Pferderücken sind eigentlich nicht dafür gemacht uns zu tragen. Punkt. So ist das und das können wir uns auch nicht schön reden. Warum ich es trotzdem pferdefreundlich finde zu reiten und unter welchen Bedingungen? Das will ich dir im Artikel erklären.

Die Frage, ob Reiten okay ist erreicht mich immer wieder und ich weiß, dass auch immer wieder diskutiert wird, ob Reiten pferdefreundlich ist. Ich habe mir selbst viele Gedanken dazu gemacht und bin zu dem Schluss gekommen, dass Reiten in Ordnung ist – wenn du einige wichtige Punkte beachtest.

Letztlich muss das natürlich jeder für sich selbst entscheiden, aber ich will dir jetzt schreiben, warum ich für mich beschlossen habe, dass Reiten pferdefreundlich ist und vor allem unter welchen Bedingungen.

Es gab und gibt sogar immer wieder Forderungen der Tierschutzorganisation PETA das Reiten komplett zu verbieten. Dazu sage ich PETA hier und jetzt und laut und deutlich, dass sie keine Ahnung von Tieren haben, wenn sie das fordern. PETA findet es ja auch offenbar vollkommen in Ordnung nicht vermittelbare Tiere in ihren eigenen Tierheimen einzuschläfern.

Hier gibt es einen Artikel dazu: www.zeit.de . Das ist nicht meine Form von Tierschutz und es entspricht auch nicht meiner Vision von einem tiergerechten Umgang. Ich finde nicht, dass die Entledigung und das Verbot von Tieren die Lösung für einen Umgang mit Tieren ist.

Die Lösung muss ein möglichst artgerechter und liebevoller Umgang sein und mehr Kontrollen, schärfere Gesetze in Sachen Tierwohl und Tierschutz und Schluss mit einer riesengroßen Turnierindustrie in der das Geld vor dem Tierwohl steht. Das sind viel mehr die Stellschrauben an denen wir drehen sollten. Aber ich schweife ab. Kommen wir zurück zum Thema Reiten.

Einen ziemlich ironischen Beitrag *Achtung böse* gibt es HIER dazu bei Arschlochpferd Ich sehe es nicht ganz so lapidar 😉 Fand es aber sehr amüsant den Artikel zu lesen. Und HIER schreibt “Penny das Pony” darüber ob Pferde zum Reiten da sind

Was wäre denn die Alternative zum Umgang und Training mit Pferden? Es gibt ja immer wieder Menschen die fordern, dass wir die Pferde einfach nur auf die Weiden stellen und nicht mit ihnen arbeiten sollten. Weil es nicht pferdegerecht sei sie zu „nutzen“.

Angrasen Pferd

Ist Reiten pferdefreundlich?

Fakt ist für mich: Pferde brauchen Aufgaben für ihren Kopf und ihren Körper. Wir haben kaum irgendwo auf der Welt die Bedingungen, die Pferde bräuchten, um ohne uns zufrieden durch die Natur zu ziehen. Erst Recht nicht als Pferdehalter in Deutschland.

Wenn wir sie also ohne Beschäftigung und ohne Aufgaben einfach auf die grüne Wiese stellen würden, würden die Pferde sicher nicht glücklich sein. Das ist meine Überzeugung.

Wildpferde laufen den ganzen Tag über die Steppen und grasen hier und da die kargen Grashalme ab, die sie finden. Sie müssen nach Wasserlöchern suchen, ihre Fohlen umkümmern und sich sichere Schlafplätze suchen. Sie haben viele kleine und große Aufgaben, die sie und ihre Köpfe in Bewegung halten.

Das haben unsere Hauspferde nicht. Ganz einfach. Und das können wir ihnen hier in Deutschland auch nicht bieten, weil wir gar nicht die Flächen haben.

Angrasen in der Pferdegruppe

Was wir unseren Pferden dafür bieten müssen

Deswegen müssen wir ihnen neben einer möglichst artgerechten Haltung und Fütterung auch Abwechslung für ihren Kopf und gutes Training für ihren Körper bieten. Jetzt könnte man natürlich sagen, dass man das auch ausschließlich vom Boden aus machen kann. Und ja, da kann ich gar nicht widersprechen. Ich habe mit meiner Jungstute 2 Jahren nur Bodenarbeit gemacht und nichts vermisst.

