Die Gemeinde Bad Sooden-Allendorf in Nordhessen plant, die Pferdesteuer 2021 wieder abzuschaffen. Das meldet das Portal der Hessisch/Niedersächsischen Allgemeine hna.de. Die Finanzlage der Kommune hat sich soweit verbessert, dass auf die Abgabe verzichtet werden soll. 

Pferdesteuer sollte die Finanzen sanieren helfen

Bis vor ein paar Jahren war der Ort Bad Sooden-Allendorf kaum einem Reiter ein Begriff. Das änderte sich schlagartig, als die Gemeinde 2012 als erste in Deutschland die Pferdesteuer einführte – trotz großer Proteste und nur mit knapper Mehrheit im Gremium. Grund für die Einführung der Abgabe war seinerzeit die klamme Finanzlage der Kommune. Der Kurort mit seinen nur 8400 Einwohnern war hochverschuldet und beschloss ein Sparpaket inklusive der Pferdesteuer.

Hoher Verwaltungsaufwand und zahlreiche Widersprüche 

200 Euro pro Pferd im Jahr wollte die Gemeinde erheben – und rechnete bei rund 150 Pferden mit jährlichen Einnahmen von 30 000 Euro. Laut hna hat die Gemeinde in der ersten Häfte dieses Jahres rund 10 000 Euro über die Steuer eingenommen, womit die Einnahmen unter den Erwartungen geblieben seien. 
Der Verwaltungsaufwand bei der Pferdesteuer kann wegen häufigen Widerspruchs- und Gerichtsverfahren hoch ausfallen – und das bei sinkender Anzahl der Pferde innerhalb der Gemeindegrenzen. Denn viele betroffene Besitzer zogen ihre Pferde in Kommunen um, die keine Steuer erheben. 
Die aufwendige Erhebung soll aber nicht der Grund für die Abschaffung in Bad Sooden-Allendorf gewesen sein. In anderen Gemeinden dagegen wurde sie genau deswegen erst gar nicht eingeführt. 

Zwei Gemeinden machten einen Rückzieher 

Vor Bad Sooden-Allendorf wurde schon in Tangstedt, Schleswig-Holstein, beschlossen, die 2017 eingeführte Abgabe für Pferdebesitzer rückwirkend wieder abzuschaffen – weil sie unwirtschaftlich sei und dem Ruf der Gemeinde schädige, berichtet das Portal propferd.at. Doch nicht nur deswegen: Der Landtag von Schleswig-Holstein hatte die Abgabe im Frühjahr 2018 schlicht verboten. 
Laut Angaben der FN überlegten rund 300 Kommunen die Einführung einer Pferdesteuer, seitdem das Thema vor sechs Jahren aufkam. Nur drei davon setzten das Vorhaben in die Tat um. In der vierten Kommune Weißenborn (ebenfalls Hessen) wurde die entsprechende Satzung zur Einführung bereits aufgehoben, bevor die Steuer wirksam wurde. Auch hier wurde der große Verwaltungsaufwand als Grund genannt.
Aktuell gibt es damit noch zwei Gemeinden in Deutschland, in denen eine Pferdesteuer erhoben wird: Kirchheim (90 Euro) und Schlangenbad (300 Euro), beide in Hessen. 
Quellen: 

Helfen dir diese Artikel weiter?

Nadja ist Redakteurin, Buchautorin und pferdeverrückt. Auf der Suche nach einer besseren Beziehung mit dem Pferd, einer klareren Kommunikation und mehr Verständnis stieß sie auf den Horsemanship-Ansatz. Auf verstehepferde.de schreibt sie über ihre Erfahrungen und den fairen Umgang mit dem Pferd.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.