Artikel aktualisiert am 02.03.2017

Darf ich dich auf eine Reise mitnehmen? Eine Reise zu deinem Pferd, zu all den kleinen und großen Momenten, die ihr miteinander teilt und eine Reise in eure Vergangenheit. In eure Anfänge zum Beispiel oder in die ersten gemeinsamen Monate und Jahre. In dein Leben, bevor dein Pferd da war und in die letzte Woche, die letzten Monate. Eine Reise durch dein Leben und deinen Alltag mit deinem Pferd. Eine Gedankenreise durch die letzten Tage und Wochen. Das Ziel dieser Reise? Achtsamkeit, Erkenntnis und vielleicht auch Glück. Das liegt bei dir.

Gedankenreisen Pferd. Beide Wörter klingen zusammen erst einmal esoterisch und vielleicht auch ein bisschen merkwürdig. Und du fragst dich vielleicht, warum du jetzt in meinen Gedankenzug einsteigen und mitreisen solltest? So esoterisch ist das gar nicht, ich kann dich beruhigen. Es ist einfach nur eine schöne Art und Weise, das Leben aus dem richtigen Blickwinkel zu betrachten. Und das wiederum wird dir zeigen, wie wundervoll schon vieles ist, wie viel du erreicht hast, es kann dir helfen deine Erwartungen gerade zu rücken oder deinen Stress zu minimieren, es kann dir dabei helfen dich selbst, dein Pferd und eure Beziehung zu entdecken.

Diese Reise hat vor allem ein Ziel: Mehr Glück und Zufriedenheit mit deinem Pferd.

Halsring Amber mit Pferd Profil BF-HRAM-BSXX/28

Denn immer wieder stelle ich fest – wenn ich Mails lese oder mit Pferdemenschen reden oder auch mich selbst ansehe – dass die Erwartungen oft sehr hoch sind. An uns und an unsere Pferde. Wir wollen oft zu schnell zuviel. Bei all den Erwartungen, die wir haben, vergessen wir dann manchmal die vielen kleinen Dinge, die jeden Tag passieren und die vielen Erfolge, die wir zusammen mit unseren Pferden haben. Und die kurze Zeit, die wir erst zusammen verbringen. Oder wenn das Pferd plötzlich anders ist, etwas nicht macht, was es schon konnte oder mal ein paar Tage nicht mehr ans Gatter kommt – hinterfragen wir manchmal zuviel.

Wir denken vielleicht, dass das Pferd doch schon mehrere Monate oder Jahre bei uns ist. Dass das doch klappen muss. Es nimmt ja schließlich einen so großen Teil in unserem Leben ein. Aber wie viel Zeit haben wir wirklich schon mit dem Pferd verbracht? Wie viel Zeit haben wir ihm und uns gegeben uns gegenseitig kennenzulernen und wieviel Zeit haben wir dem Pferd gegeben all die komplizierten Dinge und Lektionen zu lernen, die wir ihm abverlangen wollen? Um sich selbst klar zu machen, wie viel Schönes man schon als Team erreicht hat, kann so eine Gedankenreise eine tolle Sache sein.

Das hat auch einen ganz wunderbaren Nebeneffekt – wenn wir uns erst einmal klar machen, wie viel wir schon erreicht haben haben – wo wir standen und wo wir heute stehen – schaffen wir es viel besser im Training viele kleine Schritte mit dem Pferd zu machen. Weil wir zum Beispiel nicht verbissen versuchen müssen, endlich den perfekten Seitengang hinzubekommen, sondern uns schon über den kleinsten Schritt des Pferdes auf die Seite freuen können.

Lieb haben und freuen

Übrigens – so eine Gedankenreise kann vieles wieder geraderichten – egal um was es im Leben geht. Aber ganz besonders bei den Pferden. Weil ziemlich viele Erwartungen, Wünsche und Gedanken an dem Pferd hängen.