Haben Pferde auch Freude am Reiten?

Aber ich habe auch festgestellt, dass sie die ersten Reitversuche total spannend fand und mit viel Freude und Aufmerksamkeit in sich reingehört hat und auf mich gehört hat. Ich habe fast das Gefühl, dass sie es genießt vorne dran zu sein und Teil eines Teams auf andere Weise als vom Boden aus.

Ich glaube, dass viele Pferde auch Freude am Reiten haben, wenn wir es sanft, geduldig, freundlich und liebevoll angehen. Deswegen ist Reiten für mich ein Teil des Ganzen und ich bin zu dem Schluss gekommen, dass es durchaus pferdefreundlich sein kann zu reiten, wenn wir das Reiten an sich pferdefreundlich gestalten.

Sollte Reiten verboten werden?

Für diese Frage gibt es von mir ein klares Nein. Ich denke, dass bestimmte Trainingsmethoden und Ausrüstungsgegenstände verboten gehören, wie beispielsweise Ausbinder und Sperrriemen.

  • Ich fände auch schön, wenn es einen Pferdeführerschein für Pferdebesitzer gäbe, und aus meiner Sicht könnte auch sehr viel in den Reitschulen verändert werden.
  • Zum Beispiel würde ich mir wünschen, dass vor den ersten Reitstunden erst Theorieunterricht stünde über Pferdeverhalten und Pferdepsychologie, Biomechanik und Reitersitz.
  • Dann sollte der nächste Schritt erst Bodenarbeitsunterricht sein, anschließend Sitzschulung und dann irgendwann erst das freie Reiten in der Halle. Am besten nur als Einzel- oder Zweierunterricht und nicht in den großen Gruppen.
  • Ponyreiten auf Märkten und Festen gehört für mich auch verboten.
  • Genau wie viele andere Formen der fast schon tierquälerischen Ausbeute der Pferde – wie sie im Profisport oft passiert.

Aber das Faß werde ich jetzt nicht aufmachen, da müsste ich noch Seitenweise problematische Punkte aufzählen. Es geht ja jetzt hier in diesem Artikel um das Reiten an sich und ich lege den Fokus auf pferdefreundliches Reiten.

Und das sollte für mich nicht verboten werden. Die Reiter sollten einfach bessere Schulung bekommen und auf die Bedürfnisse der Pferde sensibilisiert und die Haltungsformen für Pferde verbessert werden.

Getragen werden vom Pferd – im Team

Es ist für mich in Ordnung, dass ich als Mensch auch mal getragen werden möchte. Ich kümmere mich darum, dass es meinem Pferd gut geht, dass sie ein Dach über dem Kopf und hochwertiges Futter hat. Ich bezahle regelmäßig den Osteopathen im jährlichen Check-Up und besuche Kurse, lese Bücher damit ich ein besserer Pferdemensch und Reiter werde.

Ich kaufe lieber weniger, aber dafür hochwertige und für mein Pferd bequeme Ausrüstung.

BArefoot Baumloser Sattel anpassen Lazy Mountain Fellsattel

Ich achte darauf – sorry aber auch das muss mal angesprochen werden – dass ich nicht dick werde, damit mein Pferd möglichst wenig tragen muss.

Ich gymnastiziere und liefere viel Abwechslung und dann ist es auch okay mich mal tragen zu lassen.

Pferde sind keine Fahrräder!

Ich finde aber gleichzeitig wichtig, dass wir unsere Pferde nicht einfach nur „nutzen“ dürfen. Es sind keine Fahrräder, die wir uns kaufen um unseren sportlichen Ehrgeiz zu befriedigen. Es sind Lebewesen mit eigenen Ideen, körperlichen Baustellen und Stimmungen. Pferde haben Gefühle und die sollten wir sehen und miteinbeziehen in unseren gemeinsamen Alltag.

Mein Pferd ist kein Reitpferd. Sie ist kein Springpferd und auch kein Dressurpferd. Meine Stute ist einfach nur ein Pferd. Genauso gestalte ich auch unseren Alltag.

