Artikel aktualisiert am 17.02.2017

Würdest du den Pferden gerne in ihre Köpfe schauen. Wie denken Pferde? Was fühlen Pferde? Wie kommunizieren Pferde und welche Bedürfnisse haben sie? Was halten sie von dir und mir? Ich habe eine Pferdeexpertin danach gefragt, die weiß wie Pferde ticken.

Pferdeblick unsicher

Konstanze Krüger forscht in Nürtingen zu den Pferden und ist Deutschlands erste und einzige Professorin für Pferdehaltung. Seit Jahren widmet sie sich der Intelligenz und dem Verhalten der Tiere.

  • Sie hat unter anderem jahrelang Wildpferdeherden erforscht,
  • Sie hat nachgewiesen, dass Pferde voneinander abschauen und besser lernen, wenn erfahrene Artgenossen aus der eigenen Herde etwas vormachen.

Dinge, die die Forschung vorher abgestritten hatte. Sie versucht den Pferden in die Köpfe zu schauen und herauszufinden, wie sie denken, fühlen und warum sie sich so verhalten, wie sie sich verhalten.

Der einfachste Weg zum Pferd

Wusstest du zum Beispiel, dass es der einfachste Weg zu deinem Pferd ist, den Herdenchef zu beeindrucken? Wenn der Chef dir folgt, dann wird auch die restliche Herde mit dir gehen. Warum?

Das verrät Konstanze Krüger unter anderem im Interview. Infos zu wissenschaftlichen Sensationen und komplett neuen Erkenntnissen zu Intelligenz und Herzensbindung der Pferde.

Momentan forscht sie an einer neuen Studie zur Intelligenz der Pferde. Ist dDein Pferd auch eine Intelligenzbestie? Macht es schlaue und verrückte Dinge?

INFO: Dann melde dich bei Konstanze Krüger. Sie sucht für ihre neueste Studie interessante Geschichten über die Pferde.

Interview mit Deutschlands einziger Professorin für Pferdehaltung Konstanze Krüger:

Konstanze KrügerPferdeflüsterei: Sie haben die Pferde in vielen Studien erforscht, wollen ihnen in die Köpfe schauen. 2013 haben Sie eine neue Studie gestartet – worum geht es da?

Konstanze Krüger: Interessanterweise werden Pferde in der Forschung als dumm erachtet. Das hat geschichtlichen Hintergrund. Die Suppe hat uns clever Hans eingebrockt. Das war ein Pferd um die Jahrhundertwende, etwa 1907. Von dem dachte man, er könne rechnen. Er hat die unglaublichsten Rechenaufgaben gelöst, wie zum Beispiel: zähle die Leute mit Hut in der Menge oder rechne den Kalender aus oder sonst was.

Bis dann hinterher der Assistent darauf kam, dass er nicht rechnen konnte, sondern nur die Mimik und Gestik seines Besitzers gedeutet hat. Insofern auch ein Punkt dazu, wie fein und intelligent die Tiere sind. Das war aber damals für die Erforschung der Intelligenz das absolute Trauma. Und überhaupt für die Erforschung von kognitiven Fähigkeiten und dann ist es interessant, dass sich fast 100 Jahre niemand mehr an dieses Thema herangewagt hat und Pferde als dumm abgestempelt waren.

Interessanterweise gibt es gar nicht so viel Forschung zu Pferden. Ich versuche verschiedene Aspekte zu beleuchten. Und ein Aspekt ist, wie clever sind die Pferde in ihrem täglichen Umfeld. Was für Tricks und Kniffe lassen sie sich einfallen, um mit ihrer Box, ihrem Nachbarn oder ihrem Pferdebesitzer mit den verschiedensten Situationen klar zu kommen.

Pferdeflüsterei: Haben Sie schon erste Erkenntnisse gewonnen?

Konstanze Krüger: Grundsätzlich hatten wir erwartet einiges zu finden, weil wir alle Pferdemenschen sind und jeder Pferdebesitzer gerne über den neuesten Kniff seines Pferdes berichtet. Aber eben auch mit dem Hintergrund, dass es in der Wissenschaft nicht anerkannt war, so dass wir das bis ins Detail prüfen müssen, was uns berichtet wird.

Wir haben eine Homepage angelegt auf der wir Pferdebesitzer auffordern uns zu berichten, was ihre Pferde so können und da sind schon ganz witzige und interessante Ergebnisse reingekommen.

Pferdeflüsterei: Was wurde zum Beispiel schon berichtet?

Konstanze Krüger: So wie es aussieht sind viele Pferde Meister darin, Objekte zu öffnen, Türen zu öffnen, frei zu kommen – egal ob es Umzäunungen sind oder Boxen. Von einer Stute wurde uns berichtet, die dreht eine Futterkiste auf, eine Futtertonne. Dinge, von denen man eigentlich denkt, dass Pferde es nicht tun würden oder auch gar nicht können.

