Artikel aktualisiert am 27.02.2017

Tash und Laotse

Ein Gastbeitrag von “TASH HORSE EXPERIENCE

Das gesamte Werk von Laotse beruht auf Achtsamkeit, auf dem Weg der Selbstlosigkeit, fernab von Gier und Etikette. Deswegen ist es so schön aufs Pferd zu übertragen. Die Schriften laden uns ein, weiter zu denken, etwaige „Regeln“ im Umgang mit Pferden hinter uns zu lassen, auf unser Herz zu hören und zu tun, was für unseren Vierbeiner gut ist. Dazu dürfen wir uns selbst und unsere Interessen hinten an stellen und gelangen gerade dadurch an unser Ziel.

Wahre Worte sind nicht schön, schöne Worte sind nicht wahr

Wir leben in einer Zeit, in der wir Wert darauf legen, anderen zu gefallen. Das bringt mit sich, zu vermeiden, etwas zu sagen, das unseren Mitmenschen missfällt. Oder auch: Wir akzeptieren Dinge, um nicht aufzufallen. Laotses Worte aber lassen mich weiter denken.

Tash Horseexperience

Man muss nicht jedem gefallen, man darf sich für Recht und Richtigkeit einsetzen und sehrwohl aussprechen, was richtig ist. Das führt uns zum Pferd.

Ein Pferd anzulügen hat keinen Sinn. Bin ich traurig, kann ich lächeln, so viel ich will, mein Pferd weiß, dass ich traurig bin. Ehrlichkeit also ist im Umgang mit dem Pferd wichtig, widersprüchliche Personen werden nicht ernst genommen. Der Aufbau eines Vertrauensverhältnisses somit unmöglich. Seid ehrlich, seid, wie ihr seid.

Tüchtigkeit überredet nicht, Überredung ist nicht tüchtig

Man kann auf viele Wege ans Ziel gelangen. Hat man aber vorher einen guten Plan, kann dem Pferd damit ganz genau erklären, was man von ihm erwartet, ist man tüchtig und hat seine Sache gut gemacht. Hat man aber nur das Endbild der Ausbildungsetappe im Auge, wird man irgendwie meist auch ans Ziel gelangen. Das ist mit Hürden, vielen Fragezeichen über dem Pferd und bestimmt auch Frustration verbunden. Deswegen: Seid tüchtig, macht euch einen Plan, gebt dem Pferd viele Chancen „Ja“ zu sagen und freut euch gemeinsam über kleine Erfolge. Der Schüler kann immer nur so gut sein, wie sein Lehrer das Lehren beherrscht.

Der Weise ist nicht gelehrt, der Gelehrte ist nicht weise

Das beziehe ich auf „Lebenserfahrung“. Man kann noch so viele Bücher lesen und theoretisches Wissen anhäufen, wird man trotzdem im Umgang mit Pferden flexibel sein müssen und sich individuell auf verschiedene Situationen einstellen müssen. Nach dem Motto „Reiten lernst du nur durch reiten“. Viel wissen bedeutet nicht, erfahren zu sein. Ich selbst lese viel, merke aber immer wieder, dass das allein nicht ausreicht.

Vieles muss man versuchen, oft muss man sich auf sein Herz und sein Gefühl verlassen, damit man ans Ziel kommt. Also: Haltet nicht alles, was ihr hört und lest für das einzig Richtige und Wahre, versucht selbst raus zu finden, was eure Wahrheit ist.

Der Berufene häuft keinen Besitz auf

Was ist wichtig im Zusammensein mit dem Pferd? Das Pferd und sein Wohlbefinden selbst, oder das hübsche rosa Halfter, mit dem man es zur Schau stellt. Der Kern der Sache ist, es ist egal, ob ihr viel Zubehör besitzt, ob ihr selbst hübsch angezogen seid. Wichtig ist nur, wie sich euer Pferd fühlt, wie ihr euch fühlt. Wahres Glück kann man nicht kaufen, man kann es nur erfahren. Also: Freut euch aufs Pferd, nicht auf die schöne neue Schabracke!

Je mehr er anderen gibt, desto mehr hat er

Ich habe einen Reichtum, den ich in Geld nicht aufwiegen kann. Denn: Ich stelle immer in den Vordergrund, was für mein Pferd wichtig und gut ist. So ist es mir zB. unwichtig, ob mein Pferd diverse zirzensische Lektionen aus dem „FF“ beherrscht*

Wichtig statt dessen ist es, dass sich mein Pferd auf unsere gemeinsame Zeit freut und sich wohlfühlt. Daran arbeiten, was dem Pferd gut tut, nicht daran, was uns am besten gefällt. Zurück bekommt man ein zufriedenes Tier, das Spaß an der Arbeit hat und lernt, seinen Körper gesundheitsfördernd einzusetzen.

