Artikel aktualisiert am 27.07.2017

Vox Pferdeprofi Sandra Schneider

Ein Gastbeitrag von Vox Pferdeprofi SANDRA SCHNEIDER:

Kaum ein Satz hat mich je so berührt wie diese Aussage des Begründers des Zirkus Knie. Wie recht er doch hat: Was maßen wir uns tagtäglich an, indem wir den Pferden unseren Willen aufzwingen?

Ein Pferd lebt – wenn es nicht von Menschenhand beeinflusst wird – glücklich in Freiheit in seiner Herde, kann sich seine Zeit frei einteilen, flieht bei Gefahr, folgt dem Leittier zu den Futter- und Wasserstellen und pflanzt sich fort.

Wenn ich ein Pferd wäre … ganz ehrlich? Ich würde mich noch nicht mal auf der Weide einfangen lassen! Warum sollte ich? Wo ich doch genau weiß, was danach unter Umständen auf mich zukommt. Wie oft am Tag springt das Pferd für uns über seinen Schatten, wenn wir schier unfassbare Dinge von ihm fordern! Dazu gehört das angebunden Stehen genauso wie das Tragen eines Sattels oder gar eines Reiters in seiner blinden Zone auf dem Rücken oder das ständige Laufen im Kreis in der Reitbahn.

Dem Pferd erschließt sich der Sinn von Seitengängen genauso wenig wie das Reiten in Innenstellung oder das Springen über meterhohe Hindernisse … es tut es einfach, um es uns recht zu machen. So viele Dinge, die wir dem Pferd täglich antun, sind völlig gegen seine Natur! Und genau darum ist es unsere Pflicht, dass das Pferd wenigstens möglichst viel Freude an der Arbeit hat und nicht auch noch in Angst vor negativen Konsequenzen leben muss.

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Wie wir das erreichen?

Ganz einfach! In dem wir uns zunächst einmal fragen: „Wenn ich Pferd wäre, würde mir das gefallen?“

Pferdeprofi Sandra Schneider

Und ansonsten kann ich nur dazu auffordern, die Pferde oft und aus vollem Herzen zu loben – sei es mit einem Streicheln, Kratzen, Kraulen (bitte nicht dieses furchtbare Schlagen auf den Hals! Keinem Pferd auf der Welt gefällt das!) oder einem liebevollen Wort.

Pferdeprofi Sandra Schneider

Wichtig ist, dass beim Loben ein echtes, positives, schönes Gefühl auf das Pferd übertragen wird. Oft ist es den Menschen peinlich oder unangenehm, die Pferde überschwänglich zu loben … wie schade! Sie verschenken unfassbar viel Potenzial, wenn sie dem Pferd kein positives Feedback geben.

All das wusste kaum einer besser als Fredy Knie*, der bekannt dafür war, seine Tiere mit liebevoller Belohnung statt mit Strafe und ständiger Korrektur zu trainieren.

Westerntrainerin Sandra Schneider

Und nun fragt Euch doch einmal selbst: Für welchen Chef oder Lehrer würdet ihr lieber arbeiten und bei wem fühlt ihr euch wohler? Jemand, der gute Leistungen abnickt und nur mit euch kommuniziert, wenn ihr etwas falsch gemacht habt? Oder jemand, der euch ermuntert, wenn ihr auf dem richtigen Weg seid und dessen wahre Freude ihr fühlt, wenn ihr etwas richtig gut gemacht habt?

Vox Pferdeprofi Sandra Schneider

Text: Vox Pferdeprofi Sandra Schneider von Westerntrainerin.com
Bilder: Vox Pferdeprofi Sandra Schneider von Westerntrainerin.com

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Wer ist der Zitategeber – Fredy Knie*

Fredy Knie leitete von 1941 bis 1992 den Schweizer Nationalzirkus Knie. Mit zehn Jahren feierte er als jüngster Dressur- und Springreiter der Welt europaweit Erfolge. Fredy Knie gilt als Begründer der Freiheitsdressur oder „humanen Dressur“ und prägte die Pferde- dressur international nachhaltig. Seine Arbeit mit den Tieren basierte auf Belohnung, und gemeinsam mit Wissenschaftlern und Tierverhaltensforschern entwickelte er diese Methode kontinuierlich weiter*

Sandra Schneider hat ein ganz wunderbares Buch über Pferdeschicksale geschrieben und was wir tun können, um unseren Pferden den Alltag spannend und schön zu gestalten.