Das ist der eine Aspekt, der da hervorsticht, dass Pferde ein bisschen Ausbrecherkünstler sind und sich die Freiheit immer wieder erobern mit cleveren Tricks.

Petra von der Pferdeflüsterei: Und der andere Aspekt?

Konstanze Krüger: Auf der anderen Seite haben wir einen Fall, der uns sehr sehr erstaunt hat. Das ist ein Pferd das eine simple Form des Werkzeuggebrauchs gezeigt hat. Das Pferd benutzt einen Stock, um Futter unter der Futterkrippe herauszukratzen und interessanterweise hat auch das Maultier, das mit diesem Pferd im Stall steht das abgeschaut und macht das mittlerweile auch.

Das ist eine wissenschaftliche Sensation, weil man Werkzeuggebrauch nur Menschen und Primaten vorbehält in der Wissenschaft. Wir sind momentan noch sehr vorsichtig mit der Einordnung und hoffen, dass noch weitere ähnliche Schilderungen über diese Homepage reinkommen. Aber das Video an sich kann man sich anschauen auf der Homepage, es spricht Bände und ist wahnsinnig interessant.

PferdeblickPferdeflüsterei: Heißt aber eigentlich – Pferde können Problemlösungsprozesse entwickeln?

Konstanze Krüger: Ja, absolut!

Pferdeflüsterei: Das ist doch ein Zeichen von hoher Intelligenz, oder?

Konstanze Krüger: Es gibt natürlich auch einfache Möglichkeiten Probleme zu lösen. Die Frage ist, ob es einfache Konditionierungsprozesse sind, die dem zugrunde liegen. Das ein Pferd einfache Verbindungen zwischen “schmeckt gut” und “das mache ich jetzt” findet und wenn er einen sofortigen Nutzen von einer Handlung hat, sie dann entwickelt und wiederholt.

Das muss nicht unbedingt ein hochintelligenter Prozess sein. Aber diese Geschichte mit dem Werkzeuggebrauch, die legt schon nahe, dass dieses Pferd auf einem höheren kognitiven Level handelt, weil es die Zusammenhänge ja begreifen muss.

Pferdeflüsterei: Pferde sind so feine Tiere. Aber sie haben sich nicht nur mit der Kommunikation, sondern auch mit dem Sozialverhalten und der sozialen Intelligenz der Pferde beschäftigt. Haben Sie schon erste Ergebnisse, die zeigen, wie sozial die Pferde sind?

Konstanze Krüger: Jetzt haben sie natürlich meine zwei Hauptstichworte kombiniert. Mein Forschungsgebiet ist ja die soziale Intelligenz des Pferdes. Mir ist früh bewusst geworden, dass Pferde sehr sozial sind und im Bereich des sozialen Lebens unheimlich clever sind. Dass es für sie auch sehr wichtig ist, dass man das berücksichtigt.

Ich glaube in der Vergangenheit wurden besonders Hauspferde gerne als dumm gezüchtet dargestellt. Das habe ich witzigerweise früher auch vertreten können. Ich bin mittlerweile völlig davon abgekommen. Ich denke, dass das, was wir beim Hauspferd haben, eine andere Art von Intelligenz und Art der Anpassung an die Haltung durch den Menschen ist.

Ich glaube, man muss sich hüten, “dumm sein” mit “duldsam” zu verwechseln. Ich glaube, dass unsere Hauspferde in der Zucht über Jahrhunderte so selektiert worden sind, besonders kooperativ zu sein mit den Menschen, aber sie sind auch kooperativ mit anderen Pferden.

Pferdeflüsterei: Wie haben Sie das herausgefunden?

Konstanze Krüger: Ich bin die ganzen letzten Jahre in Europa Wildpferden hinterher und habe sie beobachtet. Wir haben auch mit Hauspferden gearbeitet im Vergleich. Was mir geglückt ist und da bin ich auch stolz darauf, ist herauszufinden, dass Pferde sozial lernen, das heisst von ihren Artgenossen lernen. Das war genauso wie die Innovativität, einer der Aspekte, der in der Wissenschaft abgestritten wurde, weil Experimente in der Vergangenheit fehlgeschlagen sind.

Wir haben jahrelang erforscht: Was ist für das Pferd in seinem Sozialleben eigentlich wirklich wichtig. Was dabei herauskam ist sehr interessant. Nämlich dass sie in der Hauptsache von ranghöheren und älteren Pferden lernen aus ihrem sozialen Umfeld. Also von solchen, die sie kennen.

Diejenigen, die sie nicht kennen, haben sie in den Versuchen ignoriert, das hat sie gar nicht interessiert. Genauso war es auch mit rangniederen Pferden. Die Versuchspferde haben das Verhalten von rangniederen Pferden nicht kopiert, also auch von jüngeren Pferden. Weil Rang und Alter in der Regel beim Pferd untereinander korrelieren. Die arbeiten sich im Laufe ihres Lebens und der Hierarchie dann hoch.

Pferdeflüsterei: Was kann ich daraus für meinen Umgang mit den Pferden im Alltag lernen?

