Artikel aktualisiert am 25.02.2017

Die Sonne heizt die morgendliche Luft auf, das Sattelleder duftet und das Schnauben der Pferde dringt durch die frühe Stille. Heute reiten wir in den Busch und ich will dich mitnehmen auf den Ausritt durch die afrikanische Natur. Kennst du diese Momente, wenn das Pferd dir seine Aufmerksamkeit und sein Vertrauen schenkt? Wenn ihr eins werdet? Sie sind ein Geschenk. Aber du kannst dafür sorgen, dass es passiert.

Der Wallach, den ich die vergangenen Tage reiten durfte, hat seinen eigenen Kopf. Ich würde sagen, dass er Charakter hat. Er hat nicht nur gute Erfahrungen in der Vergangenheit gemacht und weiß deshalb genau, wem er sein Vertrauen schenken will und wem nicht.

Von gegenseitigem Verständnis und Respekt

Es gab wohl Reiter, die ihn über eine Stunde auf der Weide „einfangen“ mussten, bis er mitgekommen ist. Es gab auch Reiter, bei denen er aus Stress in eine Verweigerungshaltung gegangen ist. Er ist sensibel und er spiegelt Ungeduld und mangelnde Gerechtigkeit sofort. Umso erstaunter und dankbarer war ich, dass Geronimo mir nach kurzer Zeit Vertrauen entgegengebracht hat. Am ersten Tag, hat er mir den Hintern zugedreht und versucht zwei bis drei Schritte Abstand zwischen uns zu bringen, wenn ich ihn von der Weide holen wollte.

Geronimo Popo

Er wollte sich nicht an die Ohren fassen lassen (das mag er grundsätzlich nicht) und er ist mir nur zögerlich gefolgt. Ich habe mir dann Zeit genommen für ihn, habe ihm gezeigt, dass eine Massage an der Gurtlage genauso gut tut wie an den Ohren, weil es dann weniger juckt am Fell. Ich habe ihm gezeigt, dass ich es ernst meine, wenn ich „Nein“ sage und dass ich ihn lobe, wenn er mitdenkt. Nach zwei Tagen hebt er freiwillig die Hufe, senkt den Kopf sofort in das Halfter und schnaubt zufrieden, während ich ihm seine Ohren massiere.

Petra & Geronimo - Eyes

Er folgt mir bei der Bodenarbeit, wenn ich gehe und hört mir aufmerksam zu, wenn ich im Roundpen mit ihm „spreche”. Das wiederum macht mich sehr glücklich. Denn es zeigt mir, dass ich eine Verbindung zu diesem exaltierten Geschöpf gefunden habe. Ein klein bisschen habe ich mein Herz an ihn verloren. Aber ich weiß, dass er sehr gut aufgehoben ist auf Gross Okandjou und werde immer dankbar an ihn denken. Aber dieser Artikel soll nicht vom Abschiedsschmerz handeln, sondern vom Glück des Miteinander.

Tipps für mehr Vertrauen

  • Du kannst durch deine Geduld deinem Pferd Aufmerksamkeit schenken, es wird dir dafür sein Vertrauen schenken
  • Du kannst durch Deine Aufmerksamkeit deinem Pferd Vertrauen schenken, es wird dir dafür seine Aufmerksamkeit schenken
  • Du kannst durch ein Lächeln deinem Pferd Ruhe schenken, es wird dir dafür seine Gelassenheit schenken

Video: Ein Ausritt durch den namibischen Busch

Das schönste Gefühl

An diesem Tag, spitzt er die Ohren, als er mich sieht. Er kommt einen Schritt auf mich zu und senkt den Kopf in das Halfter. Er folgt mir zum Putzplatz und hebt brav die Hufe, sobald ich mich seinem Bein nähere und sanft mit der Hand  in Richtung Fessel fahre. Er hat mich im Blick.

Pferde auf der Koppel in Namibia

Das sehe ich an seinen Ohren und das merke ich an seinem Kopf, der mir folgt. Ich bin glücklich und genieße es und ein bisschen merke ich, dass ich diese Verbindung nicht vergessen werde. Ich bin dankbar, denke ich – während ich den Sattel hole.

Popo bürsten

Ausritt_3_web

Mitten im afrikanischen Busch

Ich fühle mich beschützt von diesem Pferd. Geromino (der wohl oft in der Natur beim Ausritt schwer zu halten ist) hört mir zu, den ganzen Ausritt lang sind seine Ohren bei mir. Er schreitet sanft, er reagiert auf das Zügelzupfen und er läuft erst los, wenn ich ihn dazu auffordere.

Ausritt_2_web

Ich denke „links“ und er läuft „links“. Ich ahne warum er sich geöffnet hat. Weil ich ihn respektiert habe. Ich habe mich höflich aber bestimmt angenähert und ich habe ihm einen freundlichen Rahmen gegeben, innerhalb dessen er sich bewegen kann. Das weiß er zu schätzen, denn er fühlt sich aufgehoben.