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11 Kommentare zu “Fredy Knie: Die Freude an der Arbeit

  1. Miriam sagt:

    Liebe Petra,

    dem ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen.
    Loben ist für mich ganz selbstverständlich und ja ich lobe auch für bereits gut bekannte und etablierte Dinge immer wieder gerne. Weil ich es nicht selbstverständlich finde, dass mein Pony was für mich tut. Ich werde oft dafür komisch angeschaut. Und es kommen auch oft so Sätze wie, das kann er ja schon, dafür braucht es doch kein Lob mehr. Doch, meiner Ansicht nach schon, weil ich mich ehrlich darüber freue, dass es diese Dinge für mich tut und ich es nicht als selbstverständlich ansehe.
    Wichtig finde ich persönlich auch, dass ich das Lob ernst meine und mich wirklich freue. Diese Freude versuche ich meinem Pony auch rüber zu bringen und es sorgt für eine ganz andere Grundstimmung im Training wie wenn ich ständig darauf warte, dass mein Pony was falsch macht und ich ihn dann korrigieren kann. Ích wurde mal darauf angesprochen, dass man oft Lachen aus der Halle hört, wenn ich mit meinem Pony drin bin. Ob ich eigentlich nicht ernsthaft mit meinem Pony arbeiten wollte. Dazu sage ich ganz klar nein. Wir arbeiten nicht, wir haben unseren Spaß und damit meine ich uns beide und dazu gehört für mich auch, dass ich lache. Ich freue mich und das bringe ich zum Ausdruck. Falls es wichtig ist, wir kommen meistens auch zu einem guten Ergebnis, aber ohne ernsthaft daran gearbeitet zu haben, sondern im Spiel mit Spaß und Freude. Mein Pony hat meiner Ansicht nach auch Freude. Er drängelt jedenfalls meistens regelrecht aus der Weide und freut sich auf unsere Abenteuer.
    Liebe Grüße
    Miriam

    • Petra sagt:

      Liebe Miriam, das kann ich mir richtig gut vorstellen. Dein Ponymann ist aber auch so ein Herzchen. Ich glaube sicher, dass er auch gerne als Clown einiges anstellt, was dich zum Lachen bringen kann. Ich freue mich auch immer sehr, wenn meine Kleine etwas richtig macht. Ich juble dann innerlich fast und zeige es ihr mit einem Lachen oder Lächeln und Lob. Viel Lob. Ehrlich gesagt, finde ich die Menschen, die nachfragen "ob du nicht ernsthaft arbeiten willst" oder warum du "etwas lobst, was dein Pony schon kann" merkwürdig und das was du machst perfekt :-) Ich finde schön, dass du und dein Ponymann euren Weg geht. Und spätestens, wenn er schon zur Weide raus will, weil du kommst, ist das ja der beste Beweis dafür, dass ihr zwei einiges richtig macht zusammen. Ganz liebe Grüße an dich und deinen kleinen Kerl, Petra

  2. Saskia sagt:

    Wirklich sehr sehr schön, das Zitat und auch der Text von Sandra. Ich bin so oft dankbar darüber, dass mein Pferd überhaupt mit mir von der Weide mitkommt. Gerade jetzt im Sommer merke ich, dass er mich eigentlich überhaupt nicht braucht. Er hat ja alles: Sicherheit durch seine Herde, viel Platz, viel Bewegungsmöglichkeit, Wasser und Futter, Sonne & Licht, Spielgefährten, keine Gefahren (abgesehen von Menschen, die meinen mit ihrer Isomatte neben der Weide übernachten zu müssen ;))… Trotzdem habe ich das Gefühl, dass er Freude an unseren kleinen Abenteuern ist. Wenn er so mit mir durch den Wald wandert, erinnert er mich an ein kleines Kind, dass sich darüber freut die Welt zu entdecken und später seinen Freunden davon erzählt :)

    Liebe Grüße, Saskia

    • Petra sagt:

      Liebe Saskia, das ist auch ein sehr hübsches Bild. Wer weiß, wahrscheinlich erzählt er dann schnaubend und brummelnd wirklich, was da so alles los war. Von Bäumen und Ästen und komischen Menschen mit Stöcken und all den anderen Dingen, die einem bei einem Spaziergang begegnen können ;-) Liebe Grüße an dich und Wingardio, Petra

  3. Nina sagt:

    Hallo,
    wie sehr mir das aus dem Herzen spricht. Ich reite aktuell eine Stute, die anfangs stark blockierte und sich weigerte mitzuarbeiten. Das begann schon beim fertig machen und von der Weide holen. Mit Konsequenz und viel Lob, kann man sie mittlerweile relativ entspannt reiten.
    Noch heute kann man sie sehr gut motivieren weiter zu machen, indem man sie aufmuntert und ihr gut zuredet.
    Manchmal vergisst man als Reiter, was für eine Ehre es ist, auf diesen Tieren zu reiten.
    Theoretisch könnten sie uns jederzeit abwerfen und ihrer Wege gehen. :)
    Liebe Grüße
    Nina

    • Petra sagt:

      Hallo Nina, da hast du so Recht. Das ist ein Ansatz, den ich auch von Sandra Schneider mitgenommen habe. Wir dürfen nie vergessen, wie viel Überwindung die Pferde einiges kostet, was wir ständig von ihnen abverlangen. Ich bin immer wieder dankbar, wenn ich bemerke, was das Pferd alles für mich tut. Und freue mich an den kleinen Schritten, genauso wie an den großen. Deine Stute und du seid ein wirklich schönes Beispiel dafür, dass Fredy Knie mit seinem Zitat und am Ende auch Sandra Schneider mit ihrer Interpretation Recht haben. Ganz liebe Grüße und danke für deinen schönen Kommentar, Petra

  4. Susa sagt:

    Gut dass ihr den anderen Artikel gelöscht habt. Arbeiten NACH Knie oder mal ein Zitat von ihm benutzt zu haben ist was ganz ganz anderes. Und NACH Knie arbeitet Sandra nun wirklich nicht

    • Petra sagt:

      hmmm – wir haben den anderen Artikel nicht gelöscht :-) aber wir freuen uns, dass du das Zitat magst. Was verbindet dich denn mit Fredy Knie? Liebe Grüße, Petra

  5. Corinna sagt:

    Absolut! Seit kurzem arbeite ich nach diesem Motto, und ich kann bestätigen das Sharan und ich ein super harmonisches Team geworden sind. Ich habe ihm schon immer blind vertrauen können, aber jetzt vertraut er mir auch bedingungslos! Gerade jetzt draussen ins Gras zu gehen war vorher der reinste Stress für mich, da ich wusste das ich ihn nicht ohne Probleme zurück auf den Paddock bekommen würde. Aber jetzt folgt er mir ohne tänzeln oder gar zu versuche. weiter zu grasen! Es ist ein so wunderbares Gefühl! ❤️❤️❤️

    • Petra sagt:

      Wie schön – das klingt toll! Was hast du an deinem Training geändert? Ich würde mich freuen, wenn du ein bisschen erzählen magst – das klingt spannend. Liebe Grüße, Petra

  6. Isabella sagt:

    Echt ein schöner Artikel und so wichtig. Ich lobe meinen Wallach auch wo es nur geht. Ich habe allerding trotzdem oft das Gefühl er findet das zusammensein mit mir nicht so spannend oder eher doof vor allem wenn es um Seitengänge geht. Ich versuche zwischendurch immer spiele einzubauen, habe aber noch nicht wirklich ewas gefunden bei dem ich den Eindruck habe das es ihm wirklich Spaß macht. Zb den ball stubst er auch nur an wenn er dafür dann ein leckerli bekommt. Was er eindeutig liebt ist gekrault werden und Kinder.

    Ich habe auch die lesenprobe von dem buch gelesen, da schreibt sie das ein bockendes Pferd immer einen Grund hat. Mein Wallach ist sehr dominant und wenn er keine Lust mehr hat reißt er mir die Zügel aus der Hand oder fängt zu buckeln an. Die gängige Meinung hier ist ja das man sich in solchen fällen durchsetzen müsse. Körperliche Probleme habe ich durch diverse Tierärzte ausschließen lassen. Was würdet ihr in diesem Fall tun?? Bin dankbar für Ideen. Alles liebe Isabella

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