Artikel aktualisiert am 22.02.2017

Fohlen haben Vorbilder! Meist sind das die Mütter. Das ist fast wie beim Menschen. Meine Jungstute steht noch bei der Züchterin, also stehen da auch Mutter und Vater. Sie ist ein Abbild ihrer Eltern. Der Kopf ist nahezu identisch mit dem Kopf ihrer Mutter, Körper und Fellfarbe ähneln sehr dem Vater. Charakterlich ist sie auch eine Mischung ihrer Eltern, hat aber sehr viel mehr Prozente von der Mutter abbekommen. Wenn du dir die Eltern deines Pferdes ansiehst, kannst du schon erahnen, wie dein Pferd einmal werden wird oder warum es ist, wie es ist.

Deswegen habe ich natürlich sofort und begeistert und laut „HIER“ gerufen, als auf der Hacienda die Frage kam, ob ich mit ihrer Mutter Bodenarbeit machen und sie reiten möchte. Es fühlte sich so an, als ob ich einmal kurz in die Zukunft schauen darf.

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Wie die Mutter so die Tochter

Das Sprichwort trifft auf meine Stute nahezu komplett zu. Die Mutter meines Pferdes ist eine Leitstute, sie ist selbstbewusst und willensstark, sie ist sehr clever und wird sehr schnell wütend, wenn man ungerecht, nicht konsequent oder nicht klar genug ist.

Sie „fragt“ permanent, ob sie wirklich muss und wenn man ihr nur eine Lücke lässt, dann werden die nächsten 10 Minuten zu einer regelrechten Diskussion, warum diese Lücke nur einmal gegolten haben und wieso sie jetzt folgen soll. Und warum ich es mir jetzt erlaube, etwas von ihr zu verlangen, wo sie doch gerade Recht behalten durfte.

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Wie mit dem plärrenden Kind im Supermarkt

Wenn ich einmal nachgebe und das kleine Quengelpaket mit dem Schokoriegel an der Kasse davonkommen lasse, dann wird es jedes Mal schwerer zu erklären, warum der Schokoriegel nur dieses eine Mal erlaubt war. Wenn ich also nur einmal dem Drängeln Richtung Boden nachgebe und sie grasen lasse, obwohl ich gerade mit ihr arbeite, dann wird es immer schwerer ihr zu erklären, dass Grasen während der Arbeit nicht erlaubt ist.

Es wird aber auch schwerer ihr zu erklären, warum sie mit der Hinterhand weichen muss oder warum sie rückwärts soll oder warum sie antraben soll – nur weil ich zugelassen habe, dass sie grast in einem Moment in dem sie eigentlich nicht grasen darf. Peppy fragt ständig. Bei 5 Minuten Stillstehen am Rand fragt Peppy ungefähr 10 Mal nach, ob ich wirklich ernst meine, dass sie jetzt gerade neben mir ruhig stehen bleiben und nicht grasen soll.

Nachdem sie aber erkennt, dass ich es ernst meine, schnaubt sie kurz entspannt, setzt den Entspannungshuf auf 90-Grad-Winkel und wendet mir den Kopf zu. Sie ist zufrieden und übergibt mir die Führung. Das ist wiederum ein schönes Gefühl. Das ständige Nein-sagen davor ist schon ein bisschen stressig.

So in etwas musst Du Dir das Vorstellen:

Peppy: Ich will grasen!

Petra (tippt mit dem Führstrick an ihre Nase): Nö!

Peppy: Ich will aber wirklich grasen!

Petra (tippt mit dem Führstrick an ihre Nase): Nö!

Peppy: Ich will grasen!

Petra (tippt mit dem Führstrick an ihre Nase): Nö!

Peppy: Ich will grasen!

Petra (tippt mit dem Führstrick an ihre Nase): Nö!

Peppy: hmmmmmmmm!

Petra: Braaaaaav!