HIER findest du noch einen Artikel zu dem Thema “Erwartungen” und warum es vor allem wichtig ist, dass wir lernen wir selbst zu sein

TIPP! In einem Reitertagebuch kannst du immer alles festhalten und dann ab und an nachschauen. Du wirst sehen, dass ihr schon wahnsinnig viel zusammen erreicht habt. Wir haben HIER eines bei uns im Shop, das ich selbst nutze und sehr praktisch finde. Du kannst aber natürlich auch einfach einen Block oder Heft nehmen.

Trainingstagebuch Frontseite

Gedankenreisen Pferd

Deswegen mache ich die Reise immer mal wieder und jedes Mal steige ich mit einem Lächeln aus, atme tief ein und bin dankbar für all das, was ich während dieser Reise gesehen und erlebt habe. Ich gehe dann zu meinem Pferd, streichle ihr über die weiche Pferdenase und wir stehen zusammen. Einfach nur so. Weil wir gar nicht mehr brauchen als das, weil ich auf meiner Gedankenreise wieder einmal gesehen habe, wie viel wir schon zusammen erreicht haben. Und genau dieses Gefühl, wird dir mehr Glück und Zufriedenheit für dich selbst und für euer Beisammensein schenken.

HIER gibt es einen Artikel zu genau diesem Thema “Fokus – und wie er die Beziehung zu unserem Pferd verbessern kann”

Denn – das glaube ich fest – die Pferde verändern uns. Sie machen uns viele kleine und große Geschenke. Sie bringen uns zum Lächeln, sie machen uns größer und stärker.Weil sie uns beibringen das Augenmerk auf die wirklich wichtigen Dinge zu legen und weil sie von uns verlangen im hier und jetzt zu sein. Das ist vermutlich das größte Geschenk, das sie uns machen können. Aber sie machen uns auch viele kleine Geschenke, die wir oft gar nicht wahrnehmen.

Die kleinen Geschenke der Pferde

Meine Jungstute zum Beispiel macht mir immer wieder kleine Geschenke. Würde ich nur auf ihren Ausbildungsstand blicken, müsste ich vermutlich enttäuscht sein von uns beiden. Weder können wir am Boden richtig „Kruppe herein“ noch kann sie auf ein Signal hin angaloppieren und von Traversalen ganz zu schweigen. Die Hinterhand ist weit davon entfernt unterzutreten. Das sind die harten Fakten. Sie tut sich schwer damit sich zu biegen oder in Stellung zu laufen. Aber – und das ist das erste Geschenk – sie bemüht sich, für mich. Weil ich sie darum bitte, es zu versuchen. Obwohl sie vermutlich sehr wenig Sinn darin sieht.

Noch vor einem Jahr, hat sie sich aufgebaut und ist aufgeregt mit hoch erhobenem Kopf um mich herum getänzelt. Das war kurz nach ihrer Ankunft. Heute macht sie erste Schritte im Seitengang, nur auf eine leises Schnalzen und eine über ihrer Kruppe schwebenden Gerte. Sie ist unfassbar stolz, wenn ich sie dann lobe und das macht mich wiederum stolz. Ich bin glücklich. Weil sie sich bemüht.

Führstrick und Halsring amber im Einsatz BF-FSAM-BS/28 - BF-HRAM-BSXX/28

Noch ein Beispiel: Vor einem Jahr war an eine Sprühflasche in ihrer Gegenwart nicht zu denken. Allein das schütteln der Flasche hat sie in Aufregung versetzt. Dann kam der Herbst und der Winter. Es war nicht mehr nötig sie zu nutzen. Ich habe nicht daran gearbeitet oder trainiert. Dieses Frühjahr, mit der Rückkehr all der Mücken und Fliegen, habe ich das Fliegenspray wieder ausgepackt – voll Erwartung es mühsam trainieren zu müssen. Mein Pferd hat mir aber wieder ein Geschenk gemacht. Sie stand da – hat leicht nervös auf die Flasche geschaut, aber sie hat mich sprühen lassen und dann entspannt. Ich darf also heute etwas, was ich vor einem Jahr noch nicht durfte. Das macht mich glücklich. Weil sie mir genug vertraut um darauf zu vertrauen, dass ich auf sie aufpasse und sie beschütze.