  • Wir machen viel Bodenarbeit.
  • Wir arbeiten langsam am Aufbau der Muskeln und wir spielen mit Liberty und Tricktraining.
  • Wir stehen einfach nur zusammen und gehen spazieren.
  • Wir machen viele verschiedene Sachen für ihren Kopf und Körper und manchmal reiten wir auch.

Es ist ein Teil des Trainingsalltags und es ist auch ein wunderschönes Gefühl gemeinsam durch die Gegend zu streifen. Ich kann richtig sehen, wie meine Stute es spannend findet, dass ich auf ihrem Rücken sitze und sie vorausgehen darf. Denn ich befinde mich ja hinter ihrem Kopf und ihren Schultern. Es ist fast so, als ob sie dann einen Teil der Verantwortung übernimmt und mutig voranschreitet.

Gleichzeitig finde ich auch wichtig, dass wir uns nicht einfach auf den Rücken setzen, irgendeinen Sattel draufknallen und durch die Gegend juckeln.

BArefoot Baumloser Sattel anpassen

Die kurze Basisliste der Must Haves für pferdefreundliches Reiten:

  • Wirklich perfekt sitzende Ausrüstung
  • Sanfter Umgang und viel Geduld
  • Nicht zu frühes Anreiten (am besten erst mit 4 oder 5)
  • Viel Abwechslung und Bodenarbeit
  • Gymnastizierung für den Muskelaufbau, damit das Pferd dich überhaupt gesund tragen kann
  • Gute Haltung und natürliche Fütterung
  • RegelmäßigeCheck-Ups ob das Pferd schmerzfrei ist und die Ausrüstung noch gut sitzt

Wir müssen den Pferden einfach helfen, damit sie uns gesund tragen können. Wir sollten den Rücken der Pferde nicht überfordern und das Reiten nicht zur einzigen Maxime machen.

Ich bin tatsächlich immer mal wieder überrascht, wie viele Pferdebesitzer nie Bodenarbeit machen. So oft bekomme ich Mails von Reitern, die noch nie Bodenarbeit gemacht haben und nicht wissen, wie sie loslegen sollen.

  • Wie viele Pferde gibt es da draussen, die nur geritten werden. Die nie etwas anderes sehen als die Halle und nie etwas anderes lernen als Galopp, Schritt und Trab und ein bisschen Springen oder Dressur. Das kann ich nicht verstehen.
  • Oder wenn die Ausrüstung nicht sitzt und das Pferd schon Anti-Reaktionen zeigt, wenn der Sattel kommt und er trotzdem draufgeschnallt wird. Auch das kann ich nicht verstehen.
  • Oder wenn Pferde fast den ganzen Tag in der Box stehen, weil auf dem entsprechenden Reithof doch die Reithalle so schön groß ist. Auch das ist für mich nicht nachvollziehbar. Genau wie zuckrige Leckerli und tausend Supermüslis mit Aromen. Das alles ist nicht artgerecht und auch nicht besonders pferdefreundlich.

Also: Wenn ich auf gut sitzende Ausrüstung achte, so wenig wie möglich um das Pferd schnalle und binde und das Reiten ein Bestandteil eines abwechslungsreichen Trainings ist. Wenn das Pferd gut ausgebildet wird und artgerecht leben und fressen darf – ja, dann finde ich es auch pferdefreundlich zu Reiten.

Carey Barefoot Amber Sidepull Zaumzeug Pferd

10 Punkte, die pferdefreundlichen Umgang ausmachen

  1. Pferdefreundlich ist für mich dem Pferd Abwechslung zu bieten in seinem Alltag
  2. Pferdefreundlich ist für mich dem Pferd eine passende Herde zu bieten
  3. Pferdefreundlich ist für mich dem Pferd genug Platz in seiner Herde zu verschaffen
  4. Pferdefreundlich ist für mich natürliches Futter
  5. Pferdefreundlich ist für mich gute Pflege und möglichst naturnahe Hufpflege
  6. Pferdefreundlich ist für mich dem Pferd Osteopathie und Physiotherapie zu ermöglichen
  7. Pferdefreundlich ist für mich eine gut sitzende und sanfte Ausrüstung – weniger ist mehr
  8. Pferdefreundlich ist für mich ein dem Pferd angepasster Umgang und eine liebevolle aber klare Kommunikation
  9. Pferdefreundlich ist für mich dem Pferd zuzuhören
  10. Pferdefreundlich ist für mich das Pferd nicht den ganzen Tag in die Box zu stellen oder mit fragwürdigen Ausrüstungsgegenständen oder Trainingsmethoden zu dominieren

