Artikel aktualisiert am 06.01.2019

Nachdem Herr Freyr meine Hilfen gelernt hat, ziehe ich ihm ein Caveson an. So habe ich noch feineren Einfluss auf seine Gymnastizierung. Der Kappzaum beziehungsweise das Caveson hilft mir präzise auf seinen Kopf Einfluss zu nehmen.

Pferde verwerfen sich gerne im normalen Halfter oder der Trense. Wenn ich mit dem Halfter arbeite, achte ich deshalb darauf, dass das Seil möglichst immer locker ist. So kann das Pferd seinen Kopf in einer natürlichen Position tragen.

Easy! …sonst ist alles futsch

Mit dem Kappzaum kann ich Herrn Freyr leicht nach innen stellen und die gleichen Übungenwie bei der „normalen Bodenarbeit“ wiederholen. Ich lasse Herrn Freyr immer wieder Richtung vorwärts-abwärts dehnen und mache viele Pausen. Freyr soll sich im Kappzaum wohlfühlen und keineswegs eingezwängt.

Biegung und Stellung haben nur dann einen positiven Effekt, wenn die Longe am Kappzaum locker ist. Sonst gibt der Druck einen Gegendruck, der Zug einen Gegenzug und unsere ganzen Bemühungen zur Ausbildung sind futsch. Bei mir hängt der Kappzaum relativ locker und tief. So verschnalle ich ihn. Ich weiß, dass unterschiedliche Trainer das unterschiedlich handhaben.

ACHTUNG: Deshalb arbeite ich nicht mit Hilfszügeln und Ausbindern. Niemals!

Warum man auch zu viel Zirkeln kann

Ich arbeite übrigens immer nur relativ kurz an den Zirkeln. Es ist für das Pferd anstrengend und wenig natürlich dauerhaft im Kreisbogen zu laufen. Ich achte lieber darauf, dass der Zirkel schön und ausbalanciert ist und nicht ob es viele Runden geworden sind.

Auch das vorwärts-abwärts-dehnen sollte immer zum jeweiligen Pferd passen. Damit will ich sagen: Läuft ein Pferd von Haus aus am liebsten mit der Nase Richtung Boden, muss ich vielleicht eher an der Aufrichtung und der Versammlung arbeiten, um es in Balance bringen zu können. Dagegen sollte ein von Natur aus stark aufgerichtetes Pferd lernen, sich auch an der Menschenhand vorwärts-abwärts dehnen zu lassen.

Feine Pferde haben feine Menschen

Wir streben Feinheit, Lockerheit und Leichtigkeit bei unseren Pferden an. Wenn aber der Ausbilder keine Leichtigkeit vermittelt, sondern eher verkrampft oder verbissen ist, dann wird auch das Pferd nicht locker lassen. Nur wenn der Mensch das Pferd am Kappzaum locker und fein führen und auch immer wieder nachgeben kann, kann auch das Pferd locker und fein werden. Für den Anfang starte ich diese Übungen in der Position vor dem Pferd. So laufe ich rückwärts und kann Herrn Freyr wunderbar vor mir beobachten:

Tempo? Stellung? Biegung?

  1. Was machen die Vorderbeine?
  2. Was machen die Hinterbeine – wo bedarf es einer kleinen Korrektur?
  3. Was fühle ich in der Hand? Dabei hilft mir mein Stöckchen an der Innenseite, meinen Schenkel darzustellen, damit Herr Freyr nicht nach innen fällt. Später kann ich selber neben ihm laufen. Dann bin ich der innere Schenkel.

Dann mache ich die gleichen Übungen von der Seite aus und nähere mich langsam der Position an, die der Reiterschenkel später haben wird.

Es ist immer wieder spannend, wie sich durch die Stellung vorne das ganze Pferd in der Haltung verändert. Welchen Einfluss wir also auch auf die Hinterhand (besser gesagt die Hüfte) haben, nur durch die Stellung des Kopfes. Vorausgesetzt, das Pferd hat keine Blockaden und ist wirklich locker. Das sind keine wahnsinnig großen Bewegungen. Aber sie sind da.

TIPP: Schon bei dieser Übung bei einem stehenden Pferd wird sofort klar, welche Seite die gute und welche Seite die weniger gute ist.

