Artikel aktualisiert am 22.02.2017

Am zweiten Kurstag (… hier geht’s zu Tag 1) hat die Kursveranstalterin Heidi vom Stall „Flurweid“  mir eine ihrer Jungstuten für den Kurs als Partnerin an die Seite gestellt. Das Heidi mir Nayla “leiht” ist sehr nett von ihr, denn Heidi liebt ihre Pferde und es ist ein großer Vertrauensbeweis.

Petra-Nayla

An Tag Zwei sind wir eine klitzekleine Runde. Diesmal geht es in den Praxistest. 8 Teilnehmer zusammen mit ihrem eigenen Pferd und 3 Zuschauer, die sich am Rand gruppiert haben.

Gruppe

Petra-und-Alfonso-Aguilar

Nayla steht wie eine Eins!

Ich stapfe also morgens los, hole mir Nayla von der Weide und putze sie erst einmal zum ersten gemeinsamen Beschnuppern. Da Nayla noch so jung ist, wird sie noch nicht angebunden, sondern das Seil nur zweimal um den Putzplatz-Balken geschwungen. Dann kann sie jederzeit los, wenn sie etwas erschrecken sollte. Aber Nayla steht wie eine Eins und lässt sich entspannt von mir putzen.

Dabei lerne ich gleich, dass sie gerne am Mähnenkamm massiert wird, die Putzgesichtunterlippe zittert verdächtig und das Pferdegesicht sieht entsprechend entspannt aus, während ich mich am Mähnenkamm zu schaffen mache. Ich lerne auch, dass Nayla die Vorderhufe lieber zum Putzen gibt, als die Hufe an den Hinterbeinen. Beim Vorderhuf legt sie mir das Maul auf den Rücken, ist halt bequem und sie kann sich besser ausbalancieren. Weil sie noch so jung ist, lasse ich sie machen.

Ablage

Aber beim Hinterhuf auskratzen will sie mir den Huf zweimal entziehen. Beim ersten Mal gelingt ihr das auch, dann bin ich vorgewarnt und halte den Huf fest, aber ruhig. Solange bis die Stute auch wieder ruhig steht, setze dann ab und lobe sie kurz *Mähnenkammkraulen*. Damit lernt sie, dass sie ruhig stehen soll und mir den Huf entspannt geben soll.

Ansonsten lerne ich auch, dass Nayla wahnsinnig gerne alles anknabbert, speziell Seile und Halfter und das vor allem, wenn man versucht ihr selbiges über den Kopf zu ziehen. Ich kann gar nicht so schnell schauen, wie die Dame das Halfter zwischen ihren Lippen verschwinden lässt.

Langsam aber sicher nähern wir uns dem eigentlichen Thema des Kurses:

Bodenarbeit!

Schritt 1: Swing it, Baby

Weide-Fuetterung

Nayla darf so lange nochmal auf die Weide und entspannen, denn erst einmal müssen die Kursteilnehmer arbeiten. Wir haben alle ein Knotenhalfter und ein Seil in der Hand. Damit lernen wir als erstes wie man es sich permanent ins Gesicht klatscht, weil die Feinmotorik beim Schwingen versagt wie man es korrekt schwingt.

  1. Immer nach Vorne schwingen
  2. Wir sollen uns vorstellen, dass die Richtung, in die der Bauchnabel zeigt, 12 Uhr ist. So! Und dann bitte unbedingt vermeiden nach „12 Uhr“ zu schwingen! Das wäre nämlich direkt auf das Pferd zu und das ist aus Pferdesicht nicht gerade besonders höflich
  3. Wir schwingen nach „9 Uhr“ – dazu müssen wir den Arm und die Schulter leicht nach links eindrehen
  4. Wir schwingen nach „10 Uhr“ und „11 Uhr“
  5. Wir machen einen Handwechsel und schwingen nach „3 Uhr“ und so weiter und so weiter
  6. Wir machen den Propeller über unserem Kopf

Das alles hilft, wenn man ein Pferd vor sich hat. Dann sollte man mit dem Seil irgendwie kontrolliert Körperpartien anschwingen können. Je nachdem in welche Richtung und mit welchem Körperteil des Pferd weichen soll.

Swing

Dann lernen wir, wie man das Seil halten soll.

