Du redest immer. Das ist Fakt.

Was genau ich damit meine und warum ich dir das erzähle? Weil das eine Bedeutung für dein Pferd und für eure Beziehung hat.

Dein Körper redet mit deinem Pferd, deine Gefühle sprechen eine Sprache, deine Stimmung spricht mit deinem Pferd, deine innere Haltung und deine Tagesemotion führt auch eine Unterhaltung mit deinem Pferd. Es ist unglaublich hilfreich sich das bewusst zu machen und der Umgang damit kann die Bindung zu unserem Tier sehr verändern. 

Vom Frieden in unserer Welt zur Heilung in unseren Körpern, von all unseren Beziehungen zu den Karrieren, denen wir nachjagen, sind wir ständig und ohne Ende im Gespräch mit der Welt.” (Gregg Braden)

Wir senden permanent Signale aus und sind uns dessen oft gar nicht bewusst, weil die verschiedenen Signale für uns relativ still und leise mitlaufen. Wir sind Sprachmenschen und merken oft gar nicht, dass unsere Gefühlsebene die ganze Zeit mitschwingt. Aber unsere Pferde merken diese Schwingungen.

Wie Pferde kommunizieren

Unsere Pferde und wir kommen im Grunde aus unterschiedlichen Welten. Dein Tier lebt im Gefühl und im Hier und Jetzt – es redet mit seinem Körper und seinen Emotionen und wir Menschen reden mit unseren Händen und unserer Stimme. Wir nutzen Wörter, während unsere Pferde Energie nutzen.

Jetzt können wir unseren Pferde natürlich unsere Wörter beibringen und machen das im Training auch. Das ist Konditionierung. Ich habe verschiedene Laute und Wörter, die ich für bestimmte Wünsche an mein Pferd nutze. Diese Laute und Wörter habe ich meinem Pferd mittels Körpersprache und Training beigebracht. Das ist wie ein Sprachkurs für mein Pferd.

Sprachkurs fürs Pferd

Wir können unseren Pferden in einer Art schneller Sprachschule verschiedene Wörter und Signale beibringen, die dem Pferd zeigen, was wir damit gerne von ihm hätten. Dafür müssen wir je nach Pferd entsprechend intensiv üben und wiederholen. Irgendwann verbindet das Pferd dann die Wörter mit den gewünschten Handlungen.

Meine kleine Sprachenschule: 

  • “Back” – für “Rückwärts gehen”
  • “Ssss”-Laut für “Langsamer werden”
  • Zweimal schnell hintereinander Schnalzen für “Antraben”
  • “Ho” für Anhalten
  • “Smile” für das “Lächeln” als Trick
  • “Keks” als Wort für “Jetzt gibts ein Leckerli” für besonders gute Leistungen
  • “Fein” und “Super” als Lobworte für Zwischendurch

Das alles haben wir unter Kontrolle. Es sind Worte, die wir bewusst verwenden und nutzen können. Aber das sind nicht alle Worte, die wir aussprechen, wenn wir mit unseren Tieren zusammen sind. Dazu kommt eine Vielzahl verschiedener Sprachelemente, die wir unbewusst ausstrahlen und mitsenden. Davon bin ich überzeugt.

Energie als Sprachinstrument

Tiere sprechen auf einer ganz anderen Ebene miteinander, die sich am besten als “Energie” beschreiben lässt. Diese Energie kann in Form unserer Gedanken, unserer Wünsche und Erwartungen, unserer inneren Spannungen und Emotionen und unserer Persönlichkeit mitschwingen. Sie wird übersetzt in unsere Körpersprache, Mikrobewegungen unserer Muskeln und Mimik und natürlich positive Energiewellen oder negative Spannungen – je nach Stimmungslage. Wir wissen es vielleicht nicht, aber wir tragen alle unsere Emotionen und unsere Persönlichkeit vor uns her.

Schüchterne oder unsichere Menschen ziehen vielleicht die Schultern ein klein wenig mehr ein. Sehr selbstbewusste Menschen tragen ihr Ego wie eine Mauer vor sich her. Perfektionisten kommen vielleicht manchmal zu verkrampft fürs Pferd daher und Chaoten strahlen unter Umständen verwirrende Signale für das Pferd aus.

Ein paar Beispiele:

  • Wenn wir uns unseres Wunsches an das Pferd unsicher sind, strahlen wir beispielsweise diese Unsicherheit aus.
  • Wenn wir versuchen jemand zu sein, der wir nicht sind, wird unser Pferd auch das spüren.
  • Wenn wir versuchen laut und stark aufzutreten, obwohl wir uns nicht so fühlen, wird unser Pferd diese Unsicherheit viel lauter hören und spüren als die lauten Worte oder Gertensignale.
  • Wenn wir Angst haben und versuchen diese Angst zu verstecken, wird das Pferd die Angst unter dem Deckmantel des vermeintlichen Selbstbewusstseins spüren und verwirrt sein.

