Zusammen lernen, lernen offen zu sein und zu bleiben. Die Beziehung zum Pferd muss man suchen und finden. Es ist wie bei Musik oder bei der Liebe. Du musst offen sein und mit dem Herzen suchen, dann findest du einen Weg, dann findest du die Bindung zu deinem Pferd. Darum geht es Arien Aguilar. Der junge Pferdetrainer findet wunderschöne Worte für richtiges Pferdetraining.

Arien Aguilar bei der Bodenarbeit

Ich mag die Idee von „Next Generation“ sehr. Er will eine Revolution für die Pferde, nicht für die Preise und die Schleifchen. Es sollte uns nicht um die Erfolge bei den Turnieren gehen, sondern um die Bindung und die Erfolge, die wir gemeinsam mit unseren Pferden nur für uns als Team feiern können.

Arien Aguilar Next Generation

Deine Energie und meine Energie

Indem wir lernen unsere Energie an die Energie unserer Pferde anzupassen, indem wir lernen die Pferde zu lesen und von den unterschiedlichsten Trainer und Ansätzen zu lernen. Damit du und ich und jeder Pferdemensch seinen eigenen Weg gehen kann. Angepasst an das Pferd und den Menschen.

Arien Aguilar Next Generation

Das Konzept von Next Generation

Das Konzept von Next Generation ist es, dass Trainer gemeinsam mit Pferden arbeiten, verschiedene Methoden zeigen und miteinander diskutieren dabei. HIER findest du noch mehr Informationen zu „Next Generation“.

Wir sind in Chieming in Bayern dabei und haben die Smartphonekamera für dich spontan eingeschaltet und mitlaufen lassen.

HIER siehst du einen Zusammenschnitt von den Trainern – Next Generation 2015:

Arien Aguilar, Viktoria Berger und Miron Bococi unterhalten sich miteinander, mit dem Publikum und mit den Besitzern der vorgestellten Pferde. Teils auf Spanisch, teils auf Deutsch. Eine Übersetzerin erklärt alles Spanische. Miron spricht kein Deutsch.

HIER siehst du Miron mit seinen Pferden bei der Freiheitsdressur:

Gemeinsam lernen, gemeinsam besser Pferde verstehen

Die Trainer sehen sich gemeinsam drei Pferde an, die mit verschiedenen Problemen zu kämpfen haben. Eines zum Beispiel geht manchmal durch mit seiner Besitzerin. Manchmal auch nicht. Es ist unberechenbar und schreckhaft, sagt die Besitzerin. Der Wallach ist sehr unruhig, gleichzeitig zeigt er dominantes Verhalten, drängelt und legt immer wieder aggressiv die Ohren an. Dann wieder ist er nervös und schreckt sensibel sehr schnell weg, bei Druck oder fordernden Berührungen.

Next Generation - Problempferd

Was tun bei einem schreckhaften Pferd?

Arien sieht das Pferd und analysiert, dass es „etwas versteckt“, dass es nicht in sich ruht und rät der Besitzerin nach dem Training, dass sie mehr Basisarbeit mit dem Pferd machen sollte. Mehr konsequentes und ruhiges Führtraining, um dem Pferd einerseits Ruhe und andererseits Sicherheit zu geben, aber auch klar zu sagen, dass der Mensch die Entscheidungen trifft und nicht das Pferd.

Nach eigenen Angaben trainierte die Besitzerin viel akademische Bodenarbeit mit ihrem Pferd. Arien rät ihr deswegen dazu, das als Pause und Lob zu etablieren, als Spaßarbeit und die Basis-Bodenarbeit verstärkt ins Training mitzunehmen. Denn das Pferd testet immer wieder Reaktionen aus und nimmt seine Besitzerin nicht ernst. Das macht es auf Dauer gefährlich.

Alles läuft auf Führtraining hinaus. Arien fordert sie dazu auf Basisarbeit mit dem Pferd zu machen – konsequent und freundlich. Es sei falsch das Pferd zu bemitleiden, wenn es schlechte Erfahrungen gemacht hat und deswegen schreckhaft ist. Wenn du das Pferd zu sehr bemitleidest und streichelst, während es sich aufregt, wird es sich nur weiter hineinsteigern in seine Depression oder seine Angst, weil es darin bestätigt wird mit der Aufmerksamkeit, die es in diesem Moment bekommt.

Ist Horsemanship mit Seil schütteln der Weg?

Dann arbeitet Miron mit dem Pferd. Er kommt offenbar aus der Ecke des Horsmanship, denn als erstes will er den Wallach rückwärts schicken.

Miron Bococi Horsemanship

Für ihn ist sein Tanzbereich erst einmal das Wichtigste in der Pferd-Mensch-Kommunikation. Das Pferd soll lernen sich wegschicken zu lassen und seinen Tanzbereich zu respektieren.

  • Das bedeutet bei Miron Bococi, dass er die Hand ausstrecken will, ohne, dass er das Pferd berühren kann
  • Das ist sein idealer Arbeitsabstand – zumindest Anfangs
  • Seine Arbeitsbasis ist der Druck, den er Schrittweise aufbauen und abbauen kann. Er begründet das mit dem Umgang der Pferde untereinander in der Herde
  • Druckaufbau ist das „nein“ – Pause ist das „ja“ bei seinem Training
  • Druck baut er mit dem Rope, der Gerte und seiner körperlichen Präsenz auf.

Für meinen Geschmack gibt er dem Pferd direkt zuviel Energie. Er fragt nicht leise an, sondern schüttelt gleich mit Druck und Stärke das Seil. Der Wallach wirft den Kopf hoch und macht sich fest. Miron geht mit noch mehr Druck gegen. Nicht brutal. Aber eben mit viel Druck. Mir gefällt es nicht so gut. Ich könnte es verstehen, wenn das Pferd grob respektlos, gefährlich oder unhöflich ihm gegenüber gewesen wäre. Manchmal müssen Trainer leider wieder einrenken, was Besitzer zu lange falsch gemacht haben und dem Pferd erst einmal beibringen wieder zuzuhören. Aber das Pferd steht erst einmal ruhig da und ist weder unhöflich noch respektlos. Mir ist die Anfrage von Miron deswegen zu hart. Seine Energie passt nicht zur Energie des Pferdes aus meiner Sicht. Er startet gleich mit Stufe 5 oder 6 statt mit einer feinen Stufe 1. Zumindest kommt es mir so vor und das gefällt mir nicht so gut. Mir fehlt die Freundlichkeit, die liebevolle Atmosphäre dabei und die Feinheit in der ersten Anfrage und Begegnung.

Miron Bococi Horsemanship

Das Pferd macht sich erst noch fester, weicht dann und steht still. Miron beendet den Druck sofort. Sein Timing ist da sehr gut und seine Körpersprache klar. Er erklärt, warum er nahezu ausschließlich mit der „Pause“ als Belohnung arbeitet:

Die Pause sei das höchste Lob für seine Pferde. Keine Stimme, kein Streicheln..

