn du zum Beispiel Wasser in die Ohren „schießt“ mit dem Wasserstrahl, kann dein Pferd richtige Gleichgewichtsprobleme bekommen oder im schlimmsten Fall die Augen verlieren, wenn du aus Versehen die Augen treffen solltest. Der Wasserstrahl hat nichts in Kopfnähe zu suchen! Manche Pferde lieben es aber mit dem Maul mit dem Wasserstrahl zu spielen. Das kannst du natürlich vorsichtig machen mit einem weich eingestellten Wasserstrahl und deinem Pferd so eine Freude machen. 

Schritt 9: Jetzt ist dein Pferd einmal fertig geduscht. Jetzt musst du es noch trocknen.

Da nimmst du natürlich nicht den Fön ;-) Sondern dein Schweißmesser oder zum Beispiel die Rückseite der MagicBrush – so mache ich das immer – und streifst das überschüssige Wasser damit aus dem Fell – falls du noch keine hast

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Schritt 10: Dein Pferd muss jetzt noch trocknen – lass es dazu bitte nicht in der Zugluft stehen,sondern laufe mit ihm ein bisschen Schritt oder chillt im Schatten zusammen. In der heißen Mittagssonne sollte dein Pferd dann nicht stehen, damit das Wasser nicht anfängt regelrecht „zu kochen“ auf dem Pferdefell. Sollte es noch etwas frischer sein, kannst du dein Pferd auch unter der Abschwitzdecke trocknen lassen. 

Weitere FACTS zum Thema “Pferd richtig Waschen”

Shampoo: Ja oder nein?

Shampoos kannst du ab und an nutzen – solltest du aber nicht zu oft einsetzen und wenn dann ein möglichst natürliches Produkt. Das ist ab und an auch in Ordnung. Zum Beispiel für den Schweif und hartnäckigen Dreck darin. Wenn meine Stute beispielsweise die Rosse hatte, wasche ich den Schweif danach gerne mit Shampoo, weil ich sonst gar nicht weiterkommen würde. 

Ich selbst nutze das natürliche und ökologische Shampoo von Wildwash. Das ist superergiebig und 100% transparent in den Inhaltsstoffen. 

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Shampoos haben Tenside und sollen Fett und Dreck lösen. Dafür sind sie schließlich gemacht. Die Haut der Pferde hat aber eine körpereigene Fettschicht zum Schutz. Wenn du dein Pferd also zu oft mit Shampoo wäschst, ist das nicht gut für die körpereigene Hautfunktion deines Pferdes. Das ist bei uns Menschen übrigens auch so. Zu oft Haare waschen oder Duschen mit Seife ist eigentlich gar nicht so toll für uns. Deswegen nutze ich für mich selbst auch milde Naturshampoos und Duschgels mit sanften Tensiden aus der Naturkosmetik. Genau das will ich auch für mein Pferd, wenn ich es ab und an mit Shampoo wasche. 

Offtopic: Viele Hersteller unterschlagen ja Inhaltsstoffe, weil es bei Tierpflege keine gesetzliche Verpflichtung gibt alle Inhaltsstoffe anzugeben. Das ärgert mich, denn ich will wissen, was ich auf die Haut meines Pferdes packe. Die Haut der Pferde ist sensibel und dementsprechend sensibel sollte auch ein Shampoo sein, wenn wir es nutzen. 

Schweif waschen – einfacher Tipp für zwischendurch

Den Schweif kannst und solltest du zwischendurch auch mal mit Shampoo waschen. Das ist absolut unbedenklich und hält ihn schön fluffig und sauber. Wenn dein Pferd beispielsweise kein Wasser an der Hinterhand mag, kannst du dir auch einen Eimer mit lauwarmem Wasser und Shampoo bereitstellen und den Schweif einfach in den Eimer tauchen und so einseifen und anschließend auch genauso mit seifenfreiem Wasser ausspülen. 

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Wenn du dann noch Flechtkompetenzen hast, kannst du den Schweif ganz einfach schnell einflechten und nach dem Trocknen wird er besonders hübsch aussehen. Wenn du mehr der natürliche Schweif-Fan bist, kannst du ihn einfach an der Luft trocknen lassen und dann fertig entwirren. 

Pferd lässt sich nicht gerne waschen – was tun?

Viele Pferde lassen sich nicht gerne waschen. Das hat nicht unbedingt etwas mit dem Wasser zu tun, sondern damit, dass das taktile System deines Pferdes das Gefühl von einem Wasserstrahl auf der Haut nicht kennt und deswegen erst einmal ablehnt.

Mehr zum taktilen System und wie du da Entspannung und Ruhe in dein Pferd bringen kannst – sowie grundsätzlich an der Balance und Gelassenheit arbeiten kannst – erfährst du HIER: 100 % Pfergo und wie Pferdeergotherapie dein Pferd gelassener, balancierter und trittsicherer machen kann 

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Pferde haben eine sehr feine und sensible Haut. Sie spüren jede Fliege auf der Haut. Entsprechend krass fühlt sich spritzendes Wasser auf der Haut an. Das ist einfach ein ganz natürlicher Prozess. Das gleiche Thema sind übrigens Sprühflaschen. Da ist es manchmal das Geräusch, was die Pferde irritiert, aber oft eben auch der Sprühnebel auf der Haut. 

