Weil das Isländer-Jungpferd Herr Freyr mir als „nicht so einfach“vermittelt wurde, habe ich beschlossen bei ihm „Reset“ zu drücken und ihn ganz neu zu starten. Wir fangen mit Herrn Freyr also in der Pferdegrundschule ganz von vorne an. Streicheln mit dem Stick inklusive.

Im täglichen Umgang ist Herr Freyr problemlos. Er ist neugierig, kommt mit gespitzten Ohren auf der Koppel zu mir. Halfter anziehen ist solala in Ordnung. Ein bisschen angespannt ist er noch, aber er bleibt stehen.

WEB_Sabine_2_3Strick & Stick

Für den Anfang benutze ich ein Knotenhalfter und einen normalen Führstrick. Dazu nehme ich noch ein Stick mit leichtem Seilchen und ein längeres schwereres Seil mit. Man weiß ja nie, ob man es vielleicht doch braucht und dann hat man es schnell zur Hand. Wenn gerade kein Stick zur Hand ist, schnappe ich mir auch schnell mal ein Ästchen aus dem Wald. Auch das funktioniert.

Herr Freiyr leichtes Seilschwingen 2

Warum man den richtigen Swing braucht

Das Schwingen mit dem Seil übers Pferd wird immer wieder diskutiert. Ich weiss, dass es gezielt eingesetzt eine ganze Menge über das Pferd verrät, das man da vor sich hat.

Herr Freyr noch skeptisch

Entspannt weiterschwingen

Entspannt weiterschwingen 2

Herr Freyr schaut

Wichtig dabei: Ich möchte es nicht Desensibilisieren. Ich will nicht, dass es dasteht und alles „über sich ergehen“ lassen muss. Sondern ich möchte eine Kommunikation aufbauen. Das Pferd soll verstehen, dass Menschen immer mal komische Sachen machen. Wenn ich mit einem Seilchen über den ganzen Pferdekörper schwingen kann, dann hat es auch in der Zukunft keine Angst, wenn es an irgendeinem Körperteil aus Versehen mit einem Seil/Gerte/was auch immer berührt wird. Im Grunde genommen ist Schwingen auch nicht das richtige Wort.

So geht’s richtig: Ich werfe das Seil so über das Pferd, das das Seilende immer auf der anderen Seite auf den Boden fällt. Es soll niemals auf den Pferdekörper klatschen. Dann wird es geschmeidig wieder zurückgezogen, was sich wie ein Streicheln mit dem Seil anfühlt.

Herr Freyr und das Schwingen

Herr Freyr bleibt erstmal skeptisch stehen, als ich damit beginne, das Führseil über seinen Rücken zu werfen. Aber entspannt ist er nicht. Der Po ist eingeklemmt und er steht stocksteif da. Ich behalte meinen ruhigen Rhythmus bei und singe ein Liedchen …..

Isländer Schwingen 3

Isländer Schwingen 4

Isländer Schwingen 5

Isländer Schwingen 6

Bei jedem „Loswerfen“ zuckt die Hinterhand, beim Zurückziehen ist alles in Ordnung.

„Solala“ scheint Herr Freyr zu sagen. Und: „ich habe noch ein wenig Angst“.

Zu diesem Zeitpunkt ist es enorm wichtig ein Seil auch ordentlich werfen zu können und dabei äußerst entspannt zu sein. Ein falscher Wurf mit einem Seil, das unsanft an die Kruppe knallt, kann diese Art der Arbeit zunichte machen. Das würde das Pferd bestätigen in seiner Angst. Es ist wichtig, immer auch mit Höflichkeit, Gefühl und Respekt zu handeln.

Ich schwinge also immer ruhig und gelassen weiter.

Das Ergebnis: Herr Freyr entspannt sich bald, die Hinterhand zuckt nicht mehr, er leckt die Lippen.

„Alles in Ordnung“ sagt er sich. Und: „komische Sachen machen die Menschen……“

Isländer Schwingen 7

Zwischendurch wird er immer ausgiebig gelobt, wenn er entspannt und ruhig steht. Das ganze Prozedere mache ich natürlich von beiden Seiten. Pferde haben zwei Gehirnhälften, die unabhängig voneinander funktionieren. Deswegen ist es wichtig, immer beide Seiten gleich zu trainieren.

Herr Freiyr leichtes Seilschwingen

ACHTUNG: Mir ist es wichtig zu sehen, wie die Reaktion von einem Pferd auf dieses „komische Seil-Ding-Schwing“ ist. Denn wenn schon ein Seilchen auf dem Rücken ein Pferd schockiert – braucht man an Reiten gar nicht erst zu denken.