Das ist klassisches sehr strenges Natural Horsemanship. Ich persönlich würde ihm widersprechen und will gerade ansetzen, um mich zu melden, als Arien anfängt mit ihm zu diskutieren. Er sieht das Thema Belohnung anders als Miron und erklärt, dass er viel lobt im Training.

Arien Aguilar arbeitet sogar mit verschiedenen Formen des Lobes, je nach Pferd:

  • Vom Stimmlob
  • über die Futterbelohnung
  • bis zum Nachgeben
  • der Pause
  • Trainingsübungen, die das Pferd besonders gerne macht

Ich mag den Gedanken und Ansatz und bin froh, dass er nachgehakt hat. Was ich an Miron bewundere ist die klare Körpersprache und sein Timing. Das sitzt. Was ich nicht mag ist der große Druck, mit dem er arbeitet und einsteigt. Ich persönlich hatte nicht das Gefühl, dass das Pferd etwas verstanden hat. Aber ich habe auch nur eine Momentaufnahme bekommen.

Ich würde zu gerne einmal bei ihm am Rand stehen, wenn er zu Hause trainiert und sehen, wie er da mit seinen Pferden arbeitet. Wenn kein Publikum da ist und wenn er alle Zeit der Welt hat.

Next Generation Miron Bococi

Sanfte Dressur mit dem Bosalito

Sehr mochte ich die junge Pferdetrainerin Viktoria Berger, die immer wieder erzählt hat, wie lange sie gebraucht hat, um ihrem Pferd einzelne Lektionen beizubringen.

Next Generation Viktoria Berger

Es ist wichtig und gehört aus meiner Sicht auch zu der Verantwortung bei solchen Demotagen dazu, den Zuschauern klar zu machen, dass nicht unbedingt leicht ist, was leicht aussieht. Dass es ein langer Weg sein kann, bis man dort ankommt, wo man hinwill.

Und dass auch der Weg Spaß machen kann, wenn man ihn mit Geduld und Klarheit geht.

Ein Beispiel: Viktoria hat mit ihrem Hengst den Schul-Halt gezeigt.

Ein Schul-Halt als Lektion dient der Stärkung der Hinterhandmuskultaur. Er sieht spektakulär und leicht aus bei ihr und ihrem Hengst. Aber anstatt sich einfach in ihrer Leistung zu sonnen, erklärt sie klar und deutlich, dass es sie und ihr Pferd Monate und viele kleine Schritte gekostet hat, dorthin zu kommen.

Next Generation Viktoria Berger

Daraufhin fragt Arien Aguilar nach, wie sie den Schul-Halt mit ihrem Pferd trainiert hat. Sie nimmt sich Arien Aguilars Pferd und zeigt langsam und mit Erklärungen dazu, wie die ersten Trainingsschritte aussehen.

  1. Pferd an die Bande führen, um eine Grenze und eine gerade Linie zu haben
  2. Pferd ganz leicht in die Innenstellung biegen (also Nase leicht nach innen biegen, aber nur fein. Darauf achten, dass sich das Pferd nicht verwirft, sondern gerade bleibt)
  3. Dann das Pferd um eine leichte Gewichtsverlagerung nach hinten bitten
  4. Sobald das Pferd auch nur die Idee einer Bewegung nach hinten zeigt, aufhören und loben
  5. Das Pferd soll keinen Schritt machen, sondern nur das Gewicht nach hinten verlagern – man könnte sagen, dass das Pferd leicht nach hinten wiegen soll
  6. Du schaukelst im Grunde mit dem Gewicht des Pferdes
  7. Dann läufst du wieder ein paar Schritte und fragst erneut das Schaukeln nach hinten ab

Next Generation Viktoria Berger

Next Generation Viktoria Berger

Es erfordert einen feinen Blick und perfektes Timing, damit das Pferd versteht, was du von ihm willst. Aber irgendwann wird aus dem Schaukeln eine Verlagerung des Gewichts auf die Hinterhand und daraus wird dann irgendwann der Schul-Halt.

Schritt für Schritt. Nicht in drei Tagen und nicht in drei Wochen.

ACHTUNG:Das ist es worum es beim Pferdetraining für mich geht. Präzision, Geduld und Zeit. So viel Zeit, wie das individuelle Pferd braucht. Mit der Energie und Tonlage, die das individuelle Pferd braucht. Das müssen wir als Pferdebesitzer herausfinden. Das ist unsere Aufgabe. Und auch wir sollten uns soviel Zeit dazu lassen, wie wir brauchen.

Ich finde Erklärungen und Erläuterungen sehr wichtig. Es ist toll, dass Arien Aguilar sich während der Trainings immer wieder eingebracht hat, um die beiden anderen Trainer zu fragen, was sie tun und warum sie es tun. Immer wenn ich eine „Frage“ oder ein „Aber“ im Kopf hatte, hat er sie kurze Zeit später gestellt, um als Moderator für das Publikum zu agieren und Trainer mit den beobachtenden Menschen zusammenzubringen.

Next Generation Arie Aguilar moderiert

Next Generation? Eine wunderbare Idee!

Mir gefällt die Idee sehr, dass Trainer sich austauschen und gemeinsam trainieren und so die Zuschauer verschiedene Formen und Methoden kennenlernen können.

Next Generation Viktoria Berger Biegung

Next Generation Arien Aguilar

Nur wenn wir viel sehen und erleben, bekommen wir irgendwann eine Idee davon, wie der eigene Weg aussehen könnte. Darauf baut im Grunde auch die Tour auf.

  • Es macht Spaß zu sehen, wie sanft und klar Arien mit den Pferden umgeht
  • Es ist beeindruckend wie leicht Victoria mit kleinsten Körperbewegungen und nur mit einem Bosalino oder sogar vollkommen frei ihrem Hengst die kompliziertesten Lektionen abfragt
  • Es ist auch faszinierend zu sehen, mit we viel Energie Miron mit seinen Pferden bei der Freiheitsdressur arbeitet. Es ist mitreißend – auch wenn die Frage in meinem Kopf bleibt und ich die Gesichtsausdrücke der Pferde kritisch beobachte. Ich komme zu keinem endgültigen Ergebnis. Dafür müsste man ihn in aller Ruhe bei der alltäglichen Arbeit sehen. Es ist ein Weg, den er geht. Sein weg, vielleicht nicht meiner.

Bei seiner Vorführung beeindruckt mich der junge Trainer mehr als bei dem Training mit den Problempferden. Hätte ich ihn nur bei seiner Show gesehen, wäre ich wahrscheinlich fasziniert gewesen.

