Beitragsbild Pferdefreunde

Ein Gastbeitrag von Pferdefreunde

Eigentlich klingt es banal, „Freude bei der Arbeit mit dem Pferd zu empfinden und diese Freude auch zu zeigen“. Eigentlich. Denn uneigentlich ist es gar nicht banal. Wer einen Blick auf die großen und kleinen Turnier- und Reitplätze wirft, der wird kaum einen Reiter sehen, der sich offen freut. Und auch ich habe bisher nur sehr wenige Reiter getroffen, die ihre empfundene Freude bei der Arbeit mit dem Pferd offen zeigen und kommunizieren.

Das ist schade. Sehr schade. Und meiner Meinung nach sollte das unbedingt geändert werden.

Wir alle sind Pferdefreunde

Freundschaft basiert auf Freiwilligkeit und ist somit die wertvollste Form von Bindung. Eine Freundschaft zeichnet sich für mich auch dadurch aus, dass alle Protagonisten Freude empfinden, wenn sie zusammen sind, und diese Freude offen kommunizieren.

Pferdefreunde

„Geben Sie Freude und Begeisterung vor, damit das Pferd diese schließlich auch zeigt. Wie es in den Wald hineinschallt, so schallt es heraus“, schreibt Bea Borelle in ihrem Buch Pferdetraining. „Jeder richtige Schritt Ihres Pferdes sollte von Ihnen bemerkt und auch mit diesem positiven Feedback belohnt werden. Pferde kennen Gefühle und zeigen sie. Wieso sollte man diese Möglichkeit nicht berücksichtigen bzw. fördern und sie mit einem freudigen Stimmungsbild loben?“

Hier findest du das Buch*

Im diesem Zusammenhang zieht Bea Borelle den Vergleich zu uns Menschen: Kleine Kinder erhalten von Erwachsenen sehr viel Lob, wenn sie ihre ersten Schritte machen oder anfangen zu sprechen. Doch je älter wir Menschen werden, desto selbstverständlicher werden bestimmte Dinge, desto größer wird unsere Erwartungshaltung und desto weniger wird gelobt.

Wir kennen es doch alle: Von uns wird erwartet, dass wir gute Zensuren schreiben, dass wir die Führerscheinprüfung bestehen und dass wir bei unserer Arbeit nur die besten Ergebnisse abliefern. Das alles wird als selbstverständlich vorausgesetzt. Lob gibt es dafür nicht.

Irgendwann hören wir so selten Lob, dass es uns schwer fällt, es anzunehmen. Hinter den lobenden Worten des Chef wittern wir direkt ein „Aber“ und wenn uns jemand für unser Pferd lobt, dann denken wir an all die Dinge, die noch nicht klappen. Das Lob einfach anzunehmen und sich drüber zu freuen, ist schwer.

Das ist schade.

Denn ein ernstgemeintes Lob hat so viel Kraft:

  • Es motiviert
  • es stärkt das Selbstbewusstsein
  • es ist Balsam für die Seele

Diese in erster Linie menschlichen Gefühle lassen sich auch auf unsere Pferde übertragen.

Pferdefreunde

Pferde sind absolut empathische Wesen, die sehr sensibel auf uns und unsere Gemütslage reagieren. Wenn wir uns gemeinsam mit unserem Pferd freuen und es ehrlich loben, dann wir das Pferd vielleicht nicht unbedingt verstehen, was wir ihm sagen und es wird unsere Freude nicht so empfinden, wie wir es tun. Doch es nimmt unsere Gefühle wahr und reagiert darauf, indem es sich seiner ganz eigenen Gefühlslandschaft bedient.

Pferdefreunde

Ich habe mir Bea Borelles Einstellung* bei meiner Arbeit mit meinem Jungpferd als Vorbild genommen. Ich habe sehr viel mit (stimmlichem) Lob gearbeitet und das Training so gestaltet, dass wir beide Spaß haben und Freude empfinden.

Natürlich hatte auch ich Ziele, ich wollte mein junges Pferd schließlich irgendwann reiten. Und ich habe diese Ziele auch sehr konsequent verfolgt. Aber wir haben das auf eine positive Art und mit jeder Menge Leichtigkeit gemacht. Wir haben selbst über kleinste Dinge gefreut.

