Wer ein Reitabzeichen abgelegt hat, wird sie noch auswendig gelernt haben: Die Brandzeichen für verschiedene Pferderassen. Etwa das gebogene H mit den Pferdeköpfen für den Hannoveraner oder die typischen Elch-Schaufeln des Trakehners. Ab dem Jahr 2019 dürfen Fohlen nun keine Schenkelbrände mehr erhalten. Das hat die FN in einer Pressemitteilung berichtet.

Wirkstoff für lokale Betäubung wurde nicht zugelassen

Zwar ist ein Brandzeichen im 2012 beschlossenen Tierschutzgesetz als Kennzeichungsmethode neben den EU-weit vorgeschriebenen Chips erhalten geblieben. Allerdings darf ein solcher Eingriff ab 2019 nur noch mit Schmerzmitteln erfolgen. Und das fehlt. Eine Arbeitsgruppe suchte in den vergangenen Jahren ein geeignetes Medikament zur lokalen Betäubung. ” Mit Lidocain hatte man auch schnell einen geeigneten Wirkstoff gefunden und erfolgreich getestet”, schreibt die FN. Dann lehnte das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) die angestrebte Zulassungserweiterung eines lidocainhaltigen Tierarzneimittels für Pferde um den Anwendungsbereich auf der Haut ab und verlangte eine Neuzulassung. Eine solche aber ist teuer und zeitintensiv.

Die FN versuchte zuletzt, einen zeitlichen Aufschub eingeräumt zu bekommen, doch auch das klappte nicht. Damit sieht es so aus, als ob mit dem Schenkelbrand eine Tradition in der Pferdezucht zu Ende geht.

Schenkelbrand: Merkmal zur Identifikation oder Werbezweck?

Die Züchter halten an den Brandzeichen fest, da sie ein “zusätzliches, zuverlässiges Merkmal zur eindeutigen Identifikation eines Pferdes und dessen Rückführbarkeit“, sind, so Dr. Norbert Camp, Mitglied des Vorstands Zucht der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) und Vorsitzender des Trakehner Verbandes in der Pressemeldung der FN. Zudem seien die Fohlenbrenntermine wichtige Zusammenkünfte für die Züchter gewesen.

Es ist fraglich, ob der Schenkelbrand nach der Zwangspause mit geeigneter Medikation wieder eingeführt werden kann.

Bundestierärztekammer verlangte freiwilligen Verzicht auf den Brand

Gegenwind hatte die FN zuletzt auch von der Bundestierärztekammer (BTK) erfahren: Diese hatte am 20. August zum Internationalen Weltpferdetag die Zuchtverbände aufgefordert, freiwillig auf den Schenkelbrand zu verzichten. Brandzeichen verursachten bei den Fohlen Verbrennungen dritten Grades, erhebliche Schmerzen über längere Zeit sowie einen bleibenden Schaden, so die Mitteilung der BTK. Dabei gebe es für die Kennzeichnung mit Brandzeichen keinen vernünftigen Grund mehr. Die Kennzeichungspflicht mit Mikrochip mache eine weitere Kennzeichnung überflüssig. Zudem stellten Brandzeichen keine “keine individuelle Kennzeichnung zur Identifizierung des Einzeltieres dar”, sondern dienten in erster Linie dem Werbezweck der Zuchtverbände.

 

Quellen:

https://www.pferd-aktuell.de/fn/newsticker/zucht/aus-fuer-den-schenkelbrand

https://www.bundestieraerztekammer.de/presse/2018/08/Internationaler_Weltpferdetag.php

2 Kommentare zu “Traditioneller Schenkelbrand steht vor dem Aus

  1. Claudia sagt:

    Hallo zusammen,
    eine gute Nachricht. Schlimm genug, dass es eine so uralte Methode überhaupt noch gibt. Niemand würde dies seinem Kind, Hund oder anderem Haustier antun. Warum dann bei Pferden oder Rindern? Sie fühlen den Schmerz genau wie wir, es ist ein Verbrennung bis hin zum dritten Grad. Es kann zu Entzündungen kommen, vom traumatischen Erlebnis für das Tier mal abgesehen. In manchen Dingen im Umgang mit den Tieren, leben wir noch im Mittelalter.

    • Petra sagt:

      Hallo liebe Claudia, das finden wir auch. Ich persönlich habe meinem Züchter damals verboten einen Brand zu machen und fand es schrecklich, dass es überhaupt zur Debatte stand. Ganz liebe Grüße, Petra

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