Ich könnte diese Beispiele noch weiter aufzählen. Es gibt einiges, was ich heute darf und in den Monaten nach ihrer Ankunft nicht durfte. Egal ob es die Art ist, wie sie auf mich wartet, wie sie mir ihren Hintern entgegenstreckt weil sie gekratzt werden will oder wie sie nicht mehr versucht mich zu schubsen und stattdessen entspannt neben mir läuft. Wie sie auf ein Handsignal anhält oder mit dem Halsring neben mir von der Koppel an Grasstellen vorbeiläuft.

Bodenarbeit - anhalten

Klar, das ist alles keine Traversale, es ist kein Kruppe Herein, es ist kein Schulhalt und es ist auch nicht spanische Schritt oder andere große Trainingssektionen. Aber es sind viele kleine und große Geschenke, die das Pferd mir macht und die mir auf meiner Gedankenreise immer wieder in den Kopf gerufen werden, wenn ich darüber nachdenke, wie es noch vor einem Jahr war, als sie angekommen ist. Es ist auch die Art, wie ich heute bin und wie ich noch vor einem Jahr war. Sie hat in mir einiges losgestossen und verändert. Dafür bin ich meinem Pferd unglaublich dankbar. Auch das lässt mich lächeln.

Pferd grast entspannt

Welche Geschenke macht dein Pferd dir?

Ich wette, dass du von deinem Pferd auch jeden Tag all diese kleinen und manchmal auch großen Geschenke bekommst. Und ich wette, dass auch dein Pferd viel in dir verändert hat.

Ich würde mich freuen, wenn du mir in einem Kommentar ein paar Stationen deiner Gedankenreise schreiben würdest. Schreib mir einfach, was dir an Veränderungen und Geschenken durch den Kopf geschossen ist!

Wollen wir die Reise zum Glück starten?

Erst einmal die Frage an dich: Nimmst du all die kleinen Geschenke wahr, die dein Pferd dir macht? Und nimmst du all die kleinen und großen Dinge wahr, die sich verändert haben, seitdem die Pferde in dein Leben getreten sind? Und vor allem: seitdem dein Pferd oder deine Reitbeteiligung in dein Leben getreten ist? Ich meine ganz ehrlich und tief in dir drin: Nimmst du das wirklich wahr? Oder rollt der Alltag oft so schnell dahin, dass du gar nicht dazu kommst? Pferde können nämlich so eine Art Instant-Meditation sein – wenn wir uns erlauben, die großen Ziele und Pläne beiseite zu stellen, den Tag so zu nehmen wie er kommt und auch mal an all die kleinen Erfolgsschritte zu denken oder sie überhaupt bewusst wahrzunehmen.

Pferde verändern ganz viel in unserem Leben. Nicht nur die Art und Weise, wie unser Auto aussieht oder wie der Kleiderschrank riecht, sondern vor allem die Art und weise wie wir sind.

Ich wette, dein Pferd bemüht sich auch für dich und ich wette, dass du auch viele Gründe hast zu lächeln und Glück zu empfinden, wenn du dich auf die Gedankenreise eurer gemeinsamen Zeit begibst.

Warum es Wichtigeres gibt als “Kruppe Herein” und “Traversale”

Manchmal vergessen wir über dem rasenden Alltag, wie viel sich schon in unserer Beziehung zum Pferd verändert hat. Wir vergessen vielleicht auch, wie viel unser Pferd uns schon gibt. Jeden Tag. Weil wir große Erwartungen haben. Weil wir Stress und Zeitdruck haben. Weil wir in unserer Lebens- und Arbeitswelt immer die ganz großen Sprünge machen müssen. Weil unsere Gesellschaft nach dem Prinzip des „schneller, höher und weiter“ funktioniert und wir gelernt haben mitzulaufen. Deswegen sind wir vielleicht manchmal zu sehr in den Erwartungen gefangen. Wir stellen uns vielleicht vor, dass unser Pferd den Spanischen Schritt beherrschen soll und vergessen dabei zu sehen, dass es schon freudiger ans Gatter kommt als noch vor einem Jahr.