Dann kann ich überlegen, ob dieser Einfluss auch anders herum funktioniert. Kann ich also, bei optimaler aktiver Hinterhand und Position der Pferde-Hüfte, über einen schwingenden durchlässigen Rücken Einfluss auf die Stellung vorne am Kopf des Pferdes nehmen…?

Herr Freyr ganz nah

Nur ein Traum?

Ist es der große Traum das Pferd nur über die Hüfte reiten zu können? Oder einfach nur ein traumhaftes Ziel der Reitkunst? Damit sind wir nämlich schon beim nächsten Thema, dem unabhängigen Sitz. Ist er nun hochkompliziert oder ganz einfach? Ich würde sagen: Beides!

Das nächste Mal? Beschäftigen wir uns mit dem Sitz und ich werde euch zeigen, was man mit dem Sitz so anstellen kann, bzw. wie wichtig es hier ist (völlig unabhängig vom Pferd) einen ausbalancierten, lockeren eigenen Körper zu haben, mit dem ich verschiedenen „Spannungen“ aufbauen und auch wieder weglassen kann.

Die Hausaufgaben? Herr Freyr und ich werden wieder viel im Wald unterwegs sein. Dort kann ich an geeigneten Stellen immer wieder Übungen einbauen. Zum Beispiel an einer Wegkreuzung korrekt gebogen in einer halben Volte abbiegen, um dann wieder gechillt geradeaus zu wandern. Klar – ich reite auch immer mal ein kleines Stückchen :-)

P.S.: Für alle Video-Fans: Hier ist Herr Freyr im Kappzaum und meine Dreh-Spezialistin hat keine Mühe gescheut – um uns auch von oben zu filmen!

Making of

Viel Spaß dabei! Von oben betrachtet kann man sehr gut sehen, auf welcher Seite Freyr sich richtig gut schon zu einer „Banane“ biegen kann:

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11 Kommentare zu “Kappzaum und Caveson: Wie viel “Banane” steckt in deinem Pferd?

  1. Elke Dietz sagt:

    Hallo,
    leider ist auf allen Fotos der Kappzaum nicht richtig angelegt/verschnallt. Das ist gerade bei einem Artikel, der lehrreich sein sollte, der falsche Ansatzpunkt. Bei Pferdebesitzern, die noch nicht so viel oder gar keine Ahnung mit der Kappzaumarbeit haben, könnte so ein falscher Eindruck entstehen. Mit diesem viel zu locker verschnallten Kappzaum ist ein feines Einwirken überhaupt gar nicht möglich!
    Gruß Elke Dietz

  2. Sabine sagt:

    Liebe Elke,
    ja, früher habe ich den Kappzaum auch höher und enger verschnallt, Im Nachhinein muß ich aber sagen, das meine Pferde die Kappzaumarbeit nie richtig mochten. Mittlerweile weiß ich auch, wieso. Seit ich nun den Kappzaum so verschnalle, wie Grossmeister Bent Branderup das empfiehlt, haben meine Pferde sehr davon provitiert. Auf dem Video ist der Kappzaum genauso locker verschnallt wie auf den Bildern. Ich finde, Freyr geht sehr fein darauf ein und macht toll mit. Den Backenriemen habe ich absichtlich weit nach unten geschoben, da ich das Gefühl hatte, das er Freyr weiter oben stört. Und ich möchte ja, das er sich darin wohlfühlt.
    Auch würde ich spontan behaupten, das gerade Kappzaum-Neulinge bei einem lockeren Kappzaum schneller merken/fühlen, ob das Pferd wirklich fein mit dem Geist dabei ist – oder eben nicht.
    Ich finde, es ist ein perfektes "Instrument" um seine Feinfühligkeit zu schulen.
    Viele Grüße
    Sabine

  3. Jennifer sagt:

    Hallo zusammen :)

    Ich persönlich würde mich der Meinung von Elke anschließen. Klar ist es anfangs für das Pferd ungewohnt, mit einem festen Kappzaum zu arbeiten – aber am Ende zahlt es sich aus.