Das ist es worum es geht zwischen Mensch und Pferd:

  • Es geht nicht darum den anderen zu dominieren, „die Stärkere“ oder der Chef im Ring zu sein.
  • Es geht auch darum sich zu respektieren und sich gegenseitig Raum zu geben.
Es geht nicht darum Dein Pferd zu dominieren, „die Stärkere“ oder der Chef im Ring zu sein. Es geht auch darum sich zu respektieren und sich gegenseitig Raum zu geben.

Bleiben wir bei den Ohren. Ich habe ihn nicht rabiat an den Ohren angefasst, um ihn zu desensibilisieren, ich habe mich angenähert und erst dann sanft weitergemacht, wenn er es erlaubt hat. Ich habe jeden Tag ein klein bisschen mehr gemacht, aber eben immer nur dann, wenn er es erlaubt hat. Und ich habe ihm gezeigt, dass es sich gut anfühlen kann – nie über seine persönlichen Grenzen hinweg, sondern immer mit seiner Erlaubnis.

Ich habe das Gefühl, dass er mir dafür danken will. Indem er mir vertraut und mich in seinem Kopf hat. Er weiß, dass ich auf seinem Rücken sitze und vergisst es keine Sekunde während dieses Ritts.

Ausritt_1_web

Springbock springt weg

Galopp in der namibischen Wüste

Geronimo und ich dürfen Galoppieren. Durch eines der getrockneten Flussbette. Er folgt mir ohne Bedenken, als ich ihn weglenke von der Herde. Er galoppiert an, auf das leiseste Signal, rennt schneller, wenn ich ihn bitte und entschleunigt den Galopp auf ein leichtes Tiefsitzen im Sattel. Er hört mir sogar im Galopp zu.

Er könnte mit mir davonrasen, er könnte mich ignorieren, aber er hört mir zu. Ich flüstere ein leises „Easy“ (das Signal für eine langsamere Gangart) und Geronimo fällt wieder in den Trab. Ich streichle seinen Hals, ich danke ihm. Denn es ist nicht selbstverständlich, dass er mir so aufmerksam zuhört und es ist nicht selbstverständlich, dass er einen sanften Galopp mit mir wagt, anstatt zu rennen – wie er eigentlich gerne will. Es ist schlicht und einfach nicht selbstverständlich, dass er mich auf seinem Rücken trägt.

Die Weite des afrikanischen Buschs

Noch mehr Busch

Das ist Glück

  • Wenn das Pferd dir vertraut und du ihm vertraust
  • Wenn das Pferd dir zuhört und ganz bei dir ist
  • Wenn Du ganz bei dem Pferd bist
  • Wenn ihr eins werdet und der eine denkt, was der andere fühlt

Ich hätte nicht gedacht, dass ein fremdes Pferd mir diesen Moment das erste Mal schenken würde. Ich kenne Geronimo seit knapp 8 Tagen und trotzdem schenkt er mir diesen Moment.

Geronimo und Petra - smile

TIPP: Dein Pferd schenkt Dir diese Momente, wenn Du ihm vorher Deine Aufmerksamkeit, Deinen Respekt und Deine Höflichkeit schenkst. Denn dann bist du vertrauenswürdig und dann lässt es sich auf Dich ein. 
Kennst du das? Wenn du etwas denkst und dein Pferd setzt es um? Schreib mir deine Geschichte in einem Kommentar. Ich würde sie gerne lesen!

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8 Kommentare zu “Vom Glück des Miteinander: Eins sein mit dem Pferd in der namibischen Wüste

  1. Miriam sagt:

    Liebe Petra,

    das ist doch mal eine ganz andere Kulisse für einen schönen Ausritt. Und es wirkt im Video alles total entspannt. Bei dem vielen Sand musste ich an meinen kleinen Hund denken, die Kleine liebt es über Sand zu rennen.
    Ich freue mich, dass du und Geronimo innerhalb doch recht kurzer Zeit schon eine Beziehung zueinander aufbauen konntet. Es gibt so Pferde im Leben, die vergisst man nicht. Zu denen entwickelt man eine ganz besondere Beziehung und meistens bringen sie einem auch was bei. Das sind besondere Begegnungen auch wenn sie manchmal nur kurz sind und manchmal länger. Ich freue mich für dich, dass du so eine besondere Begegnung mit Geronimo hattest :).

    Und ich bin schon total neugierig wo ihr als nächstes gelandet seid :).