Wir hätten so gerne endlich perfekte Seitengänge und übersehen vielleicht, dass das Pferd schon einen Zentimeter mehr untertritt als noch vor einigen Monaten. Wir blicken zu unserer Stallkollegin, deren Pferd schon fast in höchster Versammlung unter ihrem Sattel quer über den Platz schwingt und ärgern uns, dass wir immer noch am aktivieren der Hinterhand arbeiten – statt zu sehen, dass unser Pferd vielleicht viel schöner antrabt und auf ein leises Ausatmen in den Schritt fällt.

  • Vielleicht kannst du gelassener „Nein“ sagen zu deinem Chef oder deinen Kollegen, seitdem du ein Pferd hast. Vielleicht ärgerst du dich nicht mehr so über das Wetter oder all die anderen kleinen Dinge, über die sich Menschen gerne ärgern, seit du ein Pferd hast. Weil es Wichtigeres gibt als das.
  • Vielleicht bist du ruhiger, ganz tief in dir drin, weil du für dein Pferd lernen musstest ruhiger zu werden. Vielleicht bist du aktiver und selbstbewusster geworden, weil dein Pferd einen selbstbewussteren Partner an seiner Seite brauchte. Vielleicht bist du auch gelassener oder weniger hektisch, weil dein Pferd dir diese Hektik sonst gespiegelt hat?
  • Vielleicht hat dein Pferd etwas ganz anderes in dir verändert?

Für jeden sieht diese Gedankenreise anders aus. Und jedes Pferd verändert unterschiedliche Dinge in uns. Genau wie jedes Pferd auch andere Geschenke macht.

Vertrauen Pferd

Lass uns losreisen!

Ich kann dir nicht genau sagen, wie deine Gedankenreise aussehen könnte oder in welchen Momenten du die Ruhe hast, loszureisen. Es ist deine Reise. Ich kann dir nur sagen, dass es gut tun kann, sich immer wieder daran zu erinnern, wie viel Gutes schon passiert ist, wie viel sich verändert hat und das Leben mit einem Lächeln zu betrachten.

Ich sitze vielleicht an der Weide und beobachte mein Pferd beim Grasen oder ich sitze im Auto und fahre zur Arbeit oder höre einen bestimmten Song und beginne nachzudenken, was sich verändert hat.

Du kannst die Augen schließen und dir wie in einem Film die ersten Tage und wochen mit deinem Pferd vorstellen, zum Beispiel wie dein Pferd angekommen ist:

  • Wie war es damals?
  • Wie hat es auf dich reagiert?
  • Wie war euer Training und euer Zusammensein in den ersten Tagen und Wochen?
  • Wie warst du damals?
  • Wie hätten deine Freunde dich damals beschrieben?
  • Wie hast du dich gefühlt – egal ob im Alltag, in der Familie oder auf der Arbeit

Vom Glück der kleinen Geschenke

Und dann reist du eine Station weiter. Je nachdem wie lange du und dein Pferd schon zusammen seid, kannst du durch die Wochen, Monate und Jahre reisen, die ihr zusammen verbringt und dir verschiedene Situationen vor Augen rufen.

  • Wie hast du in den Anfängen reagiert und wie reagierst du heute?
  • Was hat dein Pferd in den ersten Tagen und Wochen und Jahren für dich getan und was erlaubt es dir heute?
  • Waren die ersten Spaziergänge vielleicht voll Aufregung und Spannung und marschiert ihr heute im Gleichklang und entspannt durch die Natur?
  • Gibt es dir heute entspannter die Hufe, während es zufrieden da steht?
  • Lehnt es vielleicht seinen Kopf auf deine Schulter?