Next Generation Miron Bococi Freiheitsdressur

Next Generation Miron Bococi Freiheitsdressur

Next Generation Miron Bococi Freiheitsdressur

Seine Show hat wahnsinnig viel Dynamik. Er baut sie auf, indem er seine Pferde mit viel Energie wegschickt und zu sich holt. So entsteht gleich von Anfang an diese Dynamik. So viel, dass Arien Aguilar die Pferde sogar vorsorglich von der Bande wegschickt, weil sie rasant aufs Publikum zugaloppieren. Es wirkt dramatisch, aber gleichzeitig ist alles sehr kontrolliert. Die Pferde sind und bleiben immer bei Miron.

Next-Generation

Next-Generation

Es hätte mir sehr gefallen, wie die Pferde mit Temperament und Energie in der Bahn mit ihrem Trainer tanzen – wenn ich nicht vorher beim „Problem“pferdetraining den Druck wahrgenommen hätte, den Miron Bococi dort ab dem ersten Hallo mit dem Pferd ausgeübt hat.

So habe ich mich immer wieder gefragt, wie eigentlich sein Weg zu dieser Freiheitsdressur aussieht und ob mir dieser Weg wohl gefallen würde.

Miron lässt steigen

Aber auch dafür ist Next Generation gut. Denn nur durch Vergleiche und viele Eindrücke ist es möglich für sich selbst einen Weg zu finden. Ich liebe Freiheitsdressur zum Beispiel. Aber ich bin kein Fan von zuviel Druck,  dann wenn er nicht sein muss und ich einem Pferd den Weg auch sanft und in vielen kleinen Schritten erklären kann. Wenn es gefährlich wird oder ein Pferd bereits außer Rand und Band ist, weil der Mensch vielleicht schon viele Fehler im Umgang gemacht hat, ist das wieder anders. Aber wenn das Pferd noch gar nichts gemacht hat oder kein respektloses Verhalten gezeigt hat – dann finde ich es höflicher erst einmal sanft anzufragen.

Warum muss ich sofort „rückwärts brüllen“ mit dem Seil, wenn ich auch leise „mit einem Gertentippen flüstern“ kann?

Ich hätte mir auch noch gewünscht, dass die Besitzer bei dem Pferdetraining mehr einbezogen werden. Lieber würde ich nur zwei Pferde sehen, die aber nachhaltiger und mit mehr Interaktion mit den Besitzern trainiert werden, als drei Pferde. Zeit darf beim Pferdetraining kein Faktor sein. Deswegen sehe ich lieber weniger Veränderung in einer längeren Zeitspanne, als spektakuläre Aktionen, die in kurzer Zeit viel zu erreichen suchen.

Auch weil das Publikum dann vielleicht nach Hause geht mit dem Gedanken, dass Pferdetraining in großer Geschwindigkeit ablaufen kann. Dabei muss die Botschaft eigentlich gerade bei Kursen und Demos sein, dass es Zeit und Geduld kostet, ein Pferd soweit zu trainieren, dass es motiviert und aufmerksam folgt. Aber das ist ein anderes Thema, denn das ist ein grundsätzlicher Gedanke, der mich bei Demos immer wieder erwischt.

Stop-Taste

Die Trainer von „Next Generation“ drücken die Stop-Taste, dort wo sie nötig ist. So sollte zum Beispiel der schreckhafte Wallach, von dem ich anfangs geschrieben hatte, eigentlich am Kurstag geritten werden. Er hatte offenbar neuerdings seine Besitzerin mehrfach abgeworfen. Arien Aguilar beendet das Training aber vorher, weil er findet, dass das Pferd noch nicht weit genug ist dafür und erst einmal Basisarbeit lernen muss. Dafür war an diesem Tag, in dieser Stunde, nicht die Zeit. Deswegen wird nichts erzwungen, damit das Pferd nicht überfordert wird. Das finde ich richtig und toll!

Es kostet Mut, nicht einfach einen Plan durchzuziehen, sondern umzuentscheiden, weil es dem Pferd nicht gut tun würde. Ich mag die Ruhe, mit der Arien Aguilar und die beiden anderen Trainer grundsätzlich arbeiten. Sie sind klar und gelassen. Und sie sind locker. Sie zeigen auch einfach am Menschen und aneinander kurz, was sie miteinander diskutieren. Zum Beispiel, wie Miron Bococi mit seiner Gerte arbeitet…

Next Generation

Ich hätte auch deswegen zum Beispiel spannend gefunden, wie die drei Trainer grundsätzlich arbeiten. Bei Pferden mit einem Problem, liegt es in der Natur der Sache, dass diese Pferde Ruhe, Zeit und eine Person brauchen, die konsequent mit ihnen arbeitet. Da können nicht drei Trainer ran und das ohnehin schon verwirrte Pferd noch mehr verwirren. Deswegen wurde jedes Pferd auch folgerichtig vor allem von einem der drei Trainer während der Demo trainiert. Trotzdem war es da schon spannend zu sehen, wie die drei Trainer an das Problem herangehen würden. Das konnten wir erfahren, weil wir an den Diskussionen teilhaben durften.

Spanischer Schritt Viktoria Berger

Idee für Next Generation

Ich hätte zum Beispiel statt drei Problempferde, lieber drei zufriedene ausgeglichene Pferde gesehen, die aber zum Beispiel alle drei eine Aufgabe gestellt bekommen. Zusammen mit Arien, Victoria und Miron. Während der eine erklärt und trainiert, kommentieren die beiden anderen und diskutieren anschließend die Trainingsmethode. Dann der nächste, dann der nächste. So dass wir einen noch besseren Einblick in die Trainingsmethoden der drei Trainer bekommen hätten. Quasi die verschiedenen Wege zu einer gleichen Aufgabe gesehen hätten.

Denn bei einem nervösen „Problem“pferd, dass das Wort „Bodenarbeit“ noch nicht zu kennen scheint, sind die Trainer natürlich erst einmal auf die Basics fokussiert und können so gar nicht in vollem Ausmaß zeigen, wie sie eigentlich zu Hause bei sich trainieren.

Arien Aguilar beim Training

Deswegen war auch der zweite Teil des Kurses am Nachmittag sehr spannend. Da haben alle drei Trainer zusammen in der Halle gezeigt, was sie können und wie sie mit ihren Pferden arbeiten. Erst jeder einzeln bei einer Trainingsrunde, dann bei einer Show.

Besonders beeindruckt hat mich da Miron Bococi, der mit so viel Energie und Mut mit seinen Pferden nahezu getanzt hat. Aber auch Arien und Viktoria, die mit Geduld und Ruhe trainieren und die Philosophie der kleinen Schritte leben. Diese kleinen Schritte führen langfristig viel nachhaltiger zu den großen Erfolgen, daran glaube ich fest.

Gijs – ein Minishetty mit Talent

Fast schon zu Tränen berührt hat mich der Special Guest. Maja mit ihrem kleinen Shetty Gjis. Die 17-jährige hat gezeigt, was sie und ihr Pony als Team gemeinsam leisten können. Ganz ohne Druck mit viel Energie und Spaß.

