Die Veterinärmedizinische Fakultät in Lüttich, Belgien, hat ein Portal eingerichtet (Atypical Myopathy Alert Group), über das Pferdebesitzer und Tierärzte europaweit Fälle der Atypischen Myopathie melden können. Laut propferd.at waren bis Ende November 228 Fälle berichtet worden.

Da die Krankheit nicht meldepflichtig ist, wird davon ausgegangen, dass die Dunkelziffer deutlich höher ist. propferd.at zufolge traten die meisten Fälle in Belgien (108) und Frankreich (70) auf, Deutschland ist mit 8 Fällen betroffen.  

Weidemyopathie greift Muskeln an 

Die atypische Myopathie, auch Weidemyopathie genannt, ist eine Muskelerkrankung, die die Herz- und Skelettmuskelzellen der Pferde angreift und zerstört. Ausgelöst wird sie von dem Toxin Hypoglycin Aaus (HGA). Die giftige Aminosäure kommt in den Samenkapseln des Bergahorns, aber auch in seinen Trieben und Jungpflanzen vor. 

Das Problem: Ahornbäume sind eine in Deutschland weit verbreitete Baumart und die kleinen Propeller der Samen lassen sie bis zu 100 Meter weit fliegen. Außerdem lässt sich zurzeit nicht bestimmen, wie viel ein Pferd fressen muss, um sich zu vergiften: Die Menge des Toxins in den Samen ist unterschiedlich.

Risikozeit: Spätherbst, Winter und Frühjahr

Die Zeit zwischen Oktober und März, wenn die Samen fliegen und die Jungpflanzen austreiben, stellt somit die Risikophase für Pferde dar. Temperaturstürze und raues Wetter können die Krankheit zusätzlich begünstigen. Auch kurzes Gras auf den Koppeln erhöht das Risiko, da Pferde die Bergahorn-Samen dann leichter mitfressen können. Pferdebesitzer sollten also ihre Weiden abgehen und die Samen entfernen und auch bei Ausritten darauf achten, dass das Pferd nicht davon frisst. 

Durch ihre Propeller kann der Wind die Samen weiter tragen – nur weil keine Ahornbäume in der Nähe sind, bedeutet das also nicht, dass auf der Koppel auch keine Samen zu finden sind. 

Die Weidemyopathie schreitet schnell voran, da sich im Körper ein Abbauprodukt, Metabolit, bildet. Pferde können innerhalb von 72 meist an Herzversagen oder Atemstillstand sterben. Deswegen ist es wichtig, die ersten Anzeichen einer Vergiftung schnell zu erkennen. 

Symptome der atypischen Myopathie

Typische Symptome sind: 

  • Zittern und Schwitzen
  • kolikartige Symptome
  • Fieber
  • steifer, schwankender Gang nach dem Weidegang
  • schmerzende Muskeln
  • Muskelschwäche, das Pferd kann nicht mehr laufen und stehen
  • hängender Kopf
  • erhöhte Atemfrequenz
  • Herzrasen; oft über 100 Schläge pro Minute
  • rotbraune Verfärbung des Urins
  • Probleme beim Harnlassen 
  • Schluckprobleme 

Was tun im Verdachtsfall? 

Bei Verdacht sollte sofort ein Tierarzt gerufen werden, um die Vergiftung rechtzeitig abmildern zu können. Hier gilt es, den Kreislauf zu stabilisieren, Toxine zu binden und auszuschwemmen. Da es noch keine Therapie gibt, behandeln Tierärzte lediglich die Symptome. 

Wird die Krankheit nicht rechtzeitig erkannt, sterben 70 bis 90 Prozent der betroffenen Pferde. Blut- und Urinproben geben Aufschluss über den Grad der Vergiftung. 