Stell dir eure gemeinsamen Momente vor und spätestens dann wird dir auffallen, wie viel sich verändert hat und spätestens dann wirst du lächeln und du wirst sehen, dass dein Pferd dir schon so viele Schritte entgegengekommen ist und viele kleine Geschenke gemacht hat und jeden Tag macht. Das macht glücklich.

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12 Kommentare zu “Kommst du mit auf eine Reise? Zu mehr Glück und Zufriedenheit

    • Petra sagt:

      Liebe Pezi, danke sehr für deinen Kommentar. Das freut mich sehr – ganz liebe Grüße an dich und deine Pferde, Petra

  1. Sylvia sagt:

    Ein sehr schöner Artikel, der einen dazu veranlasst mal anzuhalten und resüme zu ziehen. Mein Pferd kam als vierjähriger zu mir und ausser "ich kann niedlich gucken" konnte er nichts. Und mit nichts meine ich nichts! Ich habe mit viel Geduld, Bauchgefühl und der einen oder anderen mehr oder weniger hilfreichen Lektüre das Projekt "Ich bilde jetzt mal mein Pferd aus" ohne jeglichem Zeitplan gestartet. Und ja, es war nicht immer einfach und das eine oder andere lief auch mal suboptimal. Heute bin ich Stolz wie Bolle und freue mich riesig über seine Entwicklung. Was er mit seiner Geduld mir Gegenüber alles gelernt hat und mir alles beigebracht hat. Denn eines darf man nie unterschätzen, lässt man sich vollkommen auf das Wesen des Pferdes und seine Charaktereigenschaften ein, zeigt uns unser Pferd ganz genau, wie es lernen möchte. Somit habe ich eigentlich mehr von ihm gelernt ;). Das Wichtigste aber ist, sein Pferd jeden Tag neu zu entdecken und einzuschätzen (machen Pferde mit uns ja auch), egal wie lange man sich auch kennt. Was gestern vielleicht selbstverständlich war, kann heute eine richtige Herausforderung für unser Pferd sein. Pferde leben im hier und jetzt die Aufgaben situativ lösen (gute Tage, schlechte Tage) und vorallem mit Ihren Erfahrungen einschätzen. Somit darf man nie immer alles voraussetzen, nur weil es gestern doch auch geklappt hat. Wir genießen unsere gemeinsame Zeit, Ausritte, Spaziergänge, spielen auf der Koppel oder auch einfach kuscheln mit Massage oder ausgiebigem putzen. Ich bin Stolz wenn er sich sichtlich freut mich zu sehen, sich auf mich einlässt und mit mir "redet", mir auch in schwierigen Situationen sein Vertrauen schenkt. Sein Vertrauen ist das größte Geschenk !

    • Petra sagt:

      Liebe Sylvia, das ist ein wunderschöner Satz "Sein Vertrauen ist das größte Geschenk" – überhaupt ein wunderbarer Kommentar und eine tolle Ergänzung. Danke für deine Zeilen – ich sehe es wie du. Ich denke genau wie du, dass wir unseren Pferden nicht böse sein sollten, wenn etwas nicht klappt, das gestern noch ging. Sie geben immer ihr Bestes, aus dem Moment heraus. Ganz liebe Grüße an dich und deinen Kleinen, Petra