Gijs Minishetty und Maja

Gijs Minishetty und Maja

Gijs Minishetty und Maja

Auch wenn der kleine Kerl ab und an etwas nicht zeigen wollte, was sie angefragt hat, hat sie ihm einfach eine andere Chance gegeben und später noch einmal gefragt. Ich mochte, die Art, wie die beiden miteinander umgegangen sind. Aufmerksam füreinander und liebevoll miteinander. Das Team Maja und Gjis beruht auf Gegenseitigkeit und hat mich deswegen so berührt.

Hier seht ihr die beiden auf Youtube:

Führpferd hat übrigens auch schon eine Zusammenfassung zu „Next Generation 2015“ geschrieben. HIER findest du ihre Eindrücke zu „Next Generation“.

Mein Fazit in einem Satz: Es war ein wundervoller und spannender Tag von dem ich viel mitgenommen habe.

Petra mit Arien Aguilar

Beenden möchte ich ihn mit einem Satz von Arien Aguilar, der viele Gedanken zum Thema „Reiten“ und „Gebiss“, „Kontrolle“ und „Pferdetraining“ in diesem Satz auf den Punkt gebracht hat:

Wenn wir Angst haben, spannen wir uns an. Dann üben wir automatisch Zug aus. Das ist Menschlich. Gebisse können Schmerzen auslösen. Wenn wir mit einem Pferd nur mit Zug am Gebiss reiten können, dann sollten wir am Boden wieder mehr Kommunikation erarbeiten, bevor wir reiten. Denn wenn wir vor dem Aufsteigen Angst haben und eventuell ziehen müssten, dann spannen wir uns an und üben automatisch Zug aus. Das aber wiederum löst Schmerzen beim Pferd aus.

Ein Gebiss ist für Kommunikation da, nicht um das Pferd halten zu können. Es ist falsch verstanden. Zu viele nehmen es, weil sie Angst vor Kontrollverlust haben. Und ich danke Arien dafür, dass er genau das auch zum Thema auf einem Demotag macht. Denn genau wie das Gebiss werden zu viele Hilfsmittel zu bedenkenlos und gedankenlos angewendet.

Frage: Ich freue mich schon auf das nächste Jahr und hoffe, dann wieder dabei sein zu können. Dann vielleicht wieder mit anderen Trainern und noch mehr Eindrücken. Gibt es denn Trainer, die ihr gerne bei der nächsten Next Generation Tour sehen würdet?

Autor: Petra

Pferde machen glücklich. Sie sind unsere Lehrmeister, auf dem Weg zu dem besten "Ich", das wir werden können. Daran glaube ich fest. Es ist wichtig, dass wir ihnen zuhören und lernen sie zu verstehen. Dann schenken sie uns besondere Momente. Diese Momente machen süchtig. Im echten Leben bin ich professionelle Journalistin. Das versuche ich hier in die Welt der Pferde zu übertragen. Ich schreibe die Artikel, führe die Interviews und besuche die Kurse für mehr Pferdewissen. Mein Mantra: Sei ein sicherer Ort für das Pferd.

14 Kommentare zu “Arien Aguilar & Next Generation – von sanftem Horsemanship und feiner Dressur

  1. Miriam sagt:

    Liebe Petra,

    ein sehr interessanter Artikel. Ich mag die Idee, dass sich verschiedene Pferdemenschen zusammentun und man einfach mal über die verschiedenen Ansätze diskutiert, bzw. diese auch mal erlebt und Fragen stellt. Ich selber versuche immer offen zu sein für anderes, merke aber bei mir durchaus, dass ich es nicht immer bin. Manchmal beurteile ich Dinge ohne sie mir näher angeschaut zu haben. Gerade dann habe ich aber die Erfahrung gemacht, wenn ich nochmal näher hinschaue, kann ich doch auch was für mich lernen und wenn mir nur eine Idee kommt, wie ich die Übung anders machen würde. Schade, dass das eher eine Seltenheit ist, dass sich verschiedene Trainer so zusammen tun und auch mal kritischere Fragen erlaubt sind.
    Das Belohnen mit der Lieblingsübung mach ich auch gerne. Wenn wir alleine in der Halle sind, belohne ich mein Pony gerne auch mal mit seinem geliebten Ballspiel. Da brauch es sonst nichts. Er jagt den Ball durch die Halle und freut sich. Zum Glück haben wir wieder einen neuen Ball. Nachdem der alte kaputt gegangen ist.
    Traurig machen mich die Bilder von Miron.
    Das Shetty Gjis ist ja mal total süß. Fast so niedlich wie mein kleiner Ponymann, der natürlich der tollste und beste und schönste ist ;). Das Viedeo von den Beiden sieht so aus als ob sie einfach Spaß miteinander haben. Es werden zwar Übungen gemacht, aber es sieht so aus als ob es beide einfach aus Freude und im Spiel miteinander machen. Das finde ich persönlich der schönste Weg und das versuche ich mit einem eigenen Pony auch. Mir gelingt es nicht immer. Manchmal habe ich ein Bild von einer Lektion im Kopf und möchte das unbedingt jetzt und genau so. Das geht bei meinem Pony aber zum Glück immer schief. Er mag das nicht und macht dann auch nicht mit.
    Liebe Grüße
    Miriam

    • Petra sagt:

      Liebe Miriam, das ging mir auch schon so – man hat eine Idee oder einen Gedanken im Kopf und denkt, dass das der richtige Weg ist und der andere also falsch sein muss. Dass man immer etwas für sich mitnehmen kann, erfährt man erst, wenn man offen bleibt. Und sei es, dass man nach einem offenen Blick für sich feststellt, dass es eben nicht der eigene Weg ist. Ich habe viel mit einer Clickerin gesprochen und meine Idee zum Thema „Leckerli“ auch wieder ein klein bisschen gedreht. Man kann doch immer voneinander lernen. Ich mag auch sehr, wie du und dein Ponymann miteinander seid. Gijs – das Minishetty – war schon sehr toll – aber dein Ponymann ist natürlich der allertollste 🙂 Ganz liebe Grüße an euch zwei, Petra

  2. Akki sagt:

    Hi Petra,

    es ist so spannend zu lesen, wie du die Next Generation wahrgenommen hast. Auch ich war ganz begeistert, die vier tollen Pferdemenschen in Issum treffen zu können.