    Wenn der Kappzaum nicht fest und zu tief sitzt, schmerzt es. Ich denke, um diesen Schmerz zu entgehen, werden die Pferde scheinbar "feiner". Hier noch ein guter Artikel :)

    http://www.wege-zum-pferd.de/2010/05/18/der-kappzaum-teil-1-was-sie-uber-dieses-werkzeug-wissen-sollten/

    Alles Liebe

    Jennifer :)

    • Sabine sagt:

      Ihr Lieben,

      ich hätte nicht gedacht, das mein Kappzaum so eine Welle produzieren kann :) Zumal er ganz fachgerecht 2 Finger unter dem Jochbein liegt (wenn ich ihn fest zumachen würde) was ich euch auch auf den ersten kleinen Bildern zeige. Zugegeben, bei Freyrs Gesichtsfell ist das Jochbein nicht so gut zu erkennen. Auf dem 4. kleinen Bild zeige ich dann, das er sehr locker ist und daher liegt er durch seine Beweglichkeit eben etwas tiefer Richtung Nase. Ich möchte aber, das das Maul locker und die Kaufähigkeit nicht eingeschränkt ist, da ich auch zwischendurch mit Leckerli arbeite. Ein guter Vergleich: Legt euch doch mal die beiden Zeigefinger senkrecht mit losen Druck an die Mundwinkel und dann esst ein Stück Kuchen. Merkt ihr, wie die Zähne an der Innenseite der Wangen reiben? Fast beisst man sich darauf. Das gleiche Problem haben die Pferde mit viel zu fest angezogenen Reithalftern/Sperriemen.
      Warum soll ein solcher Kappzaum Schmerzen verursachen, nur weil er locker ist. Schmerzen werden den Pferden erst durch unsachgemäßes Bedienen von Hilfsmitteln zugefügt und ich habe noch nie behauptet, das die Arbeit mit Pferden kein Gefühl und Sachverstand benötigt. Deshalb betone ich das auch immer in meinen Texten: hinfühlen, loslassen, nachgeben!
      Sicherlich ist ein schmaler Kappzaum im Vergleich zu einem dick gepolsterten im Moment des Gegenzugs für das Pferd unangenehmer. Vergleichbar mit dem Knotenhalfter zum breiten Webhalfter.
      Diese ganz breiten Scharnier-Kappzäume würden früher für die Pilar-Arbeit entwickelt, damit das Pferd nicht verletzt wurde , wenn es zwischen die Pilaren geschnallt wurde.
      Ich mag auch deshalb die leichte Variante lieber, da ich ja am aller-liebsten "ohne alles" mit dem Pferd zusammen bin. Und der Schritt vom Leichten zum Nichts ist oft leichter als vom Schweren zum Nichts.
      Übrigens kann man ein Pferd auch ohne Kappzaum nur mit gefühlvollen Händen stellen und schauen, wie die innere Hüfte etwas vorkommt.
      Deshalb habe ich diesen Artikel geschrieben. Dafür, das es nicht nur ein Vorne und ein Hinten gibt – sondern das das Pferd im Ganzen zu betrachten ist, und das ich auch hinten etwas bewirke, wenn ich vorne etwas verändere.
      Wir können ja mal eine Studie beginnen:
      Jeder schnallt seinen Kappzaum zwei Loch lockerer an den Pferdekopf und dann treffen wir uns wieder in 4 Wochen und jeder erzählt von seinen Erlebnissen damit. :)
      Liebe Grüße
      Sabine

    • Petra sagt:

      Finde ich eine geniale Idee :-))) Ich bin gespannt, ob in 4 Wochen neue Berichte und Kommentare in Sachen Kappzaum auftauchen ;-) Ich freue mich schon auf die Arbeit mit meiner Kleinen und Dir im Sommer. Mit und ohne Kappzaum!! Liebe Grüße, Petra

  4. Miriam sagt:

    Liebe Sabine,

    Freyr macht das aber schon sehr schön und das Video ist wirklich gelungen. Respekt für den Einsatz :).

    Nachdem mein Pony die letzte Zeit erheblich an Körpergefühl dazu gewonnen hat und sich nun etwas besser mit sich selber zurecht findet, werde ich demnächst damit anfangen ihn im Stehen mal etwas zu stellen. Vor ein paar Wochen hätte es noch gar keinen Sinn gemacht, da er überhaupt kein Gefühl für sich selber hatte. Nun ist der Wachstumsschub vorrüber und ich habe das erste Mal das Gefühl, dass er nun weiß wo er eigentlich anfängt und aufhört.