Das ist manchmal schwierig, weil wir unseren Pferden im Idealfall Klarheit, Stärke und Fokus schenken wollen. Aber letztlich ist das ja Teil des Weges und Teil des Geschenkes, das uns die Pferde machen können, wenn wir uns darauf einlassen: Wir können ein besseres “Ich” werden. Sie stärken und fördern uns und spiegeln uns durch ihre Sensibilität, wo unsere inneren Baustellen liegen und wer wir eigentlich sein können, wenn wir uns auf diese Reise begeben.

Pferd Persönlichkeit Dominant Carey

Wir können nicht “Nicht-Kommunizieren”

Dafür müssen wir uns nur eines bewusst machen: Wir können nicht “Nicht-Kommunizieren”. Selbst wenn wir still in der Ecke stehen und einfach nur in die Welt schauen, sagen wir auch damit etwas. Je nachdem, was zu diesem Zeitpunkt gerade unsere Gedanken beherrscht.

Wenn ich beispielsweise mit meinem Pferd nach der Freiarbeit in der Halle stehe und es vielleicht eilig habe, mir dann dringend wünsche, dass meine Stute jetzt auf ein leichtes Eindrehen meiner Schulter zu mir kommt, dann wird sie garantiert nicht kommen. Denn ich rede auf einer anderen Ebene mit ihr und schicke ihr dadurch die unbedingte und etwas dringliche Erwartung “Komm! Jetzt! Sofort!” mit. Sie spürt die Ungeduld, die in mir mitschwingt und genau das sorgt dafür, dass sie Druck wahrnimmt, der sie von mir abhält und wegtreibt.

Das passiert uns immer wieder, weil ich ein ungeduldiger Mensch sein kann. Und weißt du was? Mein Pferd hat Recht! Es sagt mir mit seinem “Nein”, dass ich die falschen unbewussten Signale und Worte aussende und bitte an meiner Haltung und Ungeduld arbeiten soll.

Wie sie dann die Lösung aus? Ich versuche bewusst und tief zu atmen, pappe mir ein Lächeln auf die Lippen und versuche alle Gedanken loszulassen. Dann versuche ich mich zu entspannen und jeden Zeitdruck, jede Ungeduld und Eile zu vergessen. Ich atme immer bewusster und tiefer, mache mich vielleicht kleiner und versuche an schöne Dinge zu denken.

Ich versuche loszulassen und als erstes arbeite ich daran den Wunsch loszulassen, dass mein Pferd JETZT SOFORT KOMMEN soll. Je nachdem wie gut es mir gelingt – manchmal dauert es länger, manchmal geht es schneller bis ich wirklich loslassen kann – fängt meine Stute irgendwann an den Kopf abzusenken, die Ohren zu mir zu spitzen und langsam auszuschnauben. Wenn ich es dann schaffe weiter in dieser entspannten und losgelassenen Stimmung zu bleiben, kommt sie irgendwann zu mir. Manchmal stehe ich an solchen Tagen 15 oder 20 Minuten in der Halle, bis sie kommt – manchmal stehe ich nur 1 Minute.

Deswegen ist das Reiten und Training mit inneren Bildern so unglaublich hilfreich für eine schöne Trainingssession mit dem Pferd. Wenn wir uns bildlich bewusst machen, was wir gemeinsam erreichen wollen in den kommenden 5 Minuten oder 10 Minuten oder 30 Minuten Training und uns immer genau vorstellen, was wir als nächstes von unserem Pferd erfragen, dann wird das Pferd dieses Bild wie ein Signal empfangen. Denn wir und unser Körper strahlen dann genau das aus und senden diese Botschaft zusammen mit unseren Signalhilfen an das Pferd.

Ein Beispiel: 

  • Wenn du willst, dass dein Pferd schön antrabt, dann stelle dir genau vor, wie dein Pferd gleich auf ein leises Schnalzen hin leicht und energetisch antrabt.
  • Stelle es dir wie ein wunderschönes Video in deinem Kopf vor.
  • Jeden einzelnen Schritt.
  • Dein Körper wird deinem inneren Film folgen und dann wird das Pferd deinem Körper folgen.

Wenn du also das nächste Mal mit deinem Pferd zusammen bist, dann denke immer daran, dass du nicht “Nicht-Kommunizieren” kannst und denke an dieses wunderschöne und zum Durchatmen inspirierende Zitat von Gregg Braden:

Vom Frieden in unserer Welt zur Heilung in unseren Körpern, von all unseren Beziehungen zu den Karrieren, denen wir nachjagen, sind wir ständig und ohne Ende im Gespräch mit der Welt.