    Ich möchte besonders auf deinen Eindruck zu Miron zu sprechen kommen. Durch die „Trainerbrille“, die ich an diesem Tag natürlich auf hatte, habe ich ihn anders wahrgenommen. Er hat ein unheimliches Gespür dafür, die Pferde aus ihrer Komfortzone zu holen. Es mag für einige Zuschauer ausgesehen haben, als habe er zuviel Druck angewandt und habe zu extrem auf das Pferd eingewirkt. Das kann natürlich – in dieser Situation – so gewesen sein. In Issum hat er aber gezeigt, dass er auf den Punkt arbeitet. Er schaltet hoch, und genauso schnell wieder runter. Auch ich arbeite immer mit sehr wenig Druck. Das ist nicht immer gut, weil manche Pferde dann kaum etwas zurück geben. Wenn ich plötzlich eine schnelle Anfrage stelle, werden sie bockig und blockieren. Eine schnelle Anfrage – und damit plötzlicher Druck – verlangt aber eine schnelle Antwort des Pferdes. Vielleicht hat Miron nur ausprobiert, wie schnell der Wallach ihm antwortet? Gerade bei ranghohen Pferden kann man so das Pferd beeindrucken und es aufwecken.

    Die Bilder sollten auf keinen Fall traurig machen, so wie Miriam es empfindet. Pferde sind sehr ausdrucksstarke Wesen. Ihr Gesichtsausdruck ist immer eine Momentaufnahme. Für mich ist Miron ein Showman – und damit eine Klasse für sich. Er ist sanft, niemals ungerecht, aber er verlangt viel.

    Mir hat der Tag unglaublich viel gebracht. Dafür danke ich den Trainern und auch Maja.

    Ganz liebe Grüße,
    akki

    • Petra sagt:

      Hi Akki, es war wirklich toll den Trainern zuzusehen. Alle waren auf ihre Art spannend – Trainerbrille hin oder her.

      Ich schreibe auch, dass Miron klar ist und sein Timing auf den Punkt. Er nimmt den Druck sofort raus, wenn das Pferd reagiert. Ich finde auch seine Körpersprache sehr klar. Nur braucht es den Druck aus meiner Sicht nicht, den er ab der ersten Sekunde macht. Da gefällt mir die liebevolle Geduld von Arien einfach besser.

      Als Mensch mit der „Pferdebrille“ 😉 (entschuldige, aber dein Bild ist so herrlich skurril) muss ich auch sagen, dass ich grundsätzlich mit dem „Rückwärts schicken“ mit viel Seil-Geschlacker nicht viel anfangen kann. Davon hat mich ein Horseman und Trainer in Neuseeland bekehrt, der diese Methode gar nicht nutzt. Denn was bekommst du zurück? Ein Pferd das den Kopf hochwirft. Das ist eigentlich IMMER die Reaktion. Klar, das Seil schlackert ja auch heftig. Und der Druck schmerzt vielleicht sogar, wenn man zerrt. Das ist aus meinem Blickwinkel die „Fight or Flight“-Körperhaltung, die mehr mit Adrenalin, als mit „zuhören können“ zu tun hat.

      Deswegen hatte ich auch am Ende nicht das Gefühl, dass der Wallach wirklich verstanden hat, was man von ihm will. Er ist rückwärts, irgendwie. Aber aus meiner Sicht nicht bewusst und nicht als verstandene Übung. Ich kann verstehen, wenn man bei Pferden, bei denen schon viel schief gelaufen ist, klare Ansagen machen muss. Erst einmal vielleicht Druck machen muss, damit sie wieder lernen zuzuhören. Aber eben dann, wenn das Pferd respektlos wird oder unhöflich oder unfreundlich oder büffelig. Nicht wenn es einfach nur da steht und noch gar nicht viel gemacht hat. Ich finde die Energie der Antwort sollte im Idealfall zur Energie der Frage passen, wenn du weißt, was ich meine.

      Da wäre aus meiner Sicht ein bisschen entspanntes Führtraining als Einstieg in die Kommunikation freundlicher und hilfreicher gewesen. Wenn der Wallach dann unhöflich oder respektlos wird, dann kann ich auch nachvollziehen, dass man mehr Druck macht. Arien hat Miron ja auch zum Beispiel widersprochen, was das Lob betrifft. Insofern kann man auch unterschiedliche Meinungen zu einer Trainingsmethode haben, selbst wenn man die gleiche Sache verfolgt: mehr Fairness den Pferden gegenüber.

      Miron ist sicher ein klarer und ruhiger Pferdemann. Nur hat mir eben diese Momentaufnahme nicht gefallen. Aber ich schreibe ja auch, dass das eine Momentaufnahme war und ich gerne wüsste, wie er mit seinen Pferden trainiert, zu Hause. Denn die Show von ihm und seinen Pferden war schon beeindruckend.

      Wie auch der ganze Tag. Ich liebe die Idee bei Next Generation, werde nächstes Jahr gerne wieder mit dabei sein.

      Alles Liebe, Petra

  3. Akki sagt:

    Hi Petra,
    völlig d’accord! Dann habe ich deinen Text als kritischer empfunden, als er war. Ich bin auch kein Fan von Seil-Schütteln, wende das selbst auch nicht für das Rückwärts an. Ist unhöflich und laut, keine Frage. Du hast sicher recht, es war eine Momentaufnahme, und auch Miron ist ja mit den anderen unterwegs, um von ihnen zu lernen! 🙂
    Ganz liebe Grüße,
    akki

  4. Claudia sagt:

    Liebe Petra,

    danke für den tollen Bericht.

    Ich wäre sooooo gerne dabei gewesen. Klingt extrem spannend, dieses Jahr habe ich es leider nicht geschafft. Vielleicht nächstes Jahr.

    Bezüglich Miron, verstehe ich dich richtig? Er hätte, deiner Meinung nach, einfach nur den Druck langsam aufbauen müssen um dem Pferd damit die Chance zu geben früher zu aggieren?

    lg Claudia

    • Petra sagt:

      Liebe Claudia, ich kann dir Next Generation wirklich empfehlen. Es war toll, spannend und hat viel Spaß gemacht.

      So einfach lässt sich das mit Miron gar nicht sagen. Weil ich seine Methoden grundsätzlich nicht kenne. Ich kann nur für den Moment sprechen.

      Aber in diesem Moment hätte ich mir tatsächlich gewünscht, dass er erst einmal leise anfragt und erst dann Druck aufbaut, wenn das Pferd nicht reagiert. Bzw. erst so laut wird, wie er von Anfang an geworden ist, wenn das Pferd grob unhöflich geworden wäre. Ich finde es aber schwer, das so pauschal zu sagen.

      Sagen wir andersherum: Ich habe immer das Bild im Kopf, dass meine Energie zur Energie des Pferdes passen sollte. Das ist das, was ich versuche. Es gelingt mal besser und mal schlechter. Keine Frage.