  • Wir sollen unbedingt mit dem kleinen Finger in Richtung Pferd halten.
  • Also: die Hand ist so eingedreht, dass der kleine Finger Richtung Pferd zeigt.
  • So kann man langsam nach und nach die Finger schließen und bei Bedarf immer mehr Druck aufbauen oder sofort lockerlassen, wenn das Pferd alles gut gemacht hat.

Alfonso Aguilar lässt uns Schüttelbewegungen machen, mit denen wir dem Pferd sagen können, dass es Rückwärts gehen soll. Kleine Wellenförmige Bewegungen, nicht zu große. Lieber klein bleiben und schneller werden ist seine Devise.

Schritt 2: Teamwork mit menschlichen „Pferden“

Damit wir ein Gefühl dafür bekommen, wie sich das mit Gegendruck anfühlt, bzw. wie sich die einzelnen Bewegungen für das Pferd anfühlen, müssen wir jede einzelne Stufe auch mit einem menschlichen Trainingspartner austesten und probieren. Petra-Alfonso-Nayla

Das ist grandios! Ich bekomme sofort ein Gefühl dafür, wie sich diese oder jene Bewegung für das Pferd ungefähr anfühlt. Wenn ich zum Beispiel mit dem Seil schwinge oder wenn ich das Seil schüttele für den Rückwärtsgang. Das müsst ihr unbedingt auch mal zu Hause ausprobieren.

Schnappt Euch eine Freundin oder einen Kumpel, der das Knotenhalfter festhält und dann schüttelt ihr das Seil. Anschließend umgekehrt, so dass ihr an dem Ende seid, an dem später das Pferd ist.

Schritt 3: Bodenarbeit a la Alfonso Aguilar

Dann wird es Zeit die Pferde zu holen. Alfonso Aguilar teilt uns in Gruppen ein, je nach Erfahrung und Charakter des Pferdes, so dass nie mehr als 3-4 Pferde gleichzeitig in der Halle sind. Dann müssen wir am Hals biegen, wir müssen die Vorhand und die Hinterhand bewegen, wir sollen am Strick wegschicken und longieren. Danach Seitengänge an der Bande entlang.

Natürlich immer auf beiden Seiten, damit das Pferd auf beiden Seiten gleich beweglich und trainiert ist.

Ich bin immer noch nervös und genauso stelle ich mich dann auch erst einmal an. Nayla ist lieb und macht brav mit, aber am Ende des Vormittags harmonieren wir deutlich besser als am Anfang. Das liegt aber nicht an Nayla, sondern nur an mir und meiner leicht vorhandenen Unruhe, irgendetwas falsch zu machen und so das Pferd zu irritieren. Die Pferde spiegeln uns. Nayla spiegelt mir meine Unsicherheit. In dem Moment, in dem du entspannst, wird sich auch dein Pferd entspannen. Nayla hält tapfer durch und erträgt mich mit viel Seilknabberei Freundlichkeit.

Petra-Nayla

Für eine 2,5 jährige ist Nayla erstaunlich cool und gelassen. Sie zickt überhaupt nicht, nimmt die fremden Pferde mit Neugierde. Sie ist offen, ein bisschen frech, aber dabei sehr brav und lieb.

Schritt 4: Mal wieder „Swing it, Baby“

Aufbau-Alfonso-Aguilar-Hindernistraining

Nayla und ihre Kumpels dürfen wieder zurück auf die Weide, wir Menschen dürfen weiterschuften einen Hindernisparcour aufbauen. Aus den Untiefen der Reithalle fördern wir verschiedene Plastikplanen, Gymnastikbälle und Pylonen, Stangen und wedelnde Plastikschnipsel, PET-Flaschen und Wippen zu Tage. Das alles bauen wir tapfer gemeinsam auf, bevor es in die Mittagspause geht.

Schritt 5: Da soll ich mit Nayla durch?

Schreckliche Plastikmonster, raschelnde Regenschirme und andere Ungetüme warten auf die Pferde. Aber bevor wir mit den Vierbeinern ran dürfen, lernen wir erst wieder am Zweibeiner, wie sich das alles anfühlen könnte. Wir werden zum Pferd!