Du bist immer und ohne Ende im Gespräch mit deinem Pferd, mit der Natur und den Menschen um dich herum – selbst wenn du gerade schweigst.

Sollte etwas mit deinem Pferd nicht klappen, dann kann das natürlich auch daran liegen, dass dein Pferd einen schlechten Tag hatte oder euch irgendeine andere Laus über die Leber gelaufen ist, aber es kann und wird ziemlich oft auch daran liegen, dass du gerade im Gespräch mit deinem Pferd bist und vielleicht mit deinem Körper, deiner Energie und deinen Gefühlen etwas gesagt hast, was dein Pferd verwirrt.

Zitate Gregg Braden Pferde

Wer ist der Zitategeber – Gregg Braden:

Gregg Braden ist ein amerikanischer Wissenschaftler und setzt sich mit der Wirkung von Spiritualität auseinander. Manches ist ein bisschen esoterisch und man muss nicht alles von ihm mögen, aber es gibt immer wieder Gedanken und Zitate von dem amerikanischen Wissenschaftler und Autor, die zum Nachdenken anregen können.

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Pferde machen glücklich. Sie sind unsere Lehrmeister, auf dem Weg zu dem besten “Ich”, das wir werden können. Daran glaube ich fest. Es ist wichtig, dass wir ihnen zuhören und lernen sie zu verstehen. Dann schenken sie uns besondere Momente. Diese Momente machen süchtig. Im echten Leben bin ich professionelle Journalistin. Das versuche ich hier in die Welt der Pferde zu übertragen. Ich schreibe die Artikel, führe die Interviews und besuche die Kurse für mehr Pferdewissen. Mein Mantra: Sei ein sicherer Ort für das Pferd.

4 Kommentare zu ““Wir sind ständig im Gespräch mit der Welt” (Gregg Braden)

  1. Miriam sagt:

    Liebe Petra,
    wieder ein richtig toller Artikel, den ich mir zu Herzen nehmen sollte. Immer wieder passiert es mir, dass ich meine Körpersprache aus dem Blick verliere. Danke dir für den Denkanstoß. Unsere Pferde nehmen so viel mehr war als wir denken. Das merke ich immer wieder bei meinen dreien.
    Liebe Grüße
    Miriam

    • Petra sagt:

      Liebe Miriam, wie lieb – danke! Geht uns das nicht allen so? :-) Ich gehe oft nach Hause und grüble, was ich mal wieder nicht so ganz perfekt gemacht habe. Unsere Pferde sind so geduldig und nett mit uns, das denke ich oft. Ganz liebe an dich und deine drei, Petra

  2. Boris sagt:

    Liebe Petra,
    auch ich war wieder dabei, nachzugrübeln, wie das Verhältnis zwischen meinem Pferd und mir noch feiner, besser und intensiver werden könnte. Ich habe mich gefragt, wie ich das, was ich möchte, verständlicher für mein Pferd machen kann. Und bin (zum Glück) über ein Buch gestolpert, welches ich nur wärmstens empfehlen kann:
    "Sprachkurs Pferd: Pferdesprache lernen in wenigen Schritten"

    Der Sprachkurs für "Pferdisch"! Zugegeben, das hört sich ziemlich abgehoben an, aber mir ist bewußter geworden, wie ich meine Körpersprache, meine Gedanken und Gefühle so steuern kann, dass mein Pferd sie nicht nur versteht, sondern sogar beginnt, mir zu antworten. Ich habe es ausprobiert, und ich war wirklich überrascht von dem Dialog, den wir (Pferd und ich) nach und nach beginnen und fortsetzen können.

    Das Schönste dabei ist: Hakon gibt mir ein gutes Gefühl, wenn wir so miteinander zu "sprechen" beginnen, und es ist, als hätte ein "Aha"-Effekt eingesetzt, als wolle er sagen: endlich haben wir eine gemeinsame Basis gefunden, uns gegenseitig zu verstehen. Also: unbedingt lesen! (finde ich).
    So wird es leichter, zu kommunizieren, und sich zu fokussieren, und macht das Miteinander noch schöner!
    Liebe Grüße von Boris

    • Petra sagt:

      Lieber Boris, vielen Dank – Buchtipps werden immer gerne entgegengenommen. Das klingt auf jeden Fall spannend und dein Pferd scheint ja auch happy zu sein, dass du es entdeckt und gelesen hast :-) Ganz liebe Grüße an dich und Hakon und bis bald, Petra

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