      Also: Wenn das Pferd da steht und ich will, dass es rückwärts geht, würde ich leise ein „Back“ oder „Rückwärts“ anfragen, zum beispiel durch ein Stimmsignal oder ein bisschen Körpersprache. Wenn dann nichts passiert, würde ich mit der Gerte an die Brust tippen. Wenn dann nichts passiert etwas stärker tippen. Dann vielleicht mit der Gerte Wedeln. Dann gleichzeitig mich größer machen, mehr Geräusche machen. Mehr tippen. Schneller tippen. Heftiger Tippen. Je nachdem worauf das Pferd reagiert. Und wenn dann auch nur die Idee eines Rückwärts kommt – weil das Pferd zum Beispiel nur das Gewicht nach hinten verlagert – aufhören und loben. Und so das Rückwärts in viele kleine Schritte zerlegen. So dass es dann irgendwann nicht nur das Gewicht verlagert, sondern einen Schritt macht und dann zwei und dann drei. Das es schnell ein Erfolgserlebnis bekommt und mehr Freundlichkeit in der Anfrage liegt. Und dann eben nur noch mit der Körpersprache. usw. Um es kurz zu machen: Für meinen Geschmack hätte er erst einmal höflicher anfragen können als Einstieg und dann den Druck auch langsamer aufbauen und dabei weniger verlangen müssen. 🙂 Das wäre so meine Idee gewesen.
      Das gilt natürlich nur für ein Pferd, das nicht respektlos oder grob unhöflich wird. Ist es das, muss meine Energie auch wieder zur Energie des Pferdes passen. In dem ich entsprechend laut klar mache, dass das nicht geht.

      Liebe Grüße, Petra

    • Claudia sagt:

      Liebe Petra,

      danke für deine ausführliche Antwort. Dann habe ich dich richtig verstanden! :O)

      Ist finde ich, ein sehr schöner Ansatz. Ich bin gerade beim erlernen dieser Steigerung. Ist gar nicht so einfach…

      lg Claudia

  5. Rolf Schönswetter sagt:

    Hallo Petra, schöner Beitrag, der meiner Meinung nach sehr ehrlich und objektiv geschrieben ist :). Ich finde es gut, dass sich verschiedene Trainer zusammen tun und gemeinsam pro Pferd arbeiten. Mein österreichischer Freund und Trainerkollege Kurt Murauer und ich haben schon seit längerem die Internetseite „westernreiten-backtotheroots“ ins Leben gerufen und sind sozusagen als die „Old Generation“ (weil Back to the Roots) quasi das ältere Pendant zur Next Generation. Wir haben uns ähnlichen Zielen verschieben, denn auch wir wollen die Zusammenarbeit von „guten“ Trainern fördern. Wir arbeiten Pro Pferd und im Sinne einer Philosophie, die die Würde der Pferde erhält und respektiert. Wenn du Zeit und Lust hast, schau doch mal auf dieser Seite vorbei. Ich würde mich auch gerne mal zu diesem Thema mit dir austauschen und lade dich gerne ein, bei einem Training von mir mal zuzusehen. Ich würde mich freuen. Liebe Grüße und vielleicht sehen oder hören wir uns ja mal, Rolf

  6. Miriam sagt:

    Liebe Petra,

    ich befürchte mein Kommentar wird jetzt etwas Off-Topic hierzu. Ich hoffe das ist torztdem okay. Mir ist nur immer wieder was aufgefallen und ich würde gerne meine Gedanken dazu als andere Sichtweise vielleicht mal schreiben.
    Mein Kommentar ist gar nicht als Kritik oder irgendwas gedacht. Sondern wirklich nur meine Sichtweise zu dem Thema beschrieben.
    Ich lese auf deiner Seite und auch in deiner Antwort auf Claudia immer wieder was von anfragen. Das kenne ich auch von Parelli z.B. der angeblich auch Fragen an das Pferd stellt. Für mich sind Fragen aber etwas, was mehrere Antworten zu lässt d.h. für mich, ich frage mein Pferd um etwas und lasse dann aber sowohl ein Ja wie auch ein Nein zu. Ich baue also nicht mehr Druck auf um zu erreichen was ich möchte, sondern ich akzeptiere das Nein meines Ponys und der Pferde mit denen ich umgehe.
    Vielleicht mal ein konkreteres Beispiel was ich meine. Ich habe mein Pony irgendwann mal gefragt, ob er bitte ein Stück rückwärts gehen könnte. Und ich meine damit, dass ich sanft meine Hand auf seine Brust gelegt habe und meine Energie und Gedanken rückwärts geschickt habe. Mein Pony hat nicht reagiert. Er hat auf meine Frage mit Nein geantwortet. Nun habe ich nicht mehr Druck aufgebaut und gesagt, dass er jetzt rückwärts muss, sondern die Übung erst Mal einfach bleiben lassen. Ích habe überleg, warum er Nein gesagt hat. Das kann natürlich verschiedene Gründe haben. Bei meinem Pony war es in diesem Fall so, dass er mir nicht genug vertraut hat. Er sieht direkt hinter sich nichts und es benötigt Vertrauen um dann einfach nach hinten zu treten, weil es jemand sagt. Kann man selber mal ausprobieren. Man steht irgendwo und jemand wild fremdes kommt und sagt, man soll ein Stück zurück. Ich würde mich umdrehen und nachschauen ob hinter mir was ist, bevor ich das mache. Von den Pferden verlangen wir aber oft genau das Gegenteil. Sie solle einfach zurück gehen ohne, dass sie einen gut kennen bzw. sie einem genug vertrauen. Mit meinem Pony habe ich also erst Mal Vertrauensarbeit gemacht. Und irgendwann habe ich das mit dem Rückwärts auf die selbe Art nochmal gefragt und plötzlich hat er Ja gesagt. Was ich damit sagen will ist, dass ich bei Fragen finde es müssen auch Antworten zugelassen werden. Sonst sind es meiner Ansicht nach in Wirklichkeit Befehle. Vielleicht nett formuliert zumindest anfangs, aber letztlich bestehe ich darauf, dass es ausgeführt wird. Dann ist es für mich persönlich keine wirkliche Frage.
    Meine Anmerkung ist nicht böse gemeint.
    Liebe Grüße
    Miriam

    • Petra sagt:

      Liebe Miriam, danke für deine Gedanken. Ich finde sie sehr spannend und im Grunde hast du auch Recht. Ich schreibe immer wieder von „fragen“, was ich manchmal auch mache. Dann muss ich auch ein Nein akzeptieren. Aber manchmal „bitte“ ich auch und dann wird aus der Bitte eine „Forderung“, wenn die Bitte überhört wird. Da hast du Recht. Es ist nicht immer eine Frage, die ich stelle. Ich bewundere ja, wie geduldig du mit deinem Ponymann bist. Und ich mag den Weg, den ihr beide zusammen geht sehr. Das Rückwärts ist wirklich ein großer Vertrauensbeweis . Da hast du so Recht. Das fordert man manchmal viel zu gedankenlos, viel zu schnell. Wir haben das erst nach den ersten Wochen angefragt. Aber vermutlich hättest du dir und dem Ponymann da mehr Zeit gelassen als wir der kleinen Madame Pferd. Ich bin irgendwo und irgendwie dazwischen, glaube ich. Ich finde auch, dass Pferde eine Meinung haben dürfen und auch in gewissem Maß mitsprechen dürfen. Ich mag mein Pferd auch nicht überfordern. Da sind wir glaube ich bei der gleichen Idee. Aber ich mag andererseits auch, dass mein Pferd weiß, dass ich es ernst meine, wenn ich etwas sage und am Ende doch ich die wichtigen Entscheidungen treffe. Ich bin auch ein großer Fan von dem „wer bewegt wen“-Gedanken. Da bin ich dann etwas „strenger“ – das ist ein blödes Wort. Aber mir fällt gerade kein wirklich passendes ein. Du weißt bestimmt, was ich meine. Ich weiß, dass du das nie böse meinst und ich finde auch okay, wenn man mal unterschiedlicher Meinung ist. Bei uns beiden sind das – glaube ich – Nuancen 🙂 Ich danke dir für deinen ergänzenden Kommentar und deine Gedanken zum Thema. Ich finde sie toll! Alles Liebe, Petra

  7. Britta sagt:

    Hallo,

    ich hatte ebenfalls vor, mir „Next Generation“ anzusehen, hat aber zeitlich nicht geklappt, daher bin ich über die Beiträge hier sehr froh und möchte ebenfalls gern etwas dazu aus meiner Sicht beisteuern: Die Freiheitsdressur von Herrn Bococi ist zwar sehr beeindruckend, gefällt mir persönlich aber nicht so sehr und zwar aus einem ganz einfachen Grund: Bei mir kam dabei sofort das Gefühl des „funktionierens“ auf. Ich sehe nicht ein einziges Mal, dass er sich über die enorme Leistung seiner Pferde freut und ihnen das auch zeigt. Eine Pause als Belohnung finde ich persönlich ein bisschen „geizig“ angesichts dieser Leistung. Das Horsemanship ist m.E. nicht korrekt interpretiert, wie schon bereits geschrieben wurde, fragt man erst dezent an und wird dann deutlicher. Herr Bococi setzt das Pferd m.E. unter enormen Stress – das lehne ich persönlich ab. Anstatt anzufragen „schreit“ er sofort und das ist nicht der Sinn der Sache. Ich mache mit meinem Wallach selbst Natural Horsemanship und Freiheitsdressur. Ich gebe aber nicht nur Pausen, sondern lobe sehr viel, zeige ihm meine Freude und Begeisterung wenn er sich anstrengt und arbeite auch mit Leckerlis. Ich sehe das ganz pragmatisch: ich erwarte auf meiner Arbeit bei guter Leistung ja auch etwas mehr :O) Schön finde ich die Arbeit von Arien Aguilar und die der beiden Frauen. Besonders die Leistung des „Kleinen Gjis“ ist toll und es ist auch o.k. wenn ein Pferd mal etwas nicht sofort zeigt. Pferde sind keine Maschinen sondern Lebewesen und das haben alle drei erkannt. Toll! Übrigens Miriam: deinen Denkansatz finde ich ganz hervorragend: Wenn es tatsächlich eine Frage ist- dann muss ich ggf. auch ein NEIN akzeptieren und mich fragen, was dahinter steckt…

    • Petra sagt:

      Liebe Britta, danke für deinen Kommentar. Wir sehen das wohl ganz ähnlich. Was ich an Miron Bococi bewundert habe ist sein Timing und die innere Ruhe. Wenn er die beim Training noch mit mehr Freude, Lob und sanfter Ruhe verbunden hätte, wäre ich begeistert gewesen. Aber es war auch nur eine Momentaufnahme, deswegen kann ich nichts grundsätzliches sagen. Mir ist aber auch das Ohrenspiel seiner Pferde aufgefallen bei der Show. Da hast du vielleicht nicht ganz Unrecht. Aber um abschließend etwas sagen zu können, müsste man ihn mal ein paar Tage bei seinem Training sehen, finde ich. Ich mag deinen Gedanken, das ganze Pragmatisch zu sehen. Wie du schreibst: wenn wir etwas großes leisten, freuen wir uns ja auch über das Lob. Außerdem ist es ja auch ein sehr motivierender Wegzeiger in die richtige Richtung. Ich lobe sehr viel und mit variierender Begeisterung, je nachdem wie groß die Aufgabe war. Leckerli machen wir (noch) nicht, weil es bislang gut ohne geht und Madame Pferd recht verfressen ist. Aber das ist dann auch wieder Einzelfallentscheidung und es kann jederzeit sein, dass sich das ändert. Miriams Ansatz fand ich auch ganz toll. Sie hat Recht. Ich schreibe immer wieder von „anfragen“ und meine damit eigentlich eher „bitten“ als „fragen“. Wörter haben wirklich viel Macht und sollten öfter durchdacht werden 🙂 Ganz liebe Grüße, Petra

  8. Sonja sagt:

    Na dann gebe ich hierzu auch mal meinen Kommentar ab 😀
    Hier mein Eindruck von der Arbeit der Trainer mit den Pferden…
    Den ich denke das „funktionieren in einem gewissen Maß“ ist bei Miron so wichtig, weil er mit wirklich viel „Energie“ arbeitet, wenn die Pferde so unter Spannung stehen nicht funktionieren, kann das schon blöd enden. Anderseits glaub ich dennoch das seine Pferde auch mitsprechen dürfen, auch in der Hinsicht, wenn neue Dinge zu erlernen sind, weil in der Freiheitsdressur das Pferd ja auch seine eigenen Ideen mit hineinbringt.
    Ich fand ihn total sympathisch und er bringt viel Umsicht und Gefühl mit hinein in das Ganze, er hat in meinen Augen das richtige Gespür für Pferd und auch für Mensch, denn als er neben mir stand, während meine Stute gearbeitet wurde und auch immer wieder vor der Veranstaltung und danach, gab es so kurze Gesten (da ich kein Spanisch und Rumänisch kann) wo er sofort beruhigend wirkt, also seine Ausstrahlung ist schon was Besonderes und ich denke das überträgt er auch auf seine Pferde, nicht nur die viele Energie sondern auch das in sich Ruhen.
    Ich hab Miron am Abend davor mit seinen Pferden in der Halle gesehen und er ist irrsinnig konsequent, lobt jedoch auch seine Pferde (für den einen ist Lob streicheln, Leckerli, für Miron Druck Nachlass und Pause). Ich denke dieses eher heftigere „klar machen“ was Miron von dem Wallach wollte kommt auch daher, dass der Wallach schon mit solch einer Selbstverständlichkeit das macht was er will, weil er zu wenig Respekt hat und auch zu wenig Grenzen gezeigt bekommen hat. Aber auch das finde ich wiederrum toll bei dieser Veranstaltung, das Arien nachgefragt hat. Das macht diese Veranstaltung so toll und unbezahlbar, Pferdemenschen die schon richtig, richtig gut darin sind, indem was sie machen und dennoch über alles sich austauschen und Anregungen von anderen annehmen.
    Aus meiner Sicht gesehen, braucht jedes Pferd den passenden Menschen/Trainer, manche kommen mit mehr Druck besser zurecht, andere mit weniger oder brauchen gar Lob, wie auch Arien gesagt hat.
    Um dies zu entscheiden was für ein Mensch/Pferd Team das richtige ist, das muss jeder selbst wissen, sowohl Mensch auch Pferd haben jeder seine eigene Persönlichkeit und einen eignen Empfindungsbereich was gut ist für einen und was nicht.