Das ist aber gar kein Problem – du kannst dein Pferd einfach daran gewöhnen. Wichtig ist, dass du ganz viel Geduld hast, nicht gestresst wirst und dir und deinem Pferd alle Zeit der Welt lässt. 

Wenn es also drei Sommer lang dauert, dann ist das so – dein Pferd sollte Freude am Waschen bekommen und nicht ausharren müssen. 

Das erreichst du durch viel Geduld, Lob und Liebe –  nicht durch Ungeduld oder Zwang. 

Ich persönlich habe meine Stute mit Leckerli an das Waschen gewöhnt und beschreibe dir deswegen diesen Weg. Du kannst das Ganze aber auch erreichen durch folgenden Ablauf: 

1. Druck = Wasserstrahl 

2. Pause = stoppen, wenn dein Pferd eine kurze ruhige Sekunde hat

Das wäre dann negative Verstärkung.

Der einfache Weg zur entspannten Dusche mit Leckerli

  1. Du stellst dein Pferd an den Waschplatz und drehst das Wasser auf und stellst dich hin und wartest. 
  2. Sobald dein Pferd neugierig wird, entspannt und die Nähe zum Wasserstrahl sucht, belohnst du es mit Lob und Leckerli
  3. So nähert ihr euch immer wieder an das Thema an – bis es von Anfang an entspannt neben dem Wasserstrahl stehen kann
  4. Sobald dein Pferd entspannt neben dem Wasserstrahl stehen kann, näherst du dich an die Hufe an und belohnst dein Pferd immer sofort mit Lob und einem Leckerli, sobald du kurz spritzen durftest
  5. Sobald du kurz spritzen darfst, während dein Pferd entspannt da steht, gibst du Lob und Leckerli erst, wenn du länger spritzen darfst usw. 
  6. So gehst du der Reihe nach alle Körperteile an – sobald dein Pferd Anzeichen von Stress zeigt, gehst du wieder einen Schritt zurück
  7. Das Ergebnis – irgendwann: Ein Pferd das sich von Oben bis unten entspannt abspritzen lässt :-) 

Pferd waschen im Winter? Warum das ein NO GO ist

Zum Schluss noch eine wichtige Info: Sie gilt sowohl im Winter, als auch das ganze Jahr. 

Damit du dein Pferd gesund waschen kannst, sollte es mindestens 20 Grad Außentemperatur haben – das ist eine uralte Faustregel. Dein Pferd könnte sich sonst verkühlen und erkälten. Das kann im schlimmsten Fall in einem schlimmen Husten oder einen Lungenentzündung enden. 

Deswegen sollten Pferde im Winter NIEMALS gewaschen werden. Es ist einfach zu kalt dafür.

Alle Infos zum Duschen deines Pferdes als PDF zum Ausdrucken und an die Stall-Pinnwand hängen:

Download

Wie sind Deine Erfahrungen beim Duschen deines Pferdes? Was mag es besonders? Was geht gar nicht? Ich bin gespannt auf deinen Kommentar!

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2 Kommentare zu “Pferd richtig Duschen! DIE 10 Schritte für den perfekten Waschgang

  1. Miriam sagt:

    Liebe Petra,
    der Ponymann liebt es abgeduscht zu werden. Er hält selber immer wieder den Kopf in den sanften (!) Wasserstrahl. Wir haben extra einen Aufsatz für den Schlauch, dass es eher wie ne Dusche für uns Menschen ist und das Wasser wird nie ganz aufgedreht. Er liebt es einfach und planscht sowieso gerne im Wasser. Am liebsten geht er in den Fluss und spritzt sich und alles um ihn rum nass.
    Unsere Pferdedame wurde uns als absolut wasserscheu verkauft. Sie würde sich mit Wasser nicht waschen lassen und Panik bekommen. Mittlerweile ist es so, dass sie sich freiwillig zum Duschen anstellt. Wenn die Pferde frei im Garten laufen, biete ich durchaus auch immer wieder eine Dusche an. Die Ponys können dann kommen und sich duschen lassen. Sie werden nicht festgehalten oder irgendwas. Unsere Pferdedame ist meist die Erste die kommt und stellt sich dann hinter dem Ponymann ganz schnell nochmal an. Auch in den Fluss steigen und dort planschen macht ihr großen Spaß.
    Unser kleines Wildpferd hat sich bisher noch nicht duschen lassen, aber auch sie wird das mit Sicherheit noch lernen. Aber sie hat alle Zeit der Welt. Sie ist gerade mal 3 Monate bei uns, da ist die Situation ja noch ganz anders. Wir haben also im Sommer Spaß mit Wasser.
    Liebe Grüße
    Miriam

    • Petra sagt:

      Hallo liebe Miriam, deine Ponys sind ohnehin supercoole Pferdchen :-) Wir haben sogar eine Art Nebelstrahl – den ich erst vor kurzem entdeckt habe – den Carey über alles liebt. Sie ist eine echte Wasserratte und wir waren mittlerweile auch am See und schon bis zum Bauch (Carey) im Wasser. Ganz liebe Grüße, Petra

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