Konstanze KrügerMich fragen dann immer die Leute, ja wie erlerne ich mir dann den Respekt dieser Pferdegruppe? Das Einfachste ist es mit dem ältesten und ranghöchsten Pferd der Gruppe zu arbeiten und sich dann den Respekt aufzubauen.

Die anderen stehen da, schauen zu und beobachten ganz genau, was da passiert zwischen dem Mensch und dem Chef der Gruppe. Hat man dann Erfolg, ist es so, dass man häufig mit den Jüngeren dann überhaupt keine Probleme mehr im Umgang hat. Hat man keinen Erfolg, ist der Umkehrschluss auch, dass man es dann mit den anderen umso schwerer hat.

Pferdeflüsterei: Wie lange geht die Studie noch?

Konstanze Krüger: Ja, die wird noch die nächsten Jahre laufen. Wir haben das im Frühjahr 2013 angefangen, als studentische Projektarbeit. Das soll jetzt noch einige Jahre laufen, um genügend Input zu bekommen, so dass wir davon wegkommen, dass es alles Einzelfallbeschreibungen sind. Wir haben jetzt 22 Fälle, die uns berichtet wurden.

Weiter geht es hier mit TEIL 2 des Interviews zu Pferdeintellizgenz, Körpersprache und idealer Pferd-Mensch-Kommunikation

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4 Kommentare zu “Sind Pferde intelligent? Neue Erkenntnisse im Interview

  1. Petra sagt:

    Hallo Petra, leider kann man die Beträge aufgrund der grauen Schrift auf grauem Fell so gut wie nicht lesen …daher meine Anregung Hintergrund und Schrfitfarbe besser anzupassen . Schade!
    Gruss, Petra

    • Tom sagt:

      Hi Petra,
      Tom hier, der "Technik-Beauftragte" ;-)
      Vielen Dank für Deinen Hinweis … kann es sein, dass Du das Problem auf einem Handy hast? Eigentlich ist der Text nämlich auf weiß und gut lesbar … nur "dahinter" liegt das Fell. Was Du das siehst, ist also ein Fehler der Seite, den ich natürlich korrigieren möchte.
      Eine andere Leserin hat das auch schonmal berichtet … sie hatte ein HTC One X. Worauf schaust Du denn bitte die Seite an?

      Solltest Du das Problem auch auf einem Handy haben, hab’ ich vielleicht schon ne Idee, was ich machen kann… .

      Vielen Dank für Deine Hilfe,
      Tom

  2. Miriam sagt:

    Liebe Petra,

    der Artikel ist zwar schon älter, aber irgendwie hab ich ihn jetzt erst entdeckt. Das Ganze ist total spannend. Mit solchen Themen kann ich mich stundenlang beschäftigen ;).
    Bei uns in der Mini-Herde kann ich auch sehr gut beobachten wie Pferde voneinander lernen. Das schöne ist, dass unsere Herde ein Familienverband ist und hier alt und jung zusammen leben. Die Mütter und teilweise ihre Töchter und es ist so schön zu beobachten wie das diesjährige Fohlen vom Rest der Herde lernt.
    Einmal lernt es durch Ansagen der anderen Herdenmitglieder. So wollte sie ihrer freche kleine Nase anfangs immer wieder an den Zaun halten, aber jedes Mal, wenn sie es versucht hat, kam eine ältere Stute angeschossen und hat sie weggetrieben. Mittlerweile weiß sie kleine Maus, dass sie nicht an den Zaun gehen soll und hält schön Abstand.
    Aber es wird auch durch Zuschauen und Nachmachen gelernt. So hat sie z.B. beobachtet welche Pflanzen auf der Weide von den Großen gefressen werden und welche nicht. Aber auch Unsinn hat sie sich abgeschaut. Ein beliebtes Spiel der Minis ist, wenn man die Wassertonnen füllt den Schlauch rauszuziehen, während ich zum Wasserhahn gehe. Sie machen es nie, wenn ich oder jemand anderes dabei stehen, aber regelmäßig, wenn sie alleine sind. Allerdings auch immer nur dann, wenn Wasser läuft. Ist das Wasser aus, ist der Schlauch völlig uninteressant. Mittlerweile macht auch die Kleinste dieses Spiel aber mit den selben Regeln wie die anderen.
    Liebe Grüße
    Miriam

    • Petra sagt:

      Liebe Miriam, das war eines der ersten Interviews, die ich gemacht hatte – ich fand die Informationen der Pferdeprofessorin auch hochspannend. Deine kleine Miniherde ist die perfekte Bestätigung dessen, was die Pferdeforscherin über Wildpferdeherden erzählt hat. Das beobachten und lernen ist so eine effektive Methode unter Pferden, dass die Professorin es auch zum Teil nutzt um Pferden etwas neues beizubringen. Ein interessanter Ansatz, finde ich. Ganz liebe Grüße, Petra P.S.: Ich kann mir richtig vorstellen, wie die Minis euch foppen – so süß!

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