Petra-Alfonso-Aguilar-Trockenuebung-Bodenarbeit-1

Petra-Alfonso-Aguilar-Trockenuebung-Plastikflaschen

Petra-Alfonso-Aguilar-Trockenuebung-Sprung

  1. Wir lernen, dass man das Seil entspannt halten sollte und zwar immer so, dass sich kein Knoten oder keine Schlaufe bilden könnte, wenn das Pferd erschreckt und davongaloppiert.
  2. Wir lernen, dass die Hand, die das Pferd in eine Richtung führen soll, erst offen und locker am Seil sein sollte, dann nach und nach Druck aufbaut, dann mit der anderen Hand ein bisschen Schwung in Richtung Hinterhand kommen muss und am Ende wird auch mal kurz geschnalzt, falls das immer noch nicht ausreicht.
    Aber: Sobald das Pferd losläuft, sofort wieder locker lassen, Schwung raus aus der Hand und das Pferd machen lassen. Es soll möglichst von alleine mitdenken und durchgehen.
  3. Wir lernen, dass man das Pferd erst einmal in aller Ruhe am den neuen Gegenständen schnuppern lassen soll.
  4. Dann gibt es für jedes Hindernis einen Platz, den wir einnehmen sollten . Von dort aus sollen wir das Pferd mit dem Seil und dem Schwingen des Seils „schicken“. Wir sollen nicht vorauslaufen oder das Pferd durchführen. Denn indem wir es schicken, lassen wir das Pferd selbst diese Erfahrung machen.
  5. Wir lernen, dass wir dem Pferd alle Zeit lassen sollen, sobald es am Startpunkt des Hindernisses steht, so dass es selbst entscheidet dort durchzugehen. So fasst es Vertrauen in sich und seine Fähigkeiten.
  6. Ganz wichtig: Danach sollen wir dem Pferd immer auch eine Pause lassen. Damit es darüber nachdenken kann und eine Belohnung für seine Anstrengung und den Mut bekommt, den es da gerade bewiesen hat.

Mich berührt es sehr, wie viel Mut und Anstrengung die Pferde auf sich nehmen, um durch diese raschelnden Monster oder engen Gassen zu laufen. Das alles sind potentielle Gefahrenquellen, denen sie sich in der Wildnis nie annähern würden. Aber weil wir sie darum bitten und weil sie uns Vertrauen, gehen sie da durch. Man sieht den Pferden teilweise an, wie sie jedes bisschen Mut zusammenkratzen, bevor sie durch ein unbekanntes neues Hindernis gehen.

Dann komme ich zusammen mit Nayla an die Reihe. Ich beschließe einmal kurz durchzuatmen und das innere Nervenwrack in mir ins Nirvana zu schießen. Für Nayla will ich klar, ruhig und gelassen sein. Es macht Spaß, beschließe ich. Das wird mein Grundgedanke und es hilft.

Ich lasse sie erst einmal an allem Schnuppern und sie stapft neugierig auf alles zu.

Petra_Nayla_Regenschirm

Der Regenschirm ist ihr erst einmal suspekt, aber ich führe sie ran und lasse sie schnuppern. Ich raschle ein bisschen. Nach einer ersten Skepsis was ist das für ein schrecklich hässliches blaues Ding will sie den Regenschirm gleich auffressen. Gut! Auch das hätten wir damit erledigt.

Dann geht’s ans erste Hindernis. Ich halte meine richtungsweisende Hand, schwinge ein bisschen mit der anderen Hand und schwups ist Nayla durch. Dann das nächste Hindernis: Gleiches Spiel – Schwupps ist Nayla durch. Hier und da zögert sie kurz oder schnuppert etwas aufgeregter, aber so wenig, dass es fast gar nicht auffällt. Dann bekommt sie alle Zeit der Welt, sich das potentielle Monster anzusehen und danach stapft sie munter durch. Wir tigern einmal und zweimal gelassen durch den Parcours und meistern jedes Hindernis. Einfach so! Alle sind fassungslos, ich auch!

Petra_Nayla_Plastikflaschen

Petra_Nayla_Plastikfolie

Petra_Nayla_Holzboden

Petra_Nayla_Flatterband

Petra_Nayla_Sprung

Mein Fazit: Nayla ist ein Naturtalent und die vermutlich coolste 2,5 Jährige, die je über diesen Erdball gelaufen ist.

