Artikel aktualisiert am 20.02.2017

Was man so alles lernt, wenn man sich mit jungen Pferden beschäftigt. Plötzlich tauchen da Wörter wie Bodenarbeit, Freiheitsdressur und Round Pen in deinem Wortschatz auf, als ob sie das normalste der Welt wären. Das Round Pen wird vor allem im Horsemanship genutzt. Du solltest wissen, dass es viel Druck in sich hat. Wenn du also in einem Roundpen arbeitest, muss du stark auf deine Energie achten. Warum das Roundpen so ein Stressfaktor ist?Das Round Pen ist rund – das sagt schon der Name. Es hat also keine Ecken, in die dein Pferd sich verkriechen kann. Damit hat es aus Sicht deines Pferdes auch keine Auswege. Es ist in aller Regel begrenzt auf eine Größe, die es Mensch und Pferd erlauben, gemeinsam zu trainieren. Ja! Das macht es dir als Mensch leichter, dem Pferd zu kommunzieren, was du willst. Es macht es deinem Pferd aber sehr sehr schwer “Nein” zu sagen, wenn es etwas nicht versteht, nicht kann oder noch nicht will. Das Round Pen verleiht dir Macht! Punkt. Und daran gibt es nichts zu rütteln. Diese Macht solltest du nicht missbrauchen.

Das solltest du immer im Hinterkopf haben beim Training. Ein Round Pen in sich trägt Druck. Weil das Pferd keine Ecken hat, weil es keine Wahl hat und weil du immer am längeren Hebel sitzt – durch die runde Form. Kurz: Das Pferd kann dir und deiner Energie nicht entkommen. Aber gerade im Horsemanship wird es gerne in den Bodenarbeit genutzt. Du musst nur sachte und sanft sein in deiner Kommunikation.

Gerade im Horsemanship wird viel mit Druck und Pausen gearbeitet. Das nennt sich negative Verstärkung. Du wirst schnell Erfolge erzielen. Pferde die klare Regeln brauchen, um sich wohlzufühlen, werden damit in aller Regel besser können. Allerdings birgt es auch die Gefahr, dass dein Pferd lernt, dass es keine Chancen hat gegen dich. Das kann in der erlernten Hilflosigkeit münden. Wenn du also nach Horsemanship arbeitest, musst du dir immer überlegen, wie viel du dich am Ende durchsetzen willst und wann du auch mal nachgibts. Fairness sollte immer das höchste Gebot sein, nicht, dass du deinen Willen immer durchsetzen kannst.

Deswegen betrachte ich das Horsemanship durchaus kritisch. Nutze aber einzelne Elemente daraus für mein Training.

Stichwort – Bodenarbeit

Egal mit wem ich mich unterhalte. Kenzie Dysli*, Bernd Hackl* alle sind sich einig, dass Bodenarbeit ein wichtiger Bestandteil der Pferdearbeit ist. Da lässt sich alles trainieren, das man später beim Reiten braucht.

  • Biegungen
  • Seitengänge
  • Stopp und Rückwärts
  • Vorwärts
  • Kommunikation und Verständnis

Das gilt für beide Seiten. Die ersten Stunden Bodenarbeit, die ich mit einem erfahrenen Pferd hatte, unter anderem bei Kenzie Dysli* auf der Hacienda, fand ich unglaublich spannend. Die Tatsache, dass so ein Pferd auf meinen Hinweis rückwärts läuft oder seitwärts, irgendwann sogar ohne Seil und Halfter, dass es mit mir spielt und tanzt ist traumhaft.

Ein Beispiel – Mein erstes Mal mit dem Jungpferd – Bodenarbeit

Jetzt durfte ich mit meinem Jungpferd ins Round Pen. Für Carey war es ihre zweite Runde Bodenarbeit. Für uns beide war es das erste Mal, das wir zusammen arbeiten durften. Das war mir wichtig vor dem Kauf, denn ich wollte wissen, ob wir uns auch dann verstehen, wenn wir zusammen arbeiten müssen. Auch wenn man von einer Round-Pen-Runde natürlich nicht auf den gemeinsamen Reitumgang schließen kann.

Erster Schritt: Führtraining und Rückwärts weichen

  • Erst einmal musste sie neben mir laufen
  • dann sollte sie stehen bleiben und ein oder zwei Schritte rückwärts gehen, sobald ich stehen blieb, mich umdrehe und auf sie einen kleinen Schritt zugehe

Das klappte beim ersten Mal ganz gut, beim zweiten Mal, wollte sie zuerst nicht stoppen, weshalb ich sie dann mit ein bisschen Energie und einem Schritt in ihre Richtung rückwärts treiben musste.