Pferdefreunde

Mittlerweile ist mein Pferd erwachsen. Und ich muss zugeben: Ich lobe es nicht mehr für alles. Dennoch lobe ich mein Pferd nach wie vor mit viel Freude oft und gerne. Das baut eine positive Grundstimmung auf, die Basis eines erfolgreichen Trainings. Und es stärkt unsere Beziehung zueinander.

  • Ich habe ein Pferd, das gerne mit mir zusammen ist.
  • Ich habe ein Pferd, das Spaß hat an der Arbeit mit mir und sehr bemüht mitarbeitet.

Hier möchte ich noch etwas Persönliches erzählen: Von Anfang an habe ich zwei verschiedene Arten des Lobs genutzt: Zum einen habe ich die Stimme, zum anderen habe ich mein Pferd zwischen den Augen gekrault. Letzteres war immer verbunden mit einer kleinen Pause.

Auch beim Reiten später habe ich das Kraulen zwischen den Augen beibehalten. Mein Pferd hat dafür seinen Kopf nach hinten gedreht, wir haben Pause gemacht und hatten einen kurzen Moment, der nur uns gehörte.

Anfangs gab es von dieser Form des Lobes sehr viel, nach und nach wurde es immer weniger. Doch noch immer lobe ich ihn auf diese Weise.

Und was mich davon überzeugt, dass auch mein Pferd diese Form des Lobes versteht: Immer, wenn wir nach einer schwierigen oder neuen Übung Pause machen und er sich wirklich bemüht hat alles richtig zu machen, dreht er den Kopf nach hinten und fordert sein Lob ein. Das macht er nicht immer. Das macht er nur dann, wenn er der Meinung ist, dass jetzt mal ein Lob angebracht wäre.

Hier mag manch einer sagen, das sei frech und respektlos. Ich empfinde es nicht so. Oft fühle ich dabei noch etwas anderes: Für mich fühlt es sich an, als würde mein Pferd das Lob an mich zurückgeben. Als würde es sagen „Das haben wir beide grad wirklich toll gemacht.“

Ich denke: Wenn wir immer nur ernst und verbissen bei der Sache sind, dann läuft irgendwas falsch. Pferde sind unsere Partner, sie sind unsere Freunde. Und die Zeit, die wir mit unseren Freunden verbringen, sollte geprägt sein von Spaß und Freude.

Text: Karo von Pferdefreunde
Text: Karo von Pferdefreunde

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Wer ist die Zitategeberin – Bea Borelle*

Bea Borelle ist Ausbilderin und Trainerin. Ihre Schwerpunkte bei der Arbeit mit Pferden liegen in den Bereichen Zirkuslektionen, klassische Dressur und Arbeit an der Hand. Bea Borelle ist Ausbilderin der Schule der Légèreté und des T.T.E.A.M. Außerdem hat sie das B.E.A. Complete Concept entwickelt, das auf den Grundideen der Schule der Légèreté basiert und eine grundlegende Ausbildung am Boden, in der Longenarbeit und in der gerittenen Arbeit bietet.

Hier findest du noch mehr Buchtipps*

Autor: Gastautor / Gastautorin

6 Kommentare zu “Bea Borelle: Freude bei der Arbeit mit dem Pferd empfinden

  1. Miriam sagt:

    Liebe Petra,

    das Buch von Bea Borelle habe ich vor Jahren schon gelesen und mich hat genau das fasziniert. Sie strahlt auf den Bildern und ihr Pony Ben genauso. Die beiden wirken so fröhlich beim Training. Damals war ich mit meiner damaligen Reitbeteiligung noch meilenweit von so einem Zusammensein entfernt. Ich habe es mir aber so sehr gewünscht.
    Für mich ist das Zitat gerade wirklich klasse, weil es mich wieder daran erinnert mich mehr zu freuen. Das war bei mir die letzte Zeit etwas kurz gekommen und mein kleiner Ponymann hat mir das dann auch klar gemacht. Ich liebe ihn dafür, dass er mir immer wieder zeigt worauf es ankommt.
    Liebe Grüße
    Miriam