Peppy: Hmmmm…ob sie wohl merkt…dass ich…dazu ansetze….(senkt in Slow Motion den Kopf und schaut immer wieder zu mir)… zu grasen

Petra (tippt wieder leichter mit dem Führstrick an ihre Nase): Nö, jetzt nicht!

Peppy: Hmpf! Sie meint es ernst…

Petra: Braaaav!

Peppy: (liebt Lob) Na gut..

Petra: Braaaaav (krault das Kinn)

Peppy: Atmet aus und schließt entspannt die Augen

TIPP: Nicht am Strick ziehen, sondern lieber mit dem Führstrick leicht gegen die Pferdenase tippen. Wenn du irgendwann in Richtung Freiarbeit willst, dann ist es wichtig, dass du dem Pferd auch ohne Führstrick sagen kannst, dass es jetzt nicht mit der Nase am Boden, sondern mit den Gedanken bei dir sein soll. Zumal das leichte Antippen wesentlich angemessener ist als das unangenehme Ziehen. Das könnte ein sensibles Pferd auch unwillig machen.

Es ist ja auch irgendwie logisch, denke ich mir. Denn eine Leitstute ist die meiste Zeit ihres Lebens der unangefochtene Chef im Ring. Dass so ein Chef sich nur ungerne etwas sagen lässt und noch viel weniger gerne von jemandem, der ihr nicht zu 100 % kompetent und gerecht und fair erscheint ist ja auch irgendwie logisch, denke ich mir.

Wenn das Pferd dir vertrauen soll, dann musst du ihm zeigen, dass du dieses Vertrauen wert bist!

Je höher im Rang das Pferd, desto öfter fragt es nach ob das Gegenüber weiß, was es tut. Und umso klarer und konsequenter muss der ranghöhere Mensch im Training sein. Das lernen Jungpferde in aller Regel von ihren Müttern. Die zum Teil auch sehr darauf achten, dass ihre Fohlen nur mit Fohlen ihrer Freundinnen spielen – die zum Beispiel einen ähnlichen Rang haben. Das ist hochspannend!

Für mich bedeutet das also, dass meine Stute immer nachfragen wird, Grenzen möchte und klare Regeln. Genau wie ihre Mutter. Gleichzeitig hat sie einen sehr entspannten und stressresistenten Vater – auch diese Eigenschaften kann ich bei ihr entdecken.

Bodenarbeit_Peppy_web_16Peppy wills wissen

Peppy ist Leitstute, Peppy wills wissen und Peppy ist im gleichen Atemzug unglaublich fein. Ein bisschen Energie auf die Hinterhand durch ein leichtes Anvisieren und Schnalzen und Peppy läuft los. Ein leichtes „Ho“ – mehr geflüstert als gesprochen – und Peppy steht.

Eine minimale Bewegung in Richtung Schulter und Peppy wechselt in eine langsamere Gangart. Aber zuviel Schnalzen und sie schüttelt sofort unwillig den Kopf, zu oft antippen mit der Gerte und sie versucht mal kurz zu schnappen. Ein leichtes Antippen mit der Gerte an der Nase und sie hört auf zu schnappen.

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Kurz: Peppy ist ein zweischneidiges Schwert. Sehr anlehnungsbedürftig, sehr menschenbezogen, sehr fein – gleichzeitig aber auch sehr willensstark, sehr selbstbewusst und sehr schnell wütend, wenn die Reaktion nicht angemessen ist oder sie etwas machen soll, dass sie nicht machen will. Die Körpersprache ist bei ihr unglaublich wichtig.

  1. Gerade Schultern
  2. Selbstbewusste Haltung
  3. Ruhige Bewegungen
  4. Wenig Energie oder gelassene Energie (weil sie selbst schon so viel Energie und „nach vorne“ in sich trägt)
  5. Konsequent sein in den Forderungen
  6. Nur vor der Schulter stehen, wenn man eine langsamere Gangart oder ein Stopp möchte
  7. Nur die Hinterhand anvisieren, wenn man Beschleunigung möchte
  8. Nie weichen – die Grundregel: „Wer bewegt wen!“ gilt besonders bei dominanten Pferden wie Peppy.