Quellen: 

https://www.propferd.at/main.asp?VID=1&kat1=87&kat2=644&NID=6849&DDate=22112018

https://www.cavallo.de/news/pferdegesundheit-neues-aus-der-pferde-medizin/gift-auf-der-weide-sieben-neue-faelle-atypischer-weidemyopathie.1959096.233219.htm

http://labos.ulg.ac.be/myopathie-atypique/de/wachsam-auf-der-14102018/

Info: www.myopathie-atypique.be

5 Kommentare zu “Weidemyopathie: Die Zahl der erkrankten Pferde steigt

  1. Annette sagt:

    Hallo unsere Pferde hatten durch den trockenen Sommer Bergahornblätter im Heu und haben die Leberwerte erhöht..hat das noch jemand und kann darüber berichten

  2. Claudia sagt:

    Hallo Pferdefreunde,
    ich habe mein erstes und gleichzeitig mein Seelenpferd nach nur einem halben gemeinsamen Jahr durch die Weidemyophathie verloren. Trotz schnellen Handelns und Unterbringung in der Tierklinik ist mein Pferd innerhalb 36h verstorben. Die Tierärzte können so gut wie nichts tun (Infusionen, Schmerzmittel), da die wirklichen Ursachen immer noch umstritten sind. Ich habe auch schon von Gräsergiften gelesen.
    Wir haben schon lange Ahornbäume stehen, aber getroffen hat es nur mein Pferd. Und ein Jungpferd war er auch nicht mit seinen 12 Jahren. Ist auch egal, es war einfach nur schrecklich ihn so zu sehen und ihm nicht helfen zu können.
    Es besteht sicherlich noch Forschungsbedarf, um die Ursachen und Mechanismen herauszufinden.

    • Petra sagt:

      Liebe Claudia, wie schrecklich – dafür gibt es keine richtigen Worte. Keiner von uns anderen mag sich auch nur ansatzweise vorstellen, wie sich diese Situation für dich und auch dein Pferd angefühlt haben muss. Ich hoffe sehr, dass sich irgendwann die Ursachen finden lassen und diese Studie, wie auch andere Studien zu rätselhaften und tragischen Krankheiten, zu guten Ergebnissen und hilfreichen Lösungen finden werden, damit nicht andere auch so ein Schicksal erleiden müssen. Ich schicke dir alles Liebe und hoffe, dass du trotz dieses Schicksalschlages mit Mut und Hoffnung deinen Pferdeweg weitergehen konntest, Petra

  3. Sabina Van der Poel sagt:

    Hallo, ich habe das auch erleben müssen, d. h. natürlich mein Pferd. Ein Isländer, 6 jährig, wunderschön. Vor 5 Jahren war das im Hunsrück. Ich hatte ihn auch gerade 6 Wochen erst. Er stand auf einer weide mit anderen. Für ihn war offenstall neu, für die anderen nicht. Er bekam Krämpfe, konnte nicht mehr laufen…. Es war der horror.
    Der Tierarzt hatte keine Ahnung. Hat ihm buscopan gegeben.
    Er hat dann geäppelt und wir dachten es wird besser. 2 Stunden später war er tot.
    Ich habe damals keine Ahnung gehabt was er hatte. Eine entfernte Tierärztin kam mit dieser Diagnose. Keiner wusste etwas davon. Ich habe einen Professor gefunden, aus Thüringen glaube ich, der die Krankheit beforscht. Mit ihm konnte ich viel sprechen.
    Ich hoffe sehr, dass bald mehr darüber bekannt wird und dass man ein Heilmittel dagegen finden kann.
    Grüße aus Trier
    Sabina

    • Petra sagt:

      Hallo liebe Sabina, das tut mir sehr sehr leid und ist traurig zu lesen. Es ist schrecklich wenn man jemand Liebes verlieren muss und gibt auch letztlich nicht die richtigen Worte dafür. Ich hoffe sehr, dass es bald Hilfe gegen diese Krankheit gibt und drücke wie du fest die DAumen, dass die Forschung neue Erkenntnisse gewinnen kann. Alles Liebe, Petra

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