Die Hausaufgaben?
Diese Seilübung werde ich in den nächsten Tagen immer wieder wiederholen. Aber nur kurz. Das Pferd soll sich nicht langweilen oder abstumpfen dabei. Ich will sehen, ob das Pferd wirklich gelernt und verstanden hat.

WEB_Sabine_2_4

Beim nächsten Mal?
Nächstes Mal steigere ich mit dem Seil auf Stufe 2. Ich werde testen, wie sich Herr Freyr mit dem Seil um sein hübsches Köpfchen fühlt und ob ich mich vielleicht sogar schon einmal auf seinen Rücken legen kann. Da Herr Freyr sich vorbildlich geschlagen hat in der ersten Woche, können wir vielleicht sogar schon zu Schritt 2 in der Grundschule übergehen.

Kleiner Fotoausblick – so gehts weiter in zwei Wochen:

WEB_Ausblick_2_1

WEB_Ausblick_2_3

14 Kommentare zu “Die Einschulung: Herr Freyr hat seine erste Schulstunde

  1. Ann-Christin sagt:

    Wow! Das ist eine super Idee, so ein Ausbildungsserienbericht. Ich mag solche Serien sehr gerne und werde diese hier sicher mit Feuereifer verfolgen. Spannend, wie unterschiedlich NHS ausgelegt werden kann! 🙂

    • Sabine sagt:

      Liebe Ann-Christin,

      das ist schön, das wir dich begeistern konnten bzw. noch begeistern werden. Horsemanship wird wirklich unterschiedlich ausgelegt, einfach deshalb, weil jeder Mensch eben verschieden ist und mit anderen Zielen an sich und seinem Pferd arbeitet.

  2. Miriam sagt:

    Liebe Sabine,

    was für ein schöner Satz "Es ist wichtig, immer auch mit Höflichkeit, Gefühl und Respekt zu handeln.". Leider passiert das viel zu selten. Oft wird nur Repsekt und Höflichkeit vom Pferd verlangt, aber man selber benimmt sich wie der letzte Trottel.
    Ich werde heute mal mit meinem Pony ausprobieren, was er von schwingenden Seilen über seinem Rücken hält. Er kennt allerdings schon, dass ich manchmal merkwürdige Ideen habe und hatte auch schon einen aufblasbaren Delfin und einen Gymnastikball auf sich "reiten". Kann ja dann mal berichten wie er es fand.

    Liebe Grüße
    Miriam

    • Sabine sagt:

      Hallo Miriam

      (schmunzel) Das mit dem Delphin ist ein coole Idee – Freyr würde allerdings sicher Fluchtgedanken hegen, wenn ich mit so einem Aufblasding ankommen würde. Also wenn es so ein richtig großes ist, wie für die Kinder im Schwimmbad. Einen Gymnastikball haben wir hier auch zum Spielen, er ist nicht prall mit Luft gefüllt, so daß er etwas träger ist und nicht unkontrolliert herumrollen kann.
      Und es ist ein schönes Ziel: in den Augen seines Pferdes nicht wie ein Trottel auszusehen, sondern wie ein Pferdemensch, bzw. ein pferdeverstehender Mensch!
      Ich freue mich über deine Berichterstattung!

  3. Miriam sagt:

    Liebe Sabine,

    wir haben genau so einen großen aufblasbaren Delphin für’s Schwimmbad. Mein Pony findet ihn lustig und jagt ihm, wenn ich an der Longe durch die Halle ziehe mit Freude hinterher. Ebenso wie seinem Gymnastikball. Er kann gar nicht genug vom Ball spielen bekommen, damit kann ich ihn so gut wie immer begeistern auch wenn er sonst auf nichts Lust hat.

    Die Seilübung fand er eher langweilig. Er hat das Seil völlig problemlos am Rücken, den Beinen an der Kruppe und am Hals akzeptiert und sich wohl gefragt, warum ich das eigentlich mache. Aber er ist sowieso einfach ne coole Socke und kennt Angst glaube ich eher vom Hören Sagen.
    Eine gute Übung war es trotzdem, kann ja immer auch mal sein, dass man sich mit dem Seil verwickelt und dann ist es blöd, wenn das Pferd in Panik ausbricht. Außerdem freue ich mich immer über neue Ideen wie man den kleinen Ponymann beschäftigen kann. 🙂

    Liebe Grüße
    Miriam

    • Sabine sagt:

      Hallo Miriam,

      genau so handhabe ich das auch mit diesen Rhythmus-Spielchen, egal ob mit Seil, Schirm oder Plane etc. mir ist es immer wichtig zu sehen, wie das Pferd darauf reagiert um im täglichen Zusammensein einfach viel über dieses Pferd zu wissen, bzw. dem Pferd vielleicht auch durch diese Spielchen die Angst zu nehmen um Platz für seine natürliche Neugierde zu machen. Wenn alles in Ordnung ist – so wie bei euch – dann belasse ich es auch dabei.

