Artikel aktualisiert am 27.02.2017

Clemens Laar Zitat Pferd

Ein Gastbeitrag von FÜHRPFERD:

Seit über 20 Jahren bin ich dem Pferdevirus verfallen. Seit mehr als zwei Jahren bin ich nun auch als Trainerin unterwegs. Ich lese so viel über Trainingsmethoden, bilde mich in Seminaren fort und recherchiere über Anatomie oder Lernverhalten. Ich möchte immer auf dem neusten Stand sein und mit meiner Arbeit den Pferden und ihren Besitzern das Beste von mir geben. An manchen Tagen ist dieser Überfluss von Informationen dann in meinem Kopf, und ich versuche das alles in meine Arbeit einfließen zu lassen.

Dann stehe ich mit diesem ganzen Wissen auf dem Platz, und das Pferd vor mir scheint von all dem einfach nichts zu verstehen.

  • Ich möchte gymnastizieren? Das Pferd verneint.
  • Ich frage nach einem flotten Vorwärts? Das Pferd verneint.
  • Ich suche nach Ursachen, eventuell gezerrten Muskeln oder verschobenen Wirbeln. Aber das Pferd vor mir scheint völlig fit, es schaut mir nur fragend an.

In diesen Momenten erinnere ich mich an Clemens Laar. An seine Worte, das ich das Pferd lieben muss. Ich bin ein großer Fan von allen Pferden, die mir begegnen. Mein Mann sagt, ich habe Pferde-ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom, auch gerne Zappelphilipp-Snydrom genannt) – sobald ein Pferd in meiner Umgebung ist, kann ich mich auf nichts anderes konzentrieren. Aber Clemens Laar meint mit seinen Worten etwas anderes. Er spricht von absoluter Hingabe.

Pferdeliebe

Erst wenn ich es schaffe, meinen Kopf auszuschalten und mich auf das Pferd einzulassen, erst dann kann es sich auch mir hingeben. Erst dann können wir eine Einheit werden. Es geht nicht darum, wie gut ich geschult bin. Es geht nicht darum, dass ich auf meinem letzten Seminar meine Körpersprache verbessert habe. Es geht um mein Herz.

Mein Herz muss sich ausschließlich auf das Pferd konzentrieren. Die Umgebung, die Zuschauer, mein Speiseplan für das Mittagessen, meine Steuererklärung: All das muss hinten anstehen. Erst wenn ich es schaffe, mich mit all meinen Sinnen und vor allem mit meiner Liebe dem Tier zuzuwenden, kann die Einheit entstehen, von der Clemens Laar spricht.

Akki und Missouri

Ab und zu, wenn ich auf meinem Pferd sitze, fühle ich mich mit Missouri verwachsen. Wir schweben dann über den Reitplatz, und ich muss nur an ein leichtes Schulterherein denken und mein Pferd erfüllt mir diesen Wunsch. Es sind nur kleine Augenblicke, in denen wir zu einer solchen Einheit werden.

Aber das sind genau diese Momente, in denen unsere Herzen miteinander verschmelzen. Momente, in denen zwei Individuen mit ganz verschiedenen Erwartungen und Lebensweisen miteinander kommunizieren. Momente, die nicht mit der Peitsche oder den Sporen erzwungen werden können, sondern in die sowohl Missouri und ich uns hineinfallen lassen, nur für einen kurzen Augenblick, nur für wenige Sekunden.

Kuscheln mit dem Pferd

Auf diese Momente arbeite ich hin. Jeden Tag, wenn ich mit einem Pferd arbeite, trainiere ich mein eigenes Herz. Damit ich die Sicherheit und die Geborgenheit geben kann, die mein Pferd braucht, um sich führen und fallen zu lassen.

Ich wünschte, jeder Reiter würde als erste sein Herz trainieren. Das versuche ich zu vermitteln. „…dann erst erfährt der Reiter letzte und völlige Hingabe des Tieres an jeden seiner Herzschläge, ja, an jeden seiner Gedanken und das erst wird dann zum Reiten.“

Clemens Laar Zitat Pferd

 

Text: Akki von Führpferd.de
Bilder: Akki von Führpferd.de

Wer ist der Zitategeber – Clemens Laar*

Sucht man im Internet nach Clemens Laar, erfährt man nur wenig. Laar hieß eigentlich Eberhard Koebsell, trat als Schriftsteller aber immer hinter seinem Künstlernamen auf. Er wurde im Jahr 1906 geboren und war in der Zeit des Nationalsozialismus ein populärer Schriftsteller. Er schrieb 32 Romane, von denen „…reitet für Deutschland“ (1936) und „Meines Vaters Pferde“ (1950) verfilmt wurden. Insgesamt drehen sich 11 seiner Werke um Pferde. Im Jahr 1960 erlitt er einen Reitunfall, als er auf einer Schleppjagt von einem Ast vom Pferd gerissen wurde. Kurz darauf nahm der bereits in Vergessenheit geratene Schriftsteller sich das Leben*

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3 Kommentare zu “Clemens Laar: Das Pferd, das man wirklich reiten will muss man lieben…

  1. Denise + Loki sagt:

    Wow super gelungener Artikel……:-) das hört sich so schön an…..ich hoffe ich schaffe es auch mal eine Einheit mit meinem Pferd zu sein….mit dem Herz zu sprechen quasi.

    Liebe Grüße,

    Denise

  2. Bernd Guenther sagt:

    Guten Tag,
    danke, dass ich ab heute dabei sein darf.
    Einen negativen Kritikpunkt habe ich aber; nicht zum Inhalt, sondern zur Schrift der Webseite.
    Diese Schrift ist äußerst blass und dementsprechend schlecht zu lesen.

    Könnt ihr dies ändern?
    Das wäre nett.

    Liebe Grüße,
    Bernd Guenther

    • Petra sagt:

      Lieber Bernd, also wir freuen uns auch sehr, dass du dabei bist :-) hmmm – hast du mal einen Screenshot für uns? Oder einen Browsernamen? Weil wir die Schrift sehr gut lesen können. Dann können wir das besser einschätzen :-) Danke dir sehr – auch für deinen Hinweis – und liebe Grüße, Petra

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