Wenn wir wollen dass die Pferde uns vertrauen, müssen wir ihnen immer wieder zeigen, dass wir ihr Vertrauen auch wert sind. Als Fluchttier vertraut uns das Pferd jedes Mal sein Leben an, wenn es mit uns geht – zumindest in seinen Augen. Deswegen können Techniken, die zu mehr innerer Gelassenheit führen sehr hilfreich sein für den Alltag mit deinem Pferd. Wenn wir die Pferde nicht dominieren wollen, sondern ihr Herz und ihre Seele erreichen wollen, eine Partnerschaft erreichen wollen, müssen wir immer wieder an uns arbeiten.

Horse Aikido Frei Reiten Bogenschiessen

Nicht umsonst gibt es dieses wunderschöne Zitat: Pferdetraining ist vor allem Arbeit an uns selbst. Ich weiß gerade nicht von wem es ist, wenn du es weißt, dann schreib mir gerne einen Kommentar! Aber zurück zum Thema: Wie können wir an uns selbst arbeiten und was braucht das Pferd, um sich wohlzufühlen? Ein Weg können Tanz und Kampfkunst sein, sagt Pettra Engeländer. Sie ist Weltmeisterin im Natural Horseback Archery und Pferdetrainerin. Sie verbindet Tanz mit Kampfkunst, Bogenschiessen und Liberty mit Pferdetraining.

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Im ersten Teil dieser Serie, habe ich HIER erzählt, wie du an deiner Standfestigkeit und deinem unabhängigen Sitz arbeiten kannst und warum das so wichtig ist für dein Pferd, um dir wirklich vertrauen zu können.

Im zweiten Teil erzähle ich dir jetzt von HorseAiKiDo und wie dir Übungen und Gedanken aus der Kampfkunst zu mehr mentaler Stärke verhelfen können.

Pettra Engeländer bietet ein eigenes Lehrsystem an, das sie HorseAiKiDo genannt hat. Da geht es um Bewegungsanalyse von Reiter und Pferd, Sitzschulung, Reiten ohne Hilfsmittel und persönliches Coaching. Mehr über ihr Training erfährst du HIER auf ihrer Webseite.

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Ein Beispiel: Wallache stehen auf der Weide nebeneinander. Sie spielen auf den ersten Blick miteinander. Sie stehen fest mit beiden Beinen nebeneinander. Sie schubbern mit Kopf und Maul aneinander, schieben das Maul des anderen immer wieder weg. Solange bis einer von beiden einen kleinen Schritt zur Seite weichen muss, weil er für einen kurzen Moment die Balance verloren hat. Es ist zwar ein Spiel, aber es ist auch eine Form des „wer bewegt wen“. Sie checken sich gegenseitig ab und prüfen die Standfestigkeit des anderen. Genauso wie sie einander abchecken, checken Pferde auch den Menschen innerhalb von Sekunden ab.

Sie testen also mit dem Kopf, ob wir einen guten Stand haben. Ab der ersten Sekunde checken sie unsere Stimmung, unsere innere Haltung, ob wir authentisch sind, wie wir uns bewegen und ob wir uns bewegen lassen.

Die Kampfkunst kann uns lehren fest mit beiden Beinen zu stehen, den Körper zu beherrschen und ein Gefühl für den Raum zu bekommen.

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Die Kampfkunst. Aikido und Ringen sind auch Teil des Kurses. Ein Meister der Kampfkunst kommt und zeigt uns erste Übungen und Ideen. Ringen? Denke ich noch… aber ich lerne schnell, dass es auch hier wieder um Körpersprache, Fokus und Konzentration geht.

Ringen ist wie Schachspielen, erklärt der Meister und Buchautor Manouchehr Moshtagh Khorasani.

HIER findest du mehr über ihn und seine Bücher: Persian Archery and Swordsmanship*

Es ist Strategie. Du musst die nächsten Züge des Gegenübers vorausahnen und planen, du musst einen festen Stand haben und du musst wissen, was du willst. Aha, denke ich. Wieder wie im Pferdetraining.

Es ist ein Geben und Nehmen. Es geht um Druck und um das Nachlassen des Drucks. Denn auch dadurch kannst du beim Ringen dein Gegenüber aus der Balance bringen. Das Timing ist also das allerwichtigste dabei. Genau wie bei der Arbeit mit Pferden.

Horse Aikido

Ringen und reiten = Haltung und Kontakt

„Die Schnelligkeit ist der Feind der Kampfkunst – es geht um die Economy of Motions.“ Sagt Meister Manoucha – während er mit bedachten und klaren Bewegungen auf uns zukommt.