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To Do Liste

Vielleicht interessiert dich ja, was wir konkret getrieben haben. Für dein junges Pferd zu Hause. Mit Peppy haben wir die Basics gemacht. Weil ich wissen wollte wie sie reagiert.

Du brauchst dafür nur ein Knotenhalfter, ein Rope und eine Gerte

Führtraining: Eine klare Führposition festlegen – meine LIebligsposition ist zwischen Schulter und Ganaschen des Pferdes. Dann hast du im Blick, was die Körpersprache und Gesichtsmimik des Pferdes zu dir sagt. „Wird es sauer? Ist es aufmerksam? Schläft es gleich ein?“

Die Pferdeohren reden immer mit. Diese Position muss das Pferd einhalten. Rennt es zu sehr nach vorne, musst du  es wieder nach hinten schicken. Ist es zu weit hinten, musst du es durch ein leichtes Antippen mit der Gerte wieder nach vorne schicken.

Das in allen drei Gangarten. Bei einem „Ho“ sollte das Pferd stoppen, rennt es zu weit, musst du es gleich wieder in die Führposition zurückkorrigieren. Das gleiche gilt für das Rückwärts. In der Hand zum Pferdekörper hält man das Seil, in der anderen die Gerte.

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Rückwärts schicken: Das Pferd steht dir gegenüber. Mit einer leichten Fingerbewegung (wie ein Scheibenwischer) zeigst du dem Pferd, dass es rückwärts gehen soll. Folgt es nicht, dann leicht mit der Gerte an die Brust tippen.

Sofort loben, wenn es einen Schritt Rückwärts macht. Das solange wiederholen, bis das Pferd versteht und rückwärts geht.

Aufhören, kurz loben und dem Pferd eine kleine Denkpause als Belohnung geben. Dann einen leichten Rundrücken machen und rückwärts gehen, das Pferd mit Schnalzgeräuschen und anderen positiven Geräuschen dazu animieren auf dich zuzukommen. Sobald es freudig trabt: loben! Und dann streicheln, wenn es bei dir angekommen ist.

Seitwärts schicken: Stell dich an den Rand des Roundpen und nimm das Pferd am Halfter. Dann den Pferdepopo so lange durch leichtes Hochhalten bzw. Antippen mit der Gerte touchieren, bis das Pferd gerade steht.

Auch da gilt: Wer bewegt wen. Mit der Gerte ein leichtes Signal setzen und loslaufen. Immer dann, wenn das Pferd nicht die Beine überkreuzt bzw. mit der Vor- oder Hinterhand vorausläuft, wieder dort mit der Gerte ganz leicht antippen, bis das Pferd wieder die gewünschte Position hat. Diese Biegungen sind gut für die Gymnastizierung der Pferde.

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Frei schicken: Strick ab und Halfter ab. Dann in der Mitte stehen bleiben und das Pferd rausschicken. Antreiben, in dem ihr Euch in Richtung Hinterhand begebt und mit dem treibenden Arm mit dem Strick wedelt oder mit der Gerte schwingt. Sobald das Pferd sich in die gewünschte Gangart begeben hat: ruhig stehen in der Mitte. Immer nur dann Energie schicken, wenn das Pferd entweder alleine entscheidet etwas zu ändern oder man selbst etwas ändern will.

So kannst du die Gangarten wechseln, das Pferd wenden oder zum Stehen bringen.

  • Langsamer heißt: In Richtung Schulter oder vor die Schulter kommen in Verbindung mit Stimmbefehlen.
  • Schneller heißt: Richtung Hinterhand oder mit Gerte und Stimmbefehlen
  • Wenn das Pferd „fragt“ ob es zu dir in die Mitte kommen darf: Leicht abwenden oder Rückwärts gehen, nicht in die Augen sehen (sonst seid ihr zu sehr Raubtier) und dann warten bis das Pferd bei dir ist und loben. Es ist schön, dass es sich dir anschließt

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Bei der Arbeit mit dem Pferd gilt immer:

  • Je weniger du tun musst, um die erwünschte Reaktion zu bekommen, umso besser.
  • Du bestimmst, wer sich wann wohin bewegt
  • Wenn das Pferd etwas gut gemacht hat: Streicheln, loben und freuen

Ich bin tatsächlich sehr froh, dass ich mit der Mutter meiner Kleinen trainieren konnte. Ich habe ein Gefühl dafür bekommen, wie sie vermutlich sein wird. Aber anders als meine Kleine ist Peppy kein Jungpferd mehr. Sie kann etwas, sie weiß mit den Menschen umzugehen und deswegen war sie ideal für mich, um einmal zu üben.

Wenn du die Möglichkeit hast dir die Mutter und den Vater deines Pferdes anzusehen, dann mach es unbedingt. Die Mütter sind fast noch wichtiger, wegen dieser großen Vorbildfunktion. Ich fand es toll, zu erkennen, wie Peppy tickt und wie mein Pferd voraussichtlich auch ticken wird. Ich habe ähnliche Bewegungen und zum Teil auch ähnliche Reaktionen von Mutter und Tochter gesehen. Denn ich habe meine Kleine natürlich auch in der Herde beobachtet. Wie die Mutter, so die Tochter… da steckt viel wahres drin. Zumindest für mich und meine Jungstute.

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INFO: Habt ihr auch Erfahrungen gemacht? Wie war das bei Euch und Euren Pferden?[/box

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13 Kommentare zu “Fohlen haben Vorbilder! Was du von den Pferdeeltern lernen kannst

  1. Tanja sagt:

    Hach… ich beneide Dich um die Möglichkeit, die Eltern deiner Kleinen kennen zu lernen :) Viel Spaß noch weiterhin mit der scheinbar richtig tollen Pferdefamilie! Und wer weiß, vielleicht besuche ich euch heuer ja wirklich im neuen Pferdezuhause :D Allerliebste Grüße!

    • Petra sagt:

      Huhu Tash, das war wirklich eine spannende Erfahrung. Sie kommt sehr nach ihrer Mutter :-) Du bist dann immer herzlich eingeladen, vorbeizukommen. Je nachdem wie lange ich dann schon mit meiner Kleinen "arbeiten" konnte, siehst Du dann eine mehr oder weniger konfuse Pferd-Mensch-Kombination ;-) Liebe Grüße, Petra

  2. Miriam sagt:

    Liebe Petra,

    ich habe die Mutter von meinem Pony auch kennen gelernt. Seinen Vater konnte ich leider nicht kennen lernen, weil er auf dem Gestüt wo ich mein Pony herhabe nur als Pachthengst war und dann wieder weg war. Mein Pony ist optisch komplett sein Vater. Er sieht fast genauso aus. Nur die Kopfform hat er von seiner Mutter.
    Charakterlich ist er seiner Mutter sehr ähnlich. Die Züchterin hat seine Mutter als etwas eigensinnig, willensstark und als ein Pferd was eine klare Linie braucht beschrieben und das kann ich nur bei meinem Pony auch bestätigen.
    Ich denke die Fohlen schauen sich am Anfang einfach viel von ihrer Mama ab.

    Liebe Grüße
    Miriam

    • Petra sagt:

      Liebe Miriam, das ist spannend, dass es bei Dir und Deinem Pony auch so ist. Das bestätigt meine Theorie von den Fohlen-Vorbildern. Ich freue mich darauf, dein Pony irgendwann kennenzulernen. "Willensstark" und "stur" – kenne ich auch ;-) Das macht es manchmal vielleicht schwerer, aber langfristig hat man ein charakterstarkes Pferd und das kann nie schaden, denke ich mir. Alles Liebe, Petra