      Viel Spaß weiterhin mit deinem coolen Ponymann!

  4. Barbara sagt:

    Ich freue mich auf die weiteren Berichte. Wir haben seit gut 18 Monaten einen Islaenderwallach, den wir nach seiner ersten Grundausbildung uebernommen haben im Alter von damals knapp 5 Jahren. Das Pferd kann mehr als ich,und so will ich fuer uns zusammen nochmals mit ihm zusammen in die Grundschule gehe.:-):-) dafuer ist der Bericht eine tolle Anregung.

    • Sabine sagt:

      Liebe Barbara,
      Und ich freue mich über die vielen begeisterten Leser dieser Serie. Das motiviert sehr und zeigt mir das das "Projekt Freyr" eine wirklich gute Sache ist. Mir macht es wahnsinnig Spaß zu sehen wie toll sich Freyr entwickelt und werde fleißig weiterschreiben. Bis bald
      Sabine

  5. Barbara sagt:

    Liebe Sabine,

    unserer Wallach hat übrigens eine besondere Aufgabe: er musste sich von Anbeginn mit zwei Reiterinnen (mich und meine 18 jährige Tochter) anfreunden, wobei ich eine Späteinsteigerin bin. Und bisher hat es sich als "Dreierteam" sehr gut entwickelt – besonders faszinierend ist, dass der Gute sich tatsächlich jeweils an seinem Reiter orientiert und dabei sehr unterschiedlich auch umgeht – auf sehr angenehme Weise. Wir haben ihn auf einem reinen Isländerhof in Offenstallhaltung, und immer wieder auch sachkundige Unterstützung mit regelmäßig Reitstunden und Korrektur. Es macht sehr viel Freude.
    Gruß
    Barbara

    • Sabine sagt:

      Hallo Barbara,
      das hört sich sehr harmonisch an, das ist toll! Pferde haben mit mehreren Menschen kein Problem sondern wissen sehr genau, wer wie tickt…… allerdings hilft es doch enorm, wenn die Menschen (versuchen) das gleiche zu tun, also nicht sehr unterschiedlich trainieren, sondern die Inhalte in der gleichen Form bei dem Pferd abfragen.
      Bei uns wohnen die Isis auch mit anderen Rassen zusammen und witzigerweise spielen die Isländer immer mit den Nicht-Isländern, anstatt (wie man ja annehmen würde) mit ihresgleichen.
      Viel Freude weiterhin
      Sabine

  6. Daniela Wohlmuth sagt:

    Toller Artikel, und vor allem sehr spannend für mich. Ich besitze seit Mai 2014 einen 6 Jaehrigen Isi , der mit mir eingeschlossen, schon ca drei Menschen aus den Sattel bekam. Dann begann ich auch mit NHS und begriff dadurch erst was da so alles schief gelaufen ist.
    Also da kamen dann sehr interessante Verhaltensmuster zum Vorschein….
    Darum habe ich so ziemlich viel über seinen Rücken gelegt, bevor ich wieder aufgestiegen bin.
    Der erste Reiter war ein 40kg Blumenerdensack auf den Sattel liegend. 😀

    • Sabine sagt:

      Liebe Daniela,

      es freut mich sehr, das dir die Serie gefällt. Ein Neustart kann wirklich oft helfen um dann Schritt für Schritt wieder in die richtige Richtung zu kommen.

      Trotzdem kann es sein, das ein vorbelastetes Pferd in Stresssituationen wieder in alte Verhaltensmuster fällt.

      Einen Sack Blumenerde als Reiter zu benutzen kann auch helfen. Wie hat er denn da reagiert? Wenn ihm Blumenerde sympatisch ist, dann hatte der Sack wohl einen guten ausbalancierten "Sitz". Er hat nicht geklemmt, nicht gewackelt und ist nicht gegen die Bewegung des Pferdes gegangen.

      Also? 🙂
      (ich hoffe du verstehst Spass!)

      Du musst nur genauso gut reiten können, wie ein Sack Blumenerde!

      Liebe Grüße

      Sabine

    • Petra sagt:

      Klar kannst du unseren Newsletter abonnieren, wenn du möchtest. Die Serie mit Freyr ist aber erst einmal abgeschlossen. Herr Freyr hat die Grundschule mit 1+ bestanden 😉 Du hast dir gerade den ersten Teil angeschaut. Wenn du dich weiter durchklickst, kannst die sie der Reihe nach lesen:

      Hier findest du alle Teile zusammengefasst: 1 PS mit 4 Gängen

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