  2. Sarah sagt:

    Danke liebe Petra für diesen wunderbaren Text, der gerade zum richtigen Zeitpunkt für mich kommt. Beim Lesen musste ich mir ganz schnell sage: Ich mache gerade wieder einmal genau dass, was ich mir vorgenmmen habe nicht mehr zu machen: nur den Blick auf die DInge richten, die wir noch nicht können. Kein Wunder das der letzte Spaziergang mit meinem Dreijährigen für uns beide nicht so motivierend war …. Ich bin selber schuld, dabei weiß ich es eigentlich eh schon besser.
    Also anstatt mich darauf zukonzentrieren, dass das Verladen am Wochenende eine anstrengende Sache war oder wir das Angaloppieren an der Longe auch noch nicht gut hinbekommen, eine Gedankenreise.
    In seinen ersten Monaten fand mein kleiner Angsthase schon den Anblick von Halfter und Seil schrecklich, nach unserem ersten gemeinsamen Sommer war ein Halfter anziehen die einfachste Übung der Welt.
    Hufe machen fand er lange auch nicht toll, also nicht dass das Auskratzen ein Problem war, aber die richtige Pediküre vom Schmied brauchte er wirklich nicht. Letzte Woche habe ich ohne Anbinden alle vier Hufe gemacht – in unserem dunklen und engen Mini-Stallgasse, die ihn lange ganz nervös gemacht hat.
    Nervös gemacht haben ihn auch Planen, Autos, Lkws, Wasser (egal ob aus einem Schlauch oder im Fluss): Heute trägt er mir das böse Raschelding frei zurück in den Stall, beim letzten Schweifwaschen war er braver als seine Mama, wir durchqueren regelmässig kleinere und größere Flüsse und als letztens ein riesen Lastwagen an einer engen Stelle direkt neben uns vorbeimusste, stand das Pferd ganz still neben mir (und ich ganz baff daneben) …
    Also dankeschön mein Großer, für alles was schon geht und dankeschön Petra für die Erinnerung :-)

    • Petra sagt:

      Liebe Sarah, in diese Fall tappt man so gerne. Ich auch immer wieder. Dann denke ich mir: Ohje – wir sind schon ein Jahr zusammen und können ja noch gar nichts. Kein perfektes Kruppe herein, keine tollen Seitengänge und den Galopp sind wir noch gar nicht angegangen. Und dann erinnere ich mich selbst daran, wie es war als sie ankam. Wie sie mich immer vom Heu wegschubsen wollte, wie sie gedrängelt hat und sich groß gemacht hat, wenn ich ihre Hinterhand bewegen wollte – und wie sie jetzt geduldig wartet, wenn ich am Heusack knote, wie sie mit einem Öhrchen bei mir auf ein nach vorne strecken der Hand etwas schneller läuft und wie sie auf ein leichtes schnalzen antrabt.. und weiß wie viel wir schon erreicht haben. Genau wie ihr zwei. Ich finde toll, wie viel ihr schon erreicht habt. Beeindruckend!! Also, danke auch dir für das teilen deiner Gedankenreise und ganz liebe Grüße an euch zwei, Petra

  3. Gaby sagt:

    Ja, ein toller Artikel, der mal wieder aufmerksam und nachdenklich macht. Manchmal ist man ungeduldig und denkt, das muss doch klappen und wenn ich dann auf dem Nachhauseweg bin, merke ich, dass ich selber nicht ausgeglichen war und es deshalb nicht geklappt hat.
    Ich hatte mit meinem Pferd einen Kutschenunfall, bei dem ich mir 2 Wirbel gebrochen hatte. Nach der Zwangspause hatte ich große Angst ihn wieder anzuspannen. Er belohnte mich mit vertrauensvoller Mitarbeit, ohne Angst!!!! Danke für diesen Artikel und danke an mein Carlchen!!!

    • Petra sagt:

      Wie schön von deinem Pferd, dass er dir so vertraut, dass er trotz Kutschunfall wieder sofort vertrauensvoll mitarbeitet – das ist wirklich ein ganz großes Kompliment – ganz liebe Grüße also an euch zwei und ein Fellkraulen an das coole Carlchen, Petra

  4. Martha sagt:

    Liebe Petra,
    ein Beitrag der mir aus der Seele spricht, Gerade auch ganz aktuell, als am letzten Wochenende mal wieder gar nichts klappte.Als ich frustriert am liebsten abgestiegen wäre um mich trotzig in den Sand zu werfen. Knapp drei Jahre harte Arbeit und immer noch klappen die simpelsten Dinge nicht.

    Halt. Haaaaalt. Haaaaaaalt.Durchatmen.