Wenn ich beispielsweise ein oder zwei Tage nicht dazu komme mit meiner Stute etwas zu machen, dann steht sie schon am Gatter wenn ich komme und kann es kaum erwarten in die Halle oder auf den Platz zu kommen. Wir haben Tage an denen ich denke, dass wir für heute genug gemacht haben und sie mich auffordernd anschaut und die Halle noch gar nicht verlassen will.

Wir haben auch Tage an denen sie nach wenigen Minuten sagt, dass es für heute reicht. Dann wird das Training eben beendet und ich sitze einfach bei ihr während sie ihr Heu frisst. Es gibt so unglaublich viel mehr, was wir unseren Pferden bieten können neben dem Reiten und ich finde wir sollten diese Bandbreite nutzen.

Kurz zusammengefasst: Wenn wir sie artgerecht halten und füttern, wenn die Ausrüstung für sie bequem ist, das Reiten ein liebevoller und schöner Teil des Ganzen ist und wir sie gut trainieren, dann ist Reiten für mich sehr pferdefreundlich.

19 Kommentare zu “Preisfrage: Ist Reiten pferdefreundlich?

  1. Farkas Therese sagt:

    Super Artikel 🙂 Ich habe das Glück mein Pony von Fohlen an bei mir zu haben .Habe es mir zur Aufgabe gemacht sie als Partner und Freund zu sehen. Sie ist jetzt Fünf und hat sich so toll entwickelt . Bodenarbeit ,Reiten ,Ruhephasen, Weidegang ,Spazieren gehen gehören in unseren Alltag. Ich hoffe so ihr ein Pferdegerechtes leben zu bieten und miteinander Spaß zu haben.

    • Petra sagt:

      Hallo liebe Therese, das ist natürlich extrem toll. Davon träume ich auch irgendwann. Meine Kleine habe ich zwar gekauft als sie 1,5 war. Aber sie ist erst mit 3,5 zu mir gekommen, weil ich sie in ihrem Herdenverband aufwachsen lassen wollte. Die Vorstellung sie ab Geburt bei mir gehabt zu haben, wäre schon wunderschön. Ich beneide dich ein bisschen und schicke dir viele liebe Grüße, Petra

  2. Boris sagt:

    Liebe Petra, so wahr gesprochen. Ich muss mir selbst immer wieder die Frage stellen, aus welchem Motiv heraus ich etwas mache. Und ich muss mir eingestehen, dass Tierhaltung generell ein sehr egoistischer Akt ist – in erster Linie habe ich ein Tier "angeschafft", um mich selbst besser zu fühlen (sei es, um zu reiten, um zu schmusen, um nicht alleine zu sein, oder auch, um das Gefühl zu haben, helfen zu können). Und dann, wenn ich bereits so egoistisch war, geht es um Verantwortung: Nämlich darum, einem Tier möglichst viel von dem zu bieten, was es benötigt, um ein möglichst artgerechtes Leben (sofern das in unserer menschlichen Gesellschaft möglich ist) zu führen. Dieser Verantwortung sollte sich jeder Tierhalter bewusst sein und VOR der Anschaffung darüber nachdenken, dass ein Pferd ein Herdentier ist, viel Sozialkontakt und Bewegung benötigt, 16 Std. am Tag gutes Heu benötigt (diese Liste könnte ich nun noch lange fortsetzen) – und dass es nicht damit getan ist, farblich abgestimmte Gamaschen und Satteldecken zu kaufen und das passende Fliegenhäubchen dazu. Ich kann und will nicht verstehen, dass noch so viele Pferde in Boxen gehalten und nur in Halle und auf dem Platz geritten werden, dass so viele Besitzer so einfallslos und unkreativ beim Umgang mit ihrem Pferd sind. Ja, es ist wirklich schwer, vor allem in Stadtnähe, etwas zu finden, wo so viele Bedürfnisse wie möglich erfüllt werden – aber das sollte uns unser Pferd doch wert sein.
    Liebe Petra, mach bitte genau weiter so – wir (als Gesellschaft) brauchen dringend ein besseres Verständnis und Bewusstsein dafür, dass jedes Leben Respekt und Wertschätzung verdient, und Du trägst mit Deinem Blog wunderbar dazu bei, dieses Verständnis zu schaffen. Dafür ganz herzlichen Dank.