Beim dritten Mal war ich zu aktiv, weshalb das arme Pferd sich (zu Recht) kurz erschreckte. Von außen sah das vermutlich lustig aus, aber mein Pferd zu erschrecken war ja nun nicht das erklärte Ziel. Also war der Lerneffekt wieder: In der Ruhe liegt die Kraft.

Immer ganz klare Signale geben. Die aber bitte ruhig und gelassen! Damit das Pferd erkennt, was es machen soll, aber gleichzeitig merkt, dass man verantwortungsvoll und gerecht mit ihm umgeht. Das fördert das Vertrauen.

Gerade junge Pferde reagieren oft sehr sensibel und diese Feinheit willst du dir ja durch zu laute Töne nicht gleich zerstören. Also immer an deiner Energie arbeiten.

Nächster Schritt: Hinterhand weichen

  • Stell dich rechts neben dein Pferd
  • Lege die rechte Hand leicht ans Knotenhalfter
  • Nimm den Kopf zart in die Biegung (also zu dir hin)
  • Dann mit der linken Hand leicht zwischen Pferdepopo und Pferdebauch tippen und sobald das Pferd nur einen Schritt mit der Hinterhand weicht, aufhören und ganz ausführlich loben.
Manchmal reicht ein klitzekleiner Schritt in die richtige Richtung. Sofort den Druck nachlassen, loben und so weitermachen, als ob es das Natürlichste der Welt wäre. Da ist Pferdisch fast so wie Menschensprache: Loben kommt immer gut!

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6 Kommentare zu “Jungpferdetraining: Horsemanship-Bodenarbeit mit dem Jungpferd

  1. Judith sagt:

    Welch schöner Artikel! Bodenarbeit ist so toll und hilfreich für die Kommunikation von Mensch und Pferd. Dabei kann der Mensch wirklich viel vom und für das Pferd lernen und andersrum auch ein bisschen ;)
    Ich bin überzeugt ihr beide werdet ein Dream Team!!! Weiter so!! :***

    • Petra sagt:

      Ich bin ein Riesenfan der Bodenarbeit und noch auf der Suche nach einem Lehrer oder einer Lehrerin im Karlsruher Raum, der / die Bodenarbeit mit Ruhe, Geduld und Pferdeverständnis unterrichtet :-) Ich glaube, dass es total wichtig ist, sich erstmal zu verstehen, bevor man sich dann auf den Rücken schwingt. Danke für Deine lieben Worte, sie beruhigen mein unsicheres Gemüt, ob das arme Pferd bei mir einigermaßen gut aufgehoben seind wird ;-)

  2. Véro sagt:

    Das "arme" Pferd wird ein wunderbares Leben bei Dir haben – nicht alle frisch gebackenen Pferdebesitzer machen sich so viele Gedanken und stellen das pferdegerechte Verhalten dermassen in den Mittelpunkt!
    Vermutlich hat sich die kleine intelligente Schönheit die neue Besitzerin aktiv aus der Herde der Ranchbesucher herausgesucht …. ;-)
    Ich kann mich Judith nur anschliessen: wenn Du auf diesem Weg weitermachst, wirst Du mit und von der Stute lernen und ein gutes Team bilden!
    LG Véro
    (Es macht richtig Laune Deine Artikel zu lesen; Danke!)

  3. Petra sagt:

    Hach Véro, das ist so nett von Dir!! Ich habe mich sehr über den Kommentar gefreut. Tom sagt auch schon immer zu mir, dass das Pferd es vermutlich so gechillt bei mir haben wird, weil ich ständig darüber nachdenke wie ich es ihr so pferdefreundlich wie möglich machen kann ;-) Die Kleine hat sich wahrscheinlich die rausgesucht, bei der sie vor lauter Vorsicht am faulsten sein darf ;-) Ich bin schon sehr gespannt, wie das wird. Und danke für Dein liebes Kompliment – es macht auch richtig Laune so wunderbare Kommentare zu bekommen!! Liebe Grüße, Petra

    • Petra sagt:

      Seminare bei Heinz Welz besuchen. Es gibt sie an verschiedenen Orten in Deutschland und sie sind soooo wunderbar pferdegerecht!

    • Petra sagt:

      Ich habe schon zwei seiner Bücher auf dem Schreibtisch und finde auch, dass er sehr interessant schreibt. Ich wollte ihn sogar schon interviewen, aber damals hatte er keine Zeit. Vielleicht sollte ich nochmal einen Anlauf wagen :-) Danke für den Tipp!

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