  3. Nina sagt:

    Liebe Petra, vielen lieben Dank für deinen so ausführlichen Bericht! Da steht quasi zusammengefasst drin, was manche als Buchschreiber in 500 Seiten reinpacken…
    vorallem das "nicht locker lassen und dran bleiben" und das"wer bewegt wen" finde ich besonders wichtig und sollte man sich immer wieder Mantra-artig vorflüstern ;-) Manche Pferde geben sich mit weniger Konsequenz zufrieden, aber bei sensiblen muss man wirklich ein Pferdeleben lang dran bleiben..Liebe Grüße Nina

    • Petra sagt:

      Du hast so Recht! Das hat "Mantra-Niveau" ;-) Ab jetzt sieht man uns über den Platz laufend – flüsternd. Ich fand die Botschaft, die ich von Bernd Hackl und Michael Geitner in Interviews bekommen hatte, so super. Da steckt irgendwie alles drin. Das macht es einfacher im Alltagsumgang mit Pferden viele Fragen zu beantworten, finde ich. Hast Du auch ein Sensibelchen? Liebe Grüße, Petra

  4. Nina sagt:

    Na meinen Wirbelwind hast du ja auch schon kennengelernt ;-)
    Und mein Stütchen ist noch dazu eine Ecke selbstbewußter.
    Nur das Shetty- das ist ganz eaaaasyy ;-)
    Bernd Hackls Bücher mag ich auch sehr gerne und das was man bei den Pferdeprofis so sieht, er scheint das auch immer mit der nötigen Portion Humor zu nehmen, das macht vieles einfacher. Ich finde auch was Peter Pfister schreibt und macht ganz hilfreich und interessant.
    Liebs Grüßle Nina

    • Petra sagt:

      Hi Nina, zumindest optisch ;-) Wobei ich kurz überlegt habe, wo? wie? wann? :-))) Facebook, richtig? Ich bin auch ein großer Fan von Bernd und von Alfonso Aguilar. Er macht auch sehr viel mit Humor und einem Lächeln, den Pferden gegenüber. Peter Pfister steht noch auf meiner To Do Liste. Er macht auch viel Freiheitsdressur, richtig? Liebe Grüße, Petra

  5. Isi sagt:

    Liebe Petra,
    deine Seite ist wirklich toll und ich lese deine Berichte unheimlich gern. Ich bin seit einem Jahr ebenfalls Jungpferdebesitzerin und lasse mich daher immer wieder gerne von neuen Ideen und Erkenntnissen inspirieren! Übrigens ziehe ich meinen Hut davor, dass du dir in wenigen Jahren so ein Wissen und Können angeeignet hast und besonders freut es mich zu sehen, dass du es dir auch „jetzt schon“ zutraust, ein junges Pferd auszubilden. Für mich ist es nämlich auch die erste Erfahrung mit einem jungen Pferd und natürlich kommen immer wieder mal Zweifel und Unsicherheit und die Angst, sich vll doch überschätzt zu haben, mit so einem Pferdebaby! Und dann sind da aber diese Momente, in denen man merkt, wie unkompliziert die Arbeit mit so einem kleinen Pferdchen sein kann, wenn man sich nur die Ruhe und Geduld nimmt und mit klarer Körpersprache arbeitet. Keine Frage, es gibt noch viel zu lernen und da meine kleine Stute auch recht willensstark ist, wird der Weg nicht immer einfach sein (ich sag‘ nur „konsequent sein, ist schwieriger als ich dachte“!). Aber manchmal glaube ich, dass wir „Normalos“ bessere Pferdeausbilder sind, als so mancher, der sich „Profi“ schimpft, weil wir viel genauer hinschauen, hinterfragen und kritischer mit uns selbst sind.
    Schön, dass du hier deine Erfahrungen mit anderen teilst!
    LG Isi.