    • Sarah Z. sagt:

      Ich bin zu 100% deiner Meinung !

      Und danke liebe Petra für deinen Artikel, der es mal wieder auf den Punkt trifft

    • Petra sagt:

      Lieber Boris, danke dir für deinen wunderbaren Kommentar und deine lieben Worte. Ich unterschreibe alles, was du schreibst und du hast Recht, dass es egoistisch ist Tiere zu haben. Das ist wohl wahr. Deswegen – sehe ich es wie du – ist es unsere Verantwortung es ihnen so schön wie möglich zu machen. Immer im Rahmen unserer Möglichkeiten. Aber eben so gut es geht 🙂 Ganz liebe Grüße, Petra

  3. Miriam sagt:

    Liebe Petra,

    du sprichst mir mit deinem Artikel aus der Seele. Ich reite meine Dreierbande natürlich nicht. Das wäre wohl nicht sehr pferdefreundlich, wenn ich mich auf meine Miniponys schwingen würde. Aber das ist was anderes.
    Ich bin jahrelang geritten ohne mir Gedanken darüber zu machen. Ich kannte es nicht anders und habe viele Dinge gemacht auf die ich heute absolut nicht stolz bin.
    Dann kam mein erstes eigenes Pferd. Er hat mir gezeigt, dass ich auf dem falschen Weg bin. Da er auch gesundheitlich angeschlagen war, hat sich das mit dem Thema reiten erledigt gehabt. Ich war dann auch lange gegen das Reiten. Aber dann hatte ich eine Reitbeteiligung an einem Pferd, der mir gezeigt hat, dass Pferde manchmal gerne geritten werden. Er hat mich immer wieder aufgefordert aufzusteigen, wenn ich mit ihm zu Fuß unterwegs war. Er wollte gerne schneller gehen als ich es neben ihm konnte, er mochte es, wenn er die Verantwortung hatte und wir sind irgendwann auch längere Wanderritte gegangen und es war okay für ihn. Voraussetzung für mich ist aber tatsächlich, dass das Pferd dazu ehrlich ja sagt. Wenn dem nicht so ist, habe ich auf dem Rücken eines Pferdes nichts verloren. Das ist meine Meinung.
    Was ich noch ergänzen möchte als für mich wichtigen Punkt. Ich selber reite heute nicht mehr. Und zwar, weil ich durch mehrere Unfälle nicht mehr in der Lage bin so auf dem Pferd zu sitzen, dass es für das Pferd nicht störend ist mich zu tragen. Ich kann mein rechtes Bein nicht lang machen, weil ich ein kaputtes Knie habe und das nach kürzester Zeit schmerzt, ich kann nicht gerade im Rücken sitzen, weil ich auch da Schmerzen habe. Das Reiten würde meinem Rücken sogar gut tun, aber ich möchte mich so keinem Pferd zumuten. Ich würde das Pferd im Bewegungsablauf stören und nicht unterstützen und das ist für mich ein klares Nein zum Reiten. Eine Zeitlang hatte ich eine Reitbeteiligung auf die ich mich immer mal wieder für ein paar Minuten im Schritt drauf gesetzt habe. Das war für mich noch okay, da das selten vorkam, maximal 10 Minuten ging und ich nichts von ihm gefordert habe. Mehr würde ich aber nicht mehr machen. Ich denke das ist ein Punkt der oft vergessen wird. Wenn ich nicht in der Lage bin ordentlich auf dem Pferd zu sitzen, habe ich dort nichts verloren.
    Liebe Grüße
    Miriam

    • Petra sagt:

      Liebe Miriam, vielen Dank für deinen Kommentar. Du hast – wie immer – so Recht mit allem. Der Punkt, dass man nicht Reiten sollte, wenn man nicht ordentlich sitzen kann ist auch ein wichtiger Punkt. Wenn man es noch nicht kann und noch lernen muss, ist das das eine – wir alle sind Anfänger. Vielleicht auch ein Leben lang. Anfänger die besser werden und deswegen das Pferd hoffentlich immer weniger stören. Dann ist das in Ordnung für mich. Wenn ich aber körperlich nicht dazu in der Lage wäre zu reiten, so wie du, dann habe ich größten Respekt vor der Entscheidung nicht mehr zu Reiten und kann deiner Entscheidung aber auch folgen – ich würde es dann wohl auch nicht mehr tun. Ganz liebe Grüße, Petra

  4. Astrid sagt:

    Liebe Petra,

    Dein Artikel spricht auch mir aus dem Herzen und ich schließe mich auch voll den Meinungen von Boris und Miriam an! Meinen Chico habe ich seit ca. 8 Monaten nicht mehr geritten, seit eben der Unfall mit meiner Stallfreundin passiert ist. Der Tierarzt sagte ja bei der Untersuchung, dass Chico das Galoppieren mit Reiter einfach zu viel ist mit seinen Befunden und aus diesem Grund hat er meine Stallfreundin abgesetzt. Ich werde in der warmen Jahreszeit langsam mal das Satteln versuchen (wir müssen erst noch einen wirklich passenden Sattel für meinen Bubi finden, aber da unterstützt mich unsere Osteopathin). Ich werde so anfangen, als ob Chico noch nie geritten worden und ich werde auf alle seine Antworten darauf achten. Lässt er das bisschen Reiten im Schritt zu, dann sehe ich das wie der Tierarzt: als Bonus von ihm. Wenn nicht, dann wird das Reiten komplett gestrichen, denn es ist sein gutes Recht "Nein!" zu sagen. Er wurde von den Menschen ausgepresst wie eine Zitrone und hat über seine Grenzen hinaus gedient. Er hat wirklich jedes Recht, das Reiten abzulehnen und ich werde das sowohl akzeptieren als auch respektieren.

    Herzliche Grüße
    Astrid mit Chiara, Chico und Sheela im Herzen

    • Petra sagt:

      Hallo liebe Astrid, das ist toll und genau richtig – so sollte es immer sein. Ich denke auch, dass mein Pferd etwas hat, wenn sie sich verweigert oder explodiert. Das macht sie nicht einfach so. Und in aller Regel zeigt der Besuch von Osteo und Tierarzt dann auch immer, dass etwas ist. Wir sollten unseren Pferden glauben, dass sie einen Grund haben, wenn sie Nein sagen. Und ich finde toll, wenn Pferde so deutlich mit uns reden. Ganz liebe Grüße, Petra

  5. Ines sagt:

    Bei uns am Stall werden immer mehr Pferde nur spazieren geführt. Dabei glauben die Besitzer noch, Wunder was sie für ihr Pferd tun. Sie bedenken aber nicht, dass sich Pferde mit spazieren gehen echt langweilen, denn die meisten gehen nicht mal so schnell, dass das Pferd im Schritt gefordert wird. Wenn dann noch Koppelsperre wegen des Wetters oder der Bodenverhältnisse herrscht, dann tun mir diese Tiere nur noch leid! Dabei kann man Pferde so vielseitig einsetzen (z. B. auch kutschieren), dass Abwechslung immer gegeben ist. Und unsere Pferde genießen die Arbeit und begrüßen uns wiehernd auch wenn sie grade auf der Koppel stehen. Wer glaubt, mit Führen seinem Pferd gerecht zu werden, täuscht sich m.E. gründlich!

    • Daniela sagt:

      Ich denke, dass das Pferdeabhängig ist.
      Es gibt Pferde, die werden es begrüßen wenn man es mal etwas ruhiger angehen lässt & einen gemeinsamen Spaziergang genießt.
      Und dann gibt es Pferde, die werden dich fragen warum ihr nicht rennt, hüpft, springt weil ihnen das Gehen zu langweilig ist.

      Ich denke, wenn wir unseren Pferden mehr zuhören würden, dann wären wir alle samt glücklicher und zufriedener. Pferde sind ehrliche Wesen, Bewegungstiere und unendlich dankbar, wenn man ihnen richtig zuhört!