    Abschließend kann ich für mich sagen, dass Miron in meinen Augen richtig gehandelt hat, wäre dies eins von meinen Pferden und wäre so mit mir umgegangen, hät ich wh auch schnell mal mir den Respekt von dem Pferd geholt. Ich finde es so wichtig (was bei vielen leider verloren gegangen ist) das man bedenkt, dass das Pferd ein Tier ist und respektvoll Grenzen einzuhalten hat und allein die Tatsache, dass das Pferd hunderte Kilos hat und wir Menschlein unter 100 Kilo zumeist auf die Waage bringen, sind klare Grenzen mit dem richtigen Maß an Respekt und Vertrauen wichtig. Nur Vertrauen allein? Nein das wäre mir zu wenig, denn sollte das Pferd unerwünschtes machen, will ich das ich es auch dann kontrollieren kann und dazu brauch ich wieder Grenzen sowie auch gesunden Respekt dem Pferd mir gegenüber. Somit ist die richtige Kombination von Durchsetzungsfähigkeit, Respekt, Grenzen ziehen, Vertrauen und allem was dazu gehört mit dem Umgang von Tieren immer wichtig und sollte jedem Bewusst sein.

    Zu dem Allgemeinen von der Idee zur Next Generation ist nichts mehr von mir hinzuzufügen, da das viele andere viel besser beschrieben haben. Ich wünsche mir für die Zukunft einfach noch viel mehr solcher Pferdemenschen die so eine tolle Einstellung haben, aber das Rad dreht sich und es werden langsam (so kommt es mir vor) immer mehr. 🙂
    Und falls noch jemand Lust hat weiterzulesen, hier mein Beitrag den ich auch auf Facebook veröffentlicht habe, ich denke hier bekommen einige auch noch einen guten Einblick wie man sich als Teilnehmerin fühlt 🙂

    Immer diese Anfänge und noch dazu bin ich kein großer Schreiber 🙂
    Was soll ich sagen, ich bin noch immer sowas von begeistert und ich könnt ausnahmsweise mal einen Roman schreiben, ich versuch mich dennoch kurz zu halten 😉
    Ich war mit meinem Pferd Teilnehmerin bei der Next Generation Tour. Aufregung pur! So nervös war ich schon lange nicht mehr. Unser Problem bestand darin, dass sich mein Pferd mit Vehemenz gegen den Reiter wehrt. Also hab ich mich beworben um dieses Problem Pferdemenschen mit Herz und Verstand zu zeigen, da diese uns am ehesten weiterhelfen können.
    Aber alles mal von Anfang an: Ich kam also gleich in der Früh als erste Teilnehmerin in die Halle, beim Reingehen dacht ich mir schon, dass das richtig interessant werden könnte, denn meine Puppe hatte beschlossen, dass es ein guter Tag ist und sie vorzeigebrav ruhig reingeht, sich nicht aufregt und alles umsetzt was man von ihr möchte. Dann hab ich uns beide kurz vorgestellt, derweil Arien ihr die Zuschauer und die Halle gezeigt hat. Super ruhig und konzentriert war sie. Ich sollte dann zeigen wo unser Problem ist und was ich mache, wenn sie sich aufregt und nicht mehr so leicht händelbar wird. Tjaaaa…. Fehlanzeige, denn sie beschloss das bravste Pferd zu sein, auf alles zu reagieren und vorbildhaft zu wirken… Wirklich toll… wie bekomm ich sie jetzt dazu, dass sie unerwünschtes zeigt? Ich wusste, wenn sie nicht will dann trübt sie kein Wässerchen! Nach missglückten Versuchen sie in dieses Verhalten zu bringen, hat Arien sie wieder übernommen. Arien bat Viktoria um direkte Hilfe beim Pferd, da sie das von mir geschilderte Problem mit dem Reiter direkt angehen wollen. Also aufgehts 🙂 voller Zuversicht versuchte Arien mit Gefühl, Verstand und Herz auf das Pferd raufzukommen. Aber siehe da, das war ihr dann doch nicht recht und sie zeigte endlich was sie davon hält, wenn sie etwas nicht will. Arien und Viktoria gaben nicht auf und immer wieder Schritt für Schritt ein Stückchen weiter oder mal auch ein bisschen zurück. Am Ende saß Arien auf ihr, ohne dass sie versuchte ihn auf der Stelle loszuwerden.
    Ich muss sagen ich hab gezittert wie Espenlaub, meine Nerven waren zwischenzeitlich zum Zerreißen gespannt! Aber die Arbeitsweise der Drei und das Miteinander unter „Pferdemenschen“ das ist das was die Pferdewelt braucht. Mit solcher Ruhe und Konzentration, das Pferd im Mittelpunkt und das Zusammenarbeiten mit anderen, mit guter Laune vorangehen, das ist für mich das perfekte Arbeiten mit dem Pferd.
    Zur Grundidee von Next Generation ist meinerseits nichts hinzuzufügen, da andere das einfach VIEL besser beschrieben haben. Auf jeden Fall macht weiter so Next Generation Team. Das ist das was die Pferdewelt braucht, der Zusammenhalt, das Respektieren des Anderen, der Austausch untereinander.
    Ich bedanke mich noch mal bei allen das ich teilnehmen dürfte, danke besonders an Arien und Viktoria die direkt mit meinem Pferd gearbeitet haben. Auch ein großes Dankeschön an Miron, der von außen so viel gesehen hat und mir super Tipps mit auf den Weg gegeben hat. Natürlich auch dem ganzen restlichen Team von Next Generation, die das alles mit auf die Beine gestellt haben und auch an El Rocio für die tolle Unterbringung meines Pferdes. Ein großer Dank auch an meine Freunde und Familie, die uns immerzu unterstützen 🙂 Ich könnt noch ewig weitermachen, so viel positives macht einfach super glücklich 🙂
    Ich habe so viel gesehen und gelernt, so viel Input bekommen. Wir haben noch einen langen Weg vor uns, aber mit Unterstützung wird es uns gelingen, denn so positiv gestimmt war ich lange nicht mehr und das hab ich dem Next Generation Team zu verdanken!

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