Artikel aktualisiert am 27.02.2017

Nuno Oliveira

Ein Gastbeitrag von “Fair Riding Corp

Ein wunderbares Zitat. Das Streben nach Anmut und Harmonie mit dem Pferd ist auch mein Ziel und mittelmäßig wollte ich noch nie sein. Beim Reiten und beim sanften Umgang mit dem Pferd strebe ich nach Perfektion.

Auch wenn ich diese Perfektion vielleicht nie erreiche, finde ich, dass das tägliche Dazulernen beziehungsweise das Streben danach ein guter Ansatz ist, um nur annähernd ein guter Pferdemensch zu werden.

Fair Riding Corp

Der Weg ist das Ziel

Ich selber bin weder fehlerfrei noch perfekt und ich weiß auch bei weitem nicht alles – nur um das vorweg zu nehmen. Seit 30 Jahren arbeite ich mit Pferden und durfte schon einiges lernen, auch von meinen unterschiedlichen Pferden die mich bisher begleitet haben. Dafür bin ich sehr dankbar! Manches, das ich früher toll fand, habe ich mittlerweile überdacht und mache das heute anders. Frau lernt eben nie aus und manchmal ändern sich auch veraltete Denkweisen. Auch das können wir von Nuno Oliveira lernen.

Das wunderbare Zitat von Nuno Oliveira versuche ich aus meiner Sicht zu übersetzen:

Mein Ziel ist es:

  • harmonisch und fair zu reiten
  • nicht ungerecht zu handeln
  • mir enorm viel Pferdewissen anzueignen.

Natürlich ist Reiten für die meisten ein Hobby und viele Reiter haben ganz andere Ziele als ich. Das ist vollkommen in Ordnung, solange dem Pferd dabei kein Unrecht getan wird. Sei es auch aus reinem Unwissen.

Aber für alle, die danach streben, ist die Frage: Wie kann ich diese Anmut erreichen?

Pferde haben eine von der Natur mitgegebene Anmut – Reiter sollten danach streben, dass ein Pferd auch mit Reiter diese Schönheit in der Bewegung beibehält.

Fair Riding Corp

Ich durfte schon das himmlische Gefühl beim Reiten erleben, bei dem man glaubt zu schweben. Mit einer Leichtigkeit zu reiten die man nicht beschreiben kannt, ganz ohne Kraft, eine Einheit zu werden. Man hat das Gefühl gar nichts machen zu müssen. Es ist unbeschreiblich schön!

Natürlich habe ich mit meinem Jungspund, Legolas, genau dieses Ziel vor Augen. Eine Einheit mit ihm zu werden – beim Reiten und am Boden. Er ist noch jung, letzte Woche erst 6 Jahre geworden und wir haben Zeit. Zeit und Geduld zu haben halte ich für essenziel beim täglichen Training mit dem Pferd.

Das bedeutet bei einem jungen Pferd meiner Meinung nach:

  • Abwechslung durch Ausritte
  • Bodenarbeit für Verlässlichkeit und zum Vertrauensaufbau
  • Maximal 3 bis 4 mal pro Woche gymnastizierende Dressurarbeit.
  • Das Pferd soll den Spaß bei der Arbeit nicht verlieren und freiwillig mitarbeiten.

Manchmal ist das eine Gradwanderung, weil die Gymnastizierung absolut wichtig für ein Pferd ist, um es gesund zu erhalten. Denn eigentlich sind Pferde keine Gewichtsträger… Ein Überfordern führt aber zu Unmut und ein Unterfordern ebenfalls. Fingerspitzengefühl ist also gefragt im Training.

Das bedeutet: Zur richtigen Zeit ein Wechsel der Lektion oder auch mal Schritt am langen Zügel.

Fair Riding Corp

Natürlich muss das Training immer individuell angepasst werden

Nicht jedes Pferd ist gleich und auch Körperbau, Kraft und Kondition variieren und das Training und die Pausen sollten sich danach richten.

Außerdem halte ich es für sehr wichtig mit einem guten Reitlehrer am eigenen Sitz zu arbeiten. Nur wer es versteht gut zu sitzen kann reiten, ohne sich am Zügel festzuhalten. Hat man das gelernt ist es um ein vielfaches leichter fein zu reiten.

Jeder der meint mit unnötigem Riegeln oder Rollen der Pferde weiterzukommen, der irrt sich gewaltig. Feines Reiten und Harmonie mit dem Pferd wird so niemals möglich sein.

Wo der Wille endet sich weiterzubilden und das Wissen aufhört, fängt leider die Gewalt an. Schlussendlich muss ich jeden Tag in den Spiegel schauen können und wenn möglich ohne schlechtes Gewissen. Mir ist Feingefühl und ein Herz für Tiere wichtiger als schnelle Erfolge.

Fair Riding Corp

Für mich gibt es keine falsche oder richtige Reitweise.
Es gibt nur ungerechtes oder gerechtes Reiten.
 

Nuno Oliveira ist für mich ein Reitmeister der großen Stunde! Seine besondere Gabe war nicht nur das Schreiben von Büchern und wundervollen Zitaten, nein, er hat auch für jedes Pferd eine unterschiedliche Methode angewendet und die Pferde individuell betrachtet.

“Reiten Sie ihr Pferd glücklich” …ist auch ein Zitat von Nuno Oliveira und für mich der schönste Abschluss meines Gastartikels für die Pferdeflüsterei.

Text: Daniela Geiger von Fair Riding Corp
Fotos: Daniela Geiger von Fair Riding Corp

„Anmut ist eine schöne Zierde der Kunst. 
Ohne Anmut gibt es kein feines Reiten, 
und ohne Feingefühl kann man nicht an Kunst denken. 
Härte, Gewalt und Kraft sind die Mitgift der Mittelmäßigen, 
die niemals wahrhaftig sein wollen.“

Nuno Oliveira

Wer ist der Zitategeber – Nuno Oliveira*?

Nuno Oliveira gilt als Meister der klassischen Dressur. Er war ein portugiesischer Reitmeister, der sein Leben der Seele der Pferde gewidmet hat. Reiten und die Pferde waren seine Berufung. Die Reiterwelt verdankt Oliveira dutzende wahre Zitate, die jeder Reiter kennen sollte.

Berühmt wurde er Mitte der 1960er, weil er in verschiedenen großen Pferdeshows Europaweit auftrat, anschließend strömten Schüler aus der ganze Welt zu ihm und vom Oliveira zu lernen. Für Oliveira war Reiten eine Kunst, die Technik und Gefühl miteinander in Einklang bringen muss.

Die Liebe zum Pferd hat in seiner Art zu Reiten, in seinem Unterreicht und in seiner Lehre die größte Rolle gespielt. Außerdem war er bekannt dafür, dass er für jedes Pferd individuell ei Training entwickelt hat, basierend auf dem, was dieses eine Pferd brauchte, um zu seiner persönlichen Bestform zu kommen. Ohne Druck, sondern mit Verständnis für die Bedürfnisse des einzelnen Tieres. Unabhängig von Reitweisen und Schubladen. Das ist vermutlich der Hauptgrund, warum Oliveira eine große Inspiration für viele echte Pferdemenschen ist. Reiten war mehr als Technik, es war für Oliveira Passion und Hingabe*

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