    • Petra sagt:

      Liebe Ines, ich persönlich finde Spazierengehen toll, weil es Abenteuer auf Augenhöhe sind und ich kenne viele Pferde, die das sehr genießen. Ich denken, dass wir nicht nur Spazieren gehen sollten, genau wie nur Reiten oder nur Kutschieren. Sondern die Abwechslung ins Training bringen sollten und dann ist Spazierengehen ein wunderbarer Anteil an der Ganzen Trainingssache. Ganz liebe Grüße, Petra

  6. Daniela sagt:

    Toll geschrieben!
    Du sprichst mir aus der Seele 🙂

    Stellt euch folgende Frage:
    Wenn unsere Pferde Erholung für uns sind, sind wir auch Erholung für unsere Pferde?

    Keep it natural!
    Liebe Grüße, Daniela

    • Petra sagt:

      Hallo liebe Daniela, eine sehr gute Frage 🙂 Die werde ich jetzt auch immer mit an den Stall nehmen. Ich habe mich bislang nur gefragt, ob ich auch Freude für mein Pferd bedeutet. Aber Erholung beinhaltet so viel mehr. Ganz liebe Grüße, Petra

  7. Kati sagt:

    Hey Petra,
    das hast du schön geschrieben. Da stimme ich allem vorgenannten, Artikel und Kommentare, zu. Ich sehe das ähnlich; Beschäftigung und Aufgaben sind ein Muss, wenn die Bedingungen stimmen ist reiten ok und der Lohn für die viele Arbeit drum herum. Meiner Meinung nach kommt gerade das Reiten im Gelände dem Pferd entgegen, also das in der Herde bewegen um ein Ziel zu erreichen und gemeinsam Erleben, möglichst in allen Gangarten. Da kann man ein Pferd auch als Handpferd mitnehmen und ist flexibler in der Geschwindigkeit als wenn man zu Fuß dabei ist – denn nebenher traben mag noch gehen, auch ein kleiner(!) Galopp mit Shetty könnte man bei guter Fitness halten, aber weiter?! – eher nicht so. Das Reiten lässt uns einfach dichter beim Pferd sein.
    Ist denn reiten nicht auch ein bisschen Vertrauensbeweis von uns an das Pferd? Bitte nicht falsch verstehen, aber wir zeigen ihm doch damit dass wir darauf vertrauen dass es uns nicht abwirft, dass wir uns auf seinem Rücken sicher fühlen und uns trauen die Führposition zu verändern, das Pferd bekommt damit eine Aufgabe und Verantwortung. Ob es das leisten kann schätzen wir vorher hoffentlich richtig ein und arbeiten darauf hin, dann ist reiten sicher auch nicht pferdeUNfreundlich.

    • Petra sagt:

      Hallo liebe Kati, das sehe ich ähnlich wie du. Ich glaube auch, dass viele Pferde es lieben voranzugehen und gemeinsam Abenteuer zu bestehen. Aber eben nur dann, wenn der dazugehörige Mensch fein und sanft und verantwortungsbewusst reitet. Ganz liebe Grüße, Petra

  8. Lena sagt:

    Reiten ist, wie der gesamte Umgang, dann pferdefreundlich, wenn das Pferd eine eigene Meinung haben darf und der Mensch diese auch würdigt.
    Es gibt Tage, da nimmt mein Ponymann zur Kenntnis, dass ich anwesend bin, hat aber viel wichtigere Dinge zu tun, als sofort wiehernd und mit Wallemähne ans Tor gerannt zu kommen. Jetzt könnte ich tanzen, singen und trommeln, damit er mich doch mehr mag – oder ihn einfach Pferd sein lassen und seine Meinung respektieren. Die zweite Variante wird vermutlich eher dazu beitragen, dass er freiwillig zu mir kommt, denn er wird nicht gezwungen.
    Der Mensch sollte generell mal – Achtung, Wortwitz – von seinem hohen Ross steigen und seine Arroganz überdenken. Wir sind auch nichts weiter als Säugetiere, und unsere einzige (!!!) Fähigkeit ist das Denken. Und das bezweifle ich bei einem Großteil der Menschheit… 😉

    • Petra sagt:

      Hallo liebe Lena, im Grunde sehe ich es genau wie du 🙂 Danke für deinen schönen Kommentar und liebe Grüße, Petra

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