Beim Ringen und der Kampfkunst müssen wir immer in Kontakt bleiben mit unserem Gegenüber. Tun wir das nicht, kann er uns zu Fall bringen. Die Bewegungen beim Kampf sind also im Grunde auch wie ein Tanz oder ein sich dahinschlängelnder Fluss. Auch das können wir auf die Arbeit mit Pferden übertragen. Wir sollten nie den Kontakt zu ihnen verlieren. Damit meine ich nicht den Zug am Zügel oder eine zerrende Hand, die behauptet Anlehnung zu sein, sondern die feine leichte Verbindung zwischen Pferd und Mensch. Das kann auch ein mentaler Kontakt sein. Egal ob wir das Pferd führen, Reiten oder einfach nur den Zügel nachfassen – es sollte eine flüssige und fast schon tänzerische Bewegung sein. Denn das Pferd wird diesen Kontakt immer spüren, genau wie den Kontaktverlust.

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Das kennst du vielleicht auch von dir. Du fasst den Zügel nach und lässt dafür kurz los. Schon hast du den Kontakt verloren. Du kannst es aber auch in einer flüssigen Bewegung machen.

Gleichzeitig lernen wir beim Ringen, den Kontakt nicht zu scheuen und zu fallen. Das Gefühl der eigenen Kraft, das Bewusstsein über die eigene Standfestigkeit, lässt auch das Bewusstsein und den entspannten aber klaren Willen dem Pferd gegenüber steigen. Ich merke, wie ich nach zwei Tagen bewusster laufe, meinen Oberkörper klarer setze und mit mehr Fokus und auch ein bisschen Stolz auf dem Pferd sitze. Und ich spüre, wie Merlin am zweiten Tag feiner, weicher und losgelassener auf meine Hilfen reagiert.

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Was wir von Bogen, Aikido und Kampfkunst für das Pferdetraining lernen können:

  • Ein gutes Bauchgefühl für das Gegenüber
  • Erfahrung für Bewegungen und Körpersprache
  • Demut – denn wir können nicht immer gewinnen
  • Das Bewusstsein dafür, dass Leistungsdruck und falscher Ehrgeiz uns nicht weiterbringen

HorseAiKiDo – Es geht immer wieder um den Fokus:

Wenn ich ständig darüber nachdenke, welches Bein ich wo anlegen und welchen Zügel ich wo öffnen oder anlehnen muss, habe ich jede Verbindung zum Pferd verloren und bin innerlich und manchmal auch äußerlich ziemlich verknotet.

Wenn ich aber meinen Kopf ausschalte, fühle und einfach dorthin den Fokus setze wo ich hin will, macht es das Pferd fast von alleine.

Ein Beispiel: Du kannst „anhalten“ sagen zu deinem Pferd. Mit deinen Worten, deinem Zügel oder deinen Beinen. Vielleicht wird es anhalten, vielleicht auch nicht. Du kannst aber auch „anhalten“ denken, ausatmen, Energie an einem bestimmten Punkt abgeben und dir vorstellen wie du und dein Pferd an genau diesem Punkt anhalten werdet – und ihr werdet sehr sicher genau dort anhalten. Dann, wenn du es zulässt, wirklich fühlst und wirklich meinst.

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Im dritten Teil gibt es nächste Woche noch ein ausführliches Interview mit der Pferdetrainerin und Meisterin im Berittenen Bogenschießen – Pettra Engeländer, darüber was Pferde wirklich von uns brauchen und wie wir ein sicherer Ort und gelassener Partner für die Pferde werden können.

Frage: Hast du schon Entspannungstechniken, die du nutzt? Schreib mir gerne – ich freue mich auf deinen Kommentar
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4 Kommentare zu “Vertrauen und Achtsamkeit: Techniken für mehr Gelassenheit mit dem Pferd

  1. Heidrun sagt:

    Hallo liebe Petra,
    als Entspannungnutze ich das Zählen und entsprechende Atmen, das empfinde ich als wirklich einfach und praktikabel.
    Das Reiben mit dem Kopf kenne ich von meinem Wallach auch – jetzt weiß ich was es bedeutet – Danke ☺
    Was heißt es, wenn meine Stute die Oberlippe ganz hoch zieht, es sieht aus, als ob sie lacht….
    Danke für die super tollen Beiträge und ein schönes Wochenende
    Heidrun

    • Petra sagt:

      Hallo liebe Heidrun, spannend gell? Ich fand das mit dem Kopfreiben auch sehr interessant. Das "wer bewegt wen" fängt eben sehr früh an. Dieser Gesichtsausdruck deiner Stute ist wahrscheinlich das Flehmen – meinst du das? Damit nehmen Pferde Gerüche intensiver wahr. Wenn sie also was gutes riecht zum Beispiel. Oder es ist das Putzgesicht – begeistert – wenn du an den richtigen Stellen kratzt. So oder so ist es ein guter Gesichtsausdruck 🙂 Ganz liebe Grüße und eine schöne Woche, Petra

  2. Anke Borneis sagt:

    Huhu, schöne liebevolle Seiten, ich reite aus meinem Herzen……..eben so wie ich lebe……in absoluten Respekt und Achtung dem Tier – Tieren, der Natur und allem…was lebt und ich lebe, liebe und atme, nicht immer (grins) aber immer öfter, hab Lust euch kennen zu lernen und zu erleben.

    Liebevolle Grüsse mit einem 🙂
    Anke

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