    • Petra sagt:

      Liebe Isi, wie schön! Noch eine Jungpferdebesitzerin :-) Ich freue mich über jede, die ihren Weg hierher findet. Da ich wirklich noch so frisch dabei bin, habe ich mir einen Profi geholt, der mir bei der Ausbildung hilft. Sabine, meine Trainerin, ist spezialisiert auf die Pferdegrundschule und Jungpferdausbildung. Eigentlich wird es so laufen, dass sie ganz viel mit der Kleinen macht und mir dann alles zeigt, wenn es sich bei dem Pferd gesetzt hat und ich dann Hausaufgaben bekommen werde. Ich werde natürlich oft dabei sein und lernen und mitmachen, wo ich kann. Aber alles nach und nach, mit viel Zeit und Geduld. Auch mir gegenüber ;-) Ich habe mir geschworen nur das zu tun, bei dem ich mich wohl und sicher fühle und wenn meine Kleine und ich dann eben 1 Jahr brauchen für das, was andere in 2 Monaten hinbekommen, dann wäre es nicht schlimm für mich. Hauptsache wir kommen langfristig an das Ziel. Was für mich eine respektvolle gegenseitige Beziehung ist :-) Aber ich finde ganz wichtig, dass man immer auch sich selbst im Blick hat, sein Können und den eigenen Ausbildungsstand. Pferde sind so fein und gerade bei jungen Pferden setzen sich die ersten Erfahrungen oft so stark fest, dass ich es mir nicht alleine zutrauen würde. Aber so können wir zusammen lernen, mein Jungpferd und ich. Das ist etwas, worauf ich mich sehr freue. Die Zweifel und die Angst kenne ich übrigens sehr gut *seufz* sie kommen beide regelmäßig vorbei und flüstern mir ins Ohr, dass ich ganz schön verrückt bin und ob ich mir wirklich sicher bin, dass das gut gehen wird… dann schmeiße ich die beiden jedesmal wieder raus und schlage ihnen die Tür vor der Nase zu. Begrüße den Optimismus und den Humor und beschließe alles mit innerer Gelassenheit zu nehmen, was kommen wird. Wie sind denn Deine Erfahrungen mit Deiner Stute? Und wie alt ist sie schon? Und wie hat sie Dich gefunden oder Du sie? Du schreibst, dass die Arbeit doch oft so unkompliziert ist? Das freut mich wahnsinnig zu lesen ;-) Hast Du die Erfahrung gemacht, dass einmal gemachte Fehler wieder deutlich schwerer auszumerzen sind als bei einem älteren Pferd? Das wurde mir nämlich immer wieder bedeutungsschwanger gesagt… Und die berühmten Teenie-Flegeljahre.. merkst Du etwas davon? Ich hoffe, ich bin nicht zu neugierig :-) So viele Fragen.. Ganz liebe Grüße auch an Deine Stute und natürlich an Dich, Petra