Als Belohnung darf sie wieder auf die Koppel, trottet auch brav neben mir her und lässt sich nochmal den Mähnenkamm kraulen, bevor ich ihr das Halfter abnehme. Ich bin ab jetzt nicht nur Alfonso Aguilar, sondern auch Nayla Fan. Und damit geht ein anstrengender, aber traumhaft schöner Kurstag zu Ende.

Morgen geht’s weiter mit Freiarbeit und noch mehr Hindernisparcours…

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7 Kommentare zu “Relax! Alfonso Aguilar zeigt wie Kommunikation richtig funktioniert

  1. Mary van der Have sagt:

    Bin ganz neidisch….so einen Kurs wünsche ich mir auch!!
    Dafür habe ich mir vor 5 min. das Buch von Alfonso Aquillar bestellt,
    sozusagen als "Kurs-Ersatz"…..Ich freu´mich aufs Lesen und vielleicht
    ist er ja mal in NRW…..LG Mary

    • Petra sagt:

      Liebe Mary, Du wirst lachen – aber als ich von Alfonso Aguilars Kurs zurückkam meinte ich genau das zu Sabine: Sie trainiert a la Alfonso oder vielleicht trainiert Alfonso auch a la Sabine ;-) Das Training ist sich wirklich sehr ähnlich, was ein großes Kompliment an Sabine ist, die ähnliche wunderbare Grundsätze hat wie eine Pferdegröße wie Alfonso Aguilar. Beide haben sie die gleiche Geduld, den gleichen liebevollen humorvollen Umgang und achten sehr auf die Bedürfnisse des Pferdes. Ich bin gespannt, wie Du das Buch findest und kann Dir Alfonso als Trainer zu 100 % ans Herz legen, wenn er mal in Deiner Nähe sein sollte :-) So sympathisch, so ein wunderbarer Horseman und so viel Pferdewissen, dass er sehr gerne teilt.

  2. Steffi Stoll sagt:

    Ein sehr schöner Kursbericht. Ich hatte mich auch schon gefragt, wie Alfonsos Kurse wohl sind. Ich war nämlich erst letzte Woche auf einem Kurs von seinem Sohn. Von ihm bin ich genau so begeistert und kann ihn absolut empfehlen. Wir haben sehr ähnliche Dinge gelernt und es war eine lockere Atmosphäre. Meine Dreijährige war mindestens so gut wie Nayla… Na ja…vielleicht noch ein bisschen besser. ;-)
    Die Trockenübungen mit dem Seilchen haben wir auch gemacht. Und ich denke, die werde ich auch noch ein oder zweimal wiederholen.
    Lieben Gruß, Steffi

    • Petra sagt:

      Liebe Steffi, wie lustig – ich werde demnächst zur Young Generation-Tour mit Arien gehen und mir seine Pferdearbeit ansehen. Dann machen wir es genau umgekehrt ;-) Alfonso ist sicher genauso empfehlenswert wie sein Sohn. Ein toller Pferdemensch. Ganz liebe Grüße, Petra P.S.: Bestimmt war dein Dreijähriger mindestens genauso toll wie Nayla ;-) Wobei mir die kleine Freibergerdame schon sehr ans Herz gewachsen ist in den Kurstagen, weil sie so ein cooles Ding ist. Hätte ich da nicht schon meine Kleine gehabt, hätte Nayla mich in Versuchung führen können.

  3. Pferdefreunde sagt:

    Liebe Petra,
    das ist ein richtig toller Kursbericht! Ich habe richtig Lust, auch mal einen Kurs bei ihm zu besuchen. :)
    Übrigens bin ich immer wieder überrascht, wie undeutlich unsere Signale sind, die wir gefühlt sehr deutlich geben. Das zeigt sich immer dann so schön, wenn wir Menschen in die Rolle des Pferdes schlüpfen.
    Liebe Grüße
    Karo

    • Petra sagt:

      Liebe Karo, Alfonso kann ich dir nur und zu 100% empfehlen. Von all den Kursen, die ich bislang gemacht habe, ist mir der Kurs mit Alfonso am meisten in Kopf und Herz hängen geblieben. Seine Art mit Pferden umzugehen ist inspirierend. Weil sie so unaufgeregt, klar und verständnisvoll ist. Und seine Art Kurse zu halten ist ohnehin toll. Ich mochte sehr, dass ich immer erst am Mensch testen konnte, bevor ich ans Pferd bin. Liebe Grüße, Petra

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