    Das Pferd welches vor knapp drei Jahren kopfscheu war und panisch die Rübe hochriss sobald man versuchte ihn aufzuhalftern lässt sich jetzt vertrauensvoll von mir überall berühren und auch von Fremden gelassen den Kopf putzen.
    Das Pferd, welches vor drei Jahren panisch und kopflos davongeprescht ist wenn ein Vogel neben ihm aufflatterte, trägt mich nun vertrauensvoll und entspannt durchs Gelände.
    Das Pferd, welches sich noch vor zwei Jahren vor allem möglichen erschreckt hat fühlt sich bei mir sicher genug um bei mir Schutz zu suchen und zu fragen was es machen soll.
    Das Pferd welches mit seiner Aufmerksamkeit überall und nirgends war folgt mir nun hochkonzentriert frei, ohne Seil durch den Parcours und über die gruseligen Stangen die ihn fressen könnten.
    Und genau dieses Pferd unterstützt mich seit einem halben Jahr cotherapeutisch bei meiner Arbeit und hilft mir verletzte Kinderseelen zu heilen. Es trägt kleine Kinder vorsichtig wie rohe Eier über den Platz.Es ist aufmerksam und liebt es gekrault und gekuschelt zu werden. Es steht ruhig und gelassen da während ein Sechsjähriger auf seinem Rücken herumturnt. Er setzt übermütigen Teenis klar und souverän Grenzen.Er zeigt ängstlichen Menshcen, dass es sich lohnt seine Ängste zu überwinden.

    Gleich, auf meiner abendlichen Runde durch den Stall werde ich bei ihm innehalten und mich bedanken.
    Danke Pyrmo,für dein Vertrauen. Und danke für dein freundliches Wesen und dein großes Herz.
    Auch wenn du manchmal stur bist wie ein Esel ;)
    Durch dich habe ich gelernt geduldiger und gelassener zu sein. Mir mir und auch mit dir. Auch wenn es mir nicht immer gelingt…..
    So wie es dir nicht immer gelingt daran zu denken, dass du eigentlich ein Reitpony bist und kein Esel ;)
    Danke Petra, dass du mich erinnert hast inne zu halten und mal wieder eine Gedankenreise zu machen.

    Liebe Grüße
    Martha

    • Petra sagt:

      Liebe Martha, danke dir für deinen wunderschönen Kommentar und deine Gedanken dazu. Ganz liebe Grüße, Petra

  5. Lina sagt:

    Danke für diesen tollen und wichtigen Artikel. Mein Pferd schenkt mir unglaublich viel – obwohl ehemals als unreitbar, als Headshaker und wilder Durchgänger zu mir gekommen:

    – bringt mich sicher durch die stockdunkle Nacht, obwohl ich keine Ahnung habe, wo ich bin, wieder heim.
    – beim Wanderreiten hat sich an einem fremden Hof der Strick unbemerkt vom Anbindebalken gelöst, während ich mir Koppel, Sattelkammer, Futter etc. mit dem SB angeschaut habe. Eine Nase berührte mich plötzlich am Rücken – er entschied sich einfach mal mir überall hinterher zu laufen.
    – beim Stationmachen auf einem Tagesritt, ich musste kurz ohne Pferd wohin und drückte Strick und Pferd jemandem fremden zum Halten in die Hand. Besorgt sah mir mein Pferd nach und wieherte erleichtert mir entgegen als ich wieder kam und wich mir nicht mehr von der Seite.
    – Zum Schlafen und Entspannen stellt er sich gerne hinter oder neben mich. Das schönste Kompliment von allen.
    – und natürlich das alltägliche Zusammenleben. Jeder Tag ein Geschenk!!
    – und die vielen kleinen "A

    • Petra sagt:

      Hallo liebe Linda, wow – das sind wirklich viele Vertrauensbeweise. Das ist wunderschön und ich freue mich sehr, dass dein Pferd bei dir einen Menschen gefunden hat, der es versteht und ernst nimmt. Ganz liebe Grüße und danke für deinen schönen Kommentar, Petra

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