Tash Horseexperience

Das wiederum bringt uns die Freude, dass es im Körper und im Geist gesund ist und wir eine lange gemeinsame Zeit genießen können. Fazit: Richtet euer Training an Gesunderhaltung und Geistesförderung aus, nicht an Maßstäben, die andere für euch setzen.

Des Himmels Sinn ist fördern, ohne zu schaden. Des Berufenen Sinn ist wirken, ohne zu streiten.

Damit sind wir auch schon fast am Ende der Besprechung. Überlegt immer genau, was ihr wie und wann erreichen wollt, gebt dem Pferd und euch Zeit, freut euch an kleinen Erfolgen und bleibt immer fair. Ein Gertenhieb, ein scharfes Wort zur falschen Zeit, kann die Arbeit von Wochen zu Nichte machen. Zorn und falscher Ehrgeiz hat im Umgang mit Pferden nichts zu suchen. Konzentriert euch, seid bei der Sache, erlaubt Fehler.

Tash Horseexperience

Fördern, ohne zu schaden – Wirken, ohne zu streiten.

Für mich ist es wichtig, die Zeit mit meinem Pferd auch tatsächlich als gemeinsame Zeit wahrzunehmen. Jede Minute ist einzigartig und kommt für uns Beide nicht wieder zurück.

Tash und Laotse

Text: Tanja Pöschl von Tash Horse Experience
Fotos: Ulli Bruckmüller Fotografie

 

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Wer ist der Zitategeber – Laotse

Laotse hat nicht direkt mit Pferden zu tun, kann aber in der Gesamtheit seiner „Lehren“ sehr gut auf das Zusammensein mit dem Pferd übertragen werden. Um Laotse selbst ranken sich viele Mythen und Sagen.

So lebte er vermutlich Ende des 7. Jahrhunderts vor Christi in der Chinesischen Provinz Honan. Dort war er am kaiserlichen Hof als Archivar tätig. Als dort die Zustände sich so ins Negative veränderten, dass eine Wiederherstellung der Ordnung als unmöglich schien, soll Laotse weg gegangen sein. Wohin weiß man nicht.

An der Grenze zu Han Gu soll er auf Bitten eines Grenzbeamten den heute bekannten Tao Te King, bestehend aus mehr als 5000 chinesischen Schriftzeichen geschrieben und diesem übergeben haben. Auch das aber ist nicht belegbar, wie schon erwähnt, ist Laotse umgeben von Mythen, was ihn wiederum wohl interessant gestaltet. Man weiß nicht, wohin es ihn Schluss endlich verschlagen hat.

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5 Kommentare zu “Laotse: Wahre Worte sind nicht schön, schöne Worte sind nicht wahr

  1. alter mann sagt:

    Die Übersetzung des Buches, auf welches hier Bezug genommen wird, ist leider nicht besonders gelungen. Ein Beispiel:
    "Die Worte haben einen Ahn.
    Die Taten haben einen Herrn.
    Weil man die nicht versteht,
    versteht man mich nicht."
    Näher am "Original":
    "Worte haben Vorväter, Taten haben Urheber. Doch nur, weil sie kein Verständnis haben, darum werde ich nicht verstanden."

    • Tanja sagt:

      Lieber "alter Mann", ich bin kein Experte, was die Bewertung von Übersetzungen des Urwerks Laotses angeht. Ich besitze drei Varianten von Darstellungen. Aus diesen geht wohl hervor, dass die Auslegungen weit auseinander gehen, nicht jedoch würde ich diese als richtiger oder falscher bewerten wollen. Danke jedenfalls für deinen Hinweis :)

      Auf Pferde bezogen, gefällt mir diese Darstellung einfach wirklich gut, weil ich es für mich umleiten und frei, wie dargestellt, interpretieren kann.

      Ich würde mich aber sehr freuen, wenn du mir die Buchvariante, die du hier darstellst, zukommen lassen könntest. Dann werde ich diese als Vergleich und Mehrwert gerne noch lesen!

      Gerne auch per E-Mail :)

      Allerliebste Grüße, Tanja

  2. alter mann sagt:

    Hallo, mein Beispiel war aus keinem Buch, sondern von der folgenden Webseite http://www.tao-te-king.org

    Leider ist ist die Übersetzung noch in Arbeit und nicht abgeschlossen, aber das Beispiel wird dort hervorragend aus dem originalem Wortlaut analysiert:

    [Meine] Worte haben [entsprechende] (Vor-)_Väter {= Regeln, Prinzipien},
    [meine] Taten {Werke} haben Täter {= Meister, Schulen}.
    Denn nur aus Un/verständnis, da/rum werde ich nicht verstanden.

    Und wer diese Bedeutung, aus dem genannten Buch in diesem Artikel, herauslesen kann, hat meine tiefste Bewunderung. Es ist ja schon nicht ganz leicht aus der Fassung die ich geschrieben hatte zu verstehen. ;-)

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