    • Petra sagt:

      Liebe Miriam, bis Karo von Pferdefreunde diesen Artikel geschrieben hat, war mir Bea Borelle kein Begriff. Aber jetzt habe ich ihr Buch zum Pferdetraining auch auf der Liste 🙂 Noch mehr, wenn du schreibst, dass es dich auch so inspiriert hat. Freude ist etwas schönes und manchmal werden die Erwartungen größer als die Freude. Neulich dachte ich auch: Warum kommt mir meine Madame noch nicht mit gespitzten Öhrchen entgegen auf der Weide sondern wendet mir nur den Kopf zu. Da sagte mein Mann zu mir: Überlege mal wie viele gemeinsame Stunden ihr überhaupt erst habt. Seitdem freue ich mich auch schon über den zugewandten Kopf und neulich den ersten Schritt in meine Richtung 🙂 Ganz liebe Grüße an deinen Ponymann und dich, Petra

    • Miriam sagt:

      Liebe Petra,

      dass sie zu dir schaut ist doch schon ganz toll. Ihr kennt euch ja noch gar nicht so lange und gut.
      Es gibt auch Pferde, die einem nie entgegen kommen, weil sie es schön finden abgeholt zu werden. So war z.B. meine Reitbeteiligung die ich hatte bevor ich mein Pony zu mir geholt habe. Mit ihm habe ich Wanderritte gemacht, wir hatten eine wirklich gut Beziehung zueinander, wir haben uns gegenseitig vertraut und ich würde sagen er hat mir sogar einmal das Leben gerettet in dem er mich vor einem Wildschwein beschützt hat, was wirklich keine gute Laune hatte.
      Trotzdem kam er mir nie entgegen. Er hat mich angeschaut und sich auch mal zu mir gedreht, aber gekommen ist er nicht. Er fand es glaube ich einfach schön, dass ich zu ihm gekommen bin und ihn abgeholt habe. Er ging dann auch ohne Strick mit zum Tor, aber er kam nicht auf mich zu. Nicht immer sagt das Herkommen etwas über die Freude des Pferdes aus.
      Liebe Grüße und ganz viel Spaß mit deiner hübschen Maus
      Miriam

    • Petra sagt:

      Liebe Miriam, das ist lieb und mal wieder ein neuer Blickwinkel. Danke dafür. Du eröffnest mir wirklich immer wieder andere Blickwinkel auf die Themen – das ist toll. Ich freue mich auch an jedem kleinen Schritt mit der Madame, sie ist ein tolles Pferd. Das dürfen wir ohnehin bei all unseren Wünschen und Erwartungen nicht vergessen. Ganz liebe grüße auch an dich und deinen süßen kleinen Ponymann, Petra

  2. Christina von Herzenspferd sagt:

    Sooo schön! <3
    Besonders die kleine persönliche Geschichte am Ende mit dem "Lob abholen" =)
    Ich mache auch immer wieder die Erfahrung, dass sich Pferde total mitfreuen und motiviert sind wenn man sich selbst offen freut. Genauso geht es aber auch andersherum: meine Reitbeteiligung spannt sich zum Beispiel sofort an, wenn jemand um die Ecke kommt den ich nicht mag, das spürt sie sofort. Ich finde deshalb ist es wichtig eine (Trainings)Situation zu schaffen, in der wir uns auch ehrlich freuen können – unsere Pferde merken, wenn wir uns verstellen.

    Liebe Grüße,
    Christina

    • Karo von Pferdefreunde sagt:

      Liebe Christina,

      Danke für deine lieben Worte! <3

      Du sagst es, es ist super wichtig, ehrlich zu sein. Pferde spüren alles und sie haben es verdient, dass wir ehrlich zu ihnen sind – und zwar in jeder Hinsicht: Wenn etwas nicht läuft und ich meinem Pferd allein die Schuld gebe, dann bin ich mir gegenüber nicht ehrlich und meinem Pferd gegenüber unfair.

      Viele Grüße
      Karo

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