  6. Isi sagt:

    Hallo Petra,
    ich habe auch noch einen Pferde – Opa, der mich seit 13 Jahren begleitet und den ich leider leider vor ein einhalb Jahren in Rente schicken musste. Er ist immer noch mein ein und alles, aber nicht mehr reitbar. So kam es irgendwann zu der Überlegung, mir ein zweites Pferdchen dazu zu holen. Mein Oldi war ca. zehn, als er zu mir kam und ich ein Teenager. Ich habe damals vieles anders gemacht, als ich es heute tue und tun würde. Und ich weiß überhaupt gar nichts über seine Vergangenheit. Darum kam mir irgendwie der Wunsch, ein junges Pferd zu holen, das ich von Anfang an begleiten kann und das ich genauso ausbilden kann, wie ich es mir heute vorstelle. Nachdem ich einige Zeit gesucht habe, aber kein Pferd mich so richtig angesprochen hat, habe ich den Spieß umgedreht und eine Anzeige geschaltet. Neben unglaublich vielen völlig unpassenden Angeboten, bekam ich einen unheimlich lieben Brief einer Frau, die eigentlich "nur für den Eigenbedarf " züchtet, aber eine kleine, ungeplante Stute hatte, für die sie ein tolles zu Hause suchte. Also habe ich mich ins Auto gesetzt und bin von Hamburg nach Bremerhaven gedüst. Dort erwartete mich eine super süße neugierige Stute mit einer auffällig schiefen Blässe ;-) Was soll ich sagen, es hat Klick gemacht!
    Die Kleine kam mit ein einhalb zu mir und wird diesen Sommer drei Jahre alt. Nachdem sie das letzte Jahr auf der Weide verbringen und einfach nur Baby sein durfte, habe ich vor ein paar Monaten angefangen ein bisschen mit ihr zu arbeiten. Spazieren gehen im Gelände, Stillstehen beim Putzen und Hufschmied und ein bisschen Arbeit im Roundpen. Die Kleine ist unheimlich pfiffige und total neugierig. So sind die Spaziergänge mit ihr total easy, weil sie eigentlich vor nichts Angst hat. Ein großer Vorteil im Vergleich zu älteren Pferden! Und auch im Roundpen arbeitet sie super mit und hat ganz schnell verstanden, was ich eigentlich von ihr möchte. Sie reagiert super auf meine Körpersprache. Wir machen es ziemlich genau so, wie du es oben beschrieben hast.
    Fehler mache ich natürlich auch. Ich bin deshalb sehr froh, eine gute Freundin an der Seite zu haben, die sich mit der Ausbildung von Jungpferden gut auskennt und immer im richtigen Moment "eingegriffen " hat. Mittlerweile mache ich all diese Dinge schon mit meiner Kleinen alleine. Bisher haben sich zum Glück noch keine Fehler eingeschlichen, die nicht oder nur schwer zu beheben waren, aber ich denke in diesem Fall, sollte man einfach wieder einen Schritt zurück gehen. Ich habe gelernt, das Ruhe und Geduld das aller Wichtigste sind. Und das ist für uns Menschen gleichzeitig das aller Schwierigste! Meine kleine Maus ist eine typische Stute, ein bisschen zickig und sich ihrer Sache sehr sicher ;-) So richtig in den Flegeljahren ist sie wohl noch nicht, aber es gibt immer wieder Situationen, in denen ich streng und konsequent sein muss und ja (!) all meinen Mut zusammen nehmen muss um stark und selbstbewusst zu wirken … wenn sie zb in vollem Affenzahn durchs Roundpen fegt und versucht, mir näher zu kommen, als sie es eigentlich darf! Tierärzte mag sie zb auch gar nicht und so ist jeder Tag aufs Neue eine kleine Herausforderung an mich selbst. Wenn die Kleine aber neue Übungen schneller umsetzt, als ich es je erwartet habe, mir auf der Weide entgegen gelaufen kommt, auch bei großer Distanz und mich mit ihrem jugendlichen Leichtsinn zum Lachen bringt (Alles, wirklich Alles muss mit dem Mund probiert werden … gestern sogar ein Schluck von meinem Putzwasser für ihre Beinchen … trotz Grüne-Seife-Geschmack ! .. ich gebe dir den Tipp, deine Augen überall zu haben und furchtbar schnell zu reagieren, auch wenn es manchmal einfach unmöglich ist ;-) ) dann weiß ich, dass es die richtige Entscheidung war. Deinen Rat, alles mit einer inneren Gelassenheit zu betrachten, finde ich übrigens super. Auch wir haben alle Zeit der Welt und wollen keine Rekorde brechen! LG

  7. Nina sagt:

    Mit Peppy beschreibst du zu 90 % genau meine Glory! Sie ist zwar nicht Leitstute aber recht weit oben in der Rangordnung. Und bei ihr muss man auch ganz genau die richtige Mischung finden, nicht zu viel und nicht zu wenig.
    Ihre Mutter Bionda ist da etwas einfacher, die lässt sich etwas unkomplizierter händeln und verzeiht ein wenig mehr. Genau wie Biondas Papa, der ist einer der liebsten Hengste die ich kenne.
    Ach ist doch schon was schönes wenn man die ganze Familie kennt, oder? :)
    LG Nina

    • Petra sagt:

      Ohja – ich finde das wirklich sehr schön, dass ich weiß wie Mutter und Vater sind. Ich denke oft: Genauso wie ihre Mutter – wenn mein Pferd etwas macht. Wie bei uns Menschen auch ;-) Ganz liebe Grüße, Petra

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