    Liebe Grüße
    Miriam

    • Petra sagt:

      Liebe Miriam, wenn Dein Hund Sand liebt, dann hätte er Namibia wahrscheinlich bellend und im Sand wühlend begrüsst und den ganzen Urlaub nur dort verbracht ;-) Sandig war es sehr, aber das hat dem Land auch diese karge Schönheit verliehen, in die man sich rasant verlieben kann. Du hast Recht mit Geronimo, ich habe ihn tatsächlich fest in meinem Gedächtnis eingeschlossen und denke immer wieder an ihn. Er hat mich berührt. Am liebsten hätte ich ihn mitgenommen, aber ich habe ja ein Pferd, auf das ich mich sehr freue und weiß, dass er dort ein tolles Zuhause hat. :-) Ganz liebe Grüße an Dich und Deinen kleinen Kerl, Petra

  2. Petra sagt:

    Hi Du namibische Pferdeflüsterin,

    das ist so wunderschön, was Du da beschreibst, dass mir fast die Tränen kommen. Das ist doch genau das, wonach sich vermutlich alle Reiter sehnen und viele nicht finden. Sie kämpfen gegen ihr Pferd, projizieren ihre vermenschelten Vorstellungen auf es, geben ihm kein artgerechtes Leben, können ihre Angst nicht loslassen usw.

    Ich habe glücklicherweise auch solche Momente erleben dürfen – leider immer nur Momente davon :-( – und weiß genau, wie sich dieses unbeschreibliche Glück anfühlt. Dieses Verbundensein mit einem anderen Geschöpf, das einem vertraut und trägt und mit dem man sogar "fliegen" kann, ist für mich die Verbundenheit mit dem tiefsten Kern dessen was "Leben" ist, das Eins-Sein mit der Welt, mit jedem Geschöpf, mit dem Himmel und der Erde.

    Ich freu mich so sehr für Dich, dass Du das für Dich gefunden hast!!! Es zu schätzen weißt und mit diesem großartigen Blog andere Schritt für Schritt mitnimmst, auf diesem wunderschönen Weg, zu den besten Seiten in Dir selbst und zu einem fairen Miteinander mit den Pferden, diesen einzigartigen Geschöpfen, die es so sehr verdienen, mit Respekt und pferdegerecht behandelt zu werden – und es so oft nicht bekommen.

    Liebe Grüße von Petra an Petra ♥

    • Petra sagt:

      Huhu liebe Petra, wie schön von Dir geschrieben! In Dir steckt eine Poetin, ich wusste es schon immer :-) Es war tatsächlich schön und erdet irgendwie auch, wenn man mit dem Gefühl gehen kann, ein Pferdeherz ein klein wenig besser verstanden zu haben. Dieser Moment, wenn man genau merkt, dass man sich gegenseitig respektiert und zuhört, jeder sein darf, was er ist und man doch gemeinsam in eine Richtung geht, ist unbezahlbar. Wie Du schreibst, man bekommt ihn aber nur, wenn man auch Vertrauen, Geduld und Respekt gibt. Viele "erwarten" und "wünschen" und "wollen" immer nur von ihren Pferden. Geronimo hat mir wieder etwas beigebracht. Ich erkenne immer mehr, dass etwas dran ist an diesen Sätzen, wie "Pferde spiegeln Dich" oder "sie sind Deine Lehrmeister" :-) Ganz liebe Grüße an Dich *drück*

  3. Sabine sagt:

    Liebe Petra,

    schön, dich so zu sehen!!!!

    Du siehst seeeeehr glücklich aus mit Geronimo!! Tolles Bild! "Glück" auf einem Foto einzufangen, ist ja nicht so leicht. Tom ist es gelungen! :)
    LG Sabine

    • Petra sagt:

      Liebe Sabine, wie lieb von Dir! Ich habe mich sehr über Deinen Kommentar gefreut und Tom natürlich auch ;-) Pferde machen mich wirklich glücklich. Das merke ich gerade, wo ich an schwerem Pferdeentzug leide ;-) Ganz liebe Grüße an alle, Petra

  4. Ina sagt:

    Hallo Petra,

    Farm Hohewarte, ebenfalls in Namibia. Heike hat auf Hohewarte Pferde aufgenommen, die dringend ein gutes, artgerechtes und liebevolles Zuhause brauchten. Es ist schön zu sehen, wie die Tiere wieder Zutrauen zu Menschen gefunden haben, die sich intensiv und verständnisvoll mit ihnen beschäftigen.

    Vom Araber bis zum Vollblut. Heike vermittelt mit viel Einsatz und Leidenschaft, auch Anfängern und Leuten, die einfach nur den Traum "Pferd" haben, Reiten / HMS / gebissloses Reiten, auf einer wunderschönen Farm. Die Pferde danken einem die liebevolle und partnerschaftliche Behandlung mit traumhaften Ausritten.

    Viele Grüße
    Ina

    • Petra sagt:

      Hallo Ina, das klingt toll. So müsste es doch überall sein. Fast wünschte ich, dass ich schon vorher davon gewusst hätte, dann wären wir auch bei Heike und ihrer Farm vorbeigereist :-) Es ist so schön zu lesen, dass es überall auf der Welt so viele Pferdemenschen gibt, die sich für die Pferde engagieren. Danke für den Tipp! Liebe Grüße und bis bald, Petra

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