    Liebe Grüße
    Miriam

    • Sabine sagt:

      Hallo Miriam,

      das ist ein guter Ansatz und Gedanke von dir, die Übung ist im Stehen für das Pferd am einfachsten, da es da mit allen vier Beinen auf dem Boden stehen kann. Sobald ein Bein in der Luft ist, also in der Bewegung, ist es für das Pferd schwieriger die Balance zu halten in Stellung und Biegung.
      Gerade bei überbauten Pferden im Wachstum ist diese Rücksichtsnahme wertvoll und man überfordert so sein Pferd nicht.
      Freyr ist recht gut ausbalanciert (im Schritt), man kann gut die Kraftübertragungsrichtung beobachten. Trotzdem möchte ich noch länger nah bei ihm und nur im Schritt an diesem Thema weiterbasteln, da die Muskulatur doch länger braucht, wie man immer meinen mag. Auch der Vorgriff des inneren Hinterbeines ist ausbaufähig. Da wäre ein Blick in die Zukunft cool – wie sieht unser Zirkel wohl in einem Jahr aus…?

      Liebe Grüße
      Sabine

    • Sabine sagt:

      Hallo Birgit,

      ich weiß, das es in der Pferdewelt viele verschiedene Ansichten und Meinungen gibt. Das ist o.K. Jeder beruft sich sicher auf Erfahrungen, die er/sie gemacht haben. Das ist auch o.K.
      Und wenn Freyr (wir erinnern uns: als Ober-Sensibelchen) seinen Kopf gerne in diesen Kappzaum steckt und dabei gut bei der Sache ist, fein reagiert und sich deutlich entspannt – dann ist das für mich ein sehr positives Feedback.
      Hier: http://www.hippovital.at/2014/11/01/%C3%BCber-die-anatomie-der-hinterhand-die-tragkraft-und-versammlung/
      ist toll erklärt, wie schnell die Ermüdung des inneren Hinterbeines erfolgen kann und daher ist für mich die Longenarbeit erst einmal zweitrangig.
      Ansonsten ist die erwähnte Seite von Babette sehr nett. Es müsste viel mehr Ausbilder geben, die sich um den Körper des Pferdes Gedanken machen, leider ist es immer noch sehr häufig so, das die Jungpferde im Schleuderprogramm durch die Grundschule geschleust werden.
      Viele Grüße
      Sabine

  5. Anja sagt:

    Komisch nur, dass ich in vielen Kursen von Bent nie mitbekommen habe, dass der Kappzaum unter den festen Teil des Nasenbeins geraten soll, sondern immer im Gegenteil, dass man unbedingt verhindern muss, dass er auf den freien Teil des Nasenbeins gerät. Kennst Du einen anderen Bent Branderup? Falls ja, kennt Deiner die Anatomie des Pferdes überhaupt?

    • Sabine sagt:

      Hallo Anja,
      ich bin zwar kein purer "akademischer Reiter", aber ich schätze Bent sehr. Vor allem auch deswegen, weil er immer wieder betont, wie sehr es sich lohnt, nicht auf alte Muster zu beharren, sondern auch einmal andere Dinge auszuprobieren. Offen sein. Nicht schlecht zu reden – sondern Gutes zu tun…. usw.
      Mich insperiert er sehr und so habe ich nach seiner Erklärung zum Kappzaum auch meinen lockerer verschnallt, da ich auch gerne bereit bin, Dinge auch einmal auszuprobieren. Von dem Ergebnis bin ich positiv überrascht.
      Nachfolgend das Zitat von Bent zum Kappzaum: (Zitat aus der Boden- und Logenarbeit)

      Wenn ich einen Kappzaum anpasse,
      gehe ich mit dem Finger von den Augen
      abwärts entlang des Nasenrückens und
      spüre, wann das Nasenbein in Knorpel
      übergeht. Dort ist ein Loch. Ich möchte,
      dass das Nasenband des Kappzaums
      einen Finger unter dem Ende des
      Nasenbeins liegt und mindestens zwei Finger über den Nüstern.
      Ich schnalle das Nasenteil des Kappzaums relativ locker, da die Zähne des
      Oberkiefers eine Spur breiter sind als die des Unterkiefers. Durch zu
      starken Druck eines zu fest verschnallten Nasenstücks können die Wangen
      verletzt werden. Außerdem behindert ein zu enges Nasenteil die Lockerheit
      und Kaufähigkeit des Mauls. Darüber hinaus sehe ich dann schnell, wenn
      das Nasenband verrutscht, das ich zu viel Zug ausübe und das Pferd nicht
      locker genug ist, dem Kappzaum zu folgen.

